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Ein Mitbewohner auf drei Beinen

Wildschweinbaby Bilbo Ein Mitbewohner auf drei Beinen

Auf drei Beinen erkundet Wildschweinbaby Bilbo die Welt. Das Tierchen kam mit einem verkümmerten Vorderlauf zur Welt. Weil es in freier Wildbahn nicht überleben könnte, ziehen drei junge Leute den kleinen Racker groß.

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Wildschweinbaby Bilbo in der Wohngemeinschaft der FÖJler im Erlebniswald Trappenkamp.

Quelle: Petra Stöver

Daldorf. In ihrer Wohnung, wo er vom Teppich aufs Sofa und dann wieder unter den Tisch hopst statt wie seine Artgenossen durch Wald und Feld zu laufen.

Jule Großelohmann (19), Lars Meßer (20) und Jonas Stögbauer (19) absolvieren ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Erlebniswald Trappenkamp. Dort gab eine Besucherin den Kleinen ab, den sie vor gut einem Monat nahe eines Maisfeldes gefunden hatte. Das damals zwei Wochen alte Wildschweinbaby, in der Fachsprache als Frischling bezeichnet, hatte bei der Maisernte nicht mit seiner Familie weglaufen können. Nach kurzer Diskussion entschieden sich die FÖJ-ler dazu, das Tier per Hand aufzupäppeln. Also zog Bilbo, der wegen seine Nase auch Stöpsel genannt wird, mit ein in die Wohngemeinschaft auf dem Betriebshof.

Der dreibeinige Mitbewohner hielt die drei junge Leute anfangs ordentlich auf Trab. Alle vier Stunden musste sein Hunger gestillt werden, in den ersten Tagen jeweils mit einem Schälchen Fohlenaufzuchtmilch. Nachts haben sie sich deshalb den Wecker gestellt und sich mit der Fütterung abgewechselt. „Das war schon anstrengend“, sagen sie übereinstimmend. Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben, denn ihr braun-beige gestreifter Mitbewohner hat ordentlich zugelegt. „Topfit“ sei er, bei guter Gesundheit und auch die Kastration vor wenigen Tagen habe er gut überstanden. Noch immer schlabbert er gerne Milch, vertilgt aber auch Mais und Gemüse. „Der kommt mit seinem kaputten Bein gut zurecht.“

Er knabbert gerne an Kabeln

Jetzt ist Bilbo aus dem Babyalter raus, und benimmt sich zunehmend wie ein Schwein. „Alles wird zerfetzt, das Essen umgestoßen“, schildert Stögbauer. Vor Kurzen hatte er sich aus der Schlafhöhle befreit und den Teppich mit Mais und Papierschnipseln übersät. „Der ist jetzt in der Pubertät“, beschreibt Meßer den kleinen Rabauken, der auf seinen drei Beinen äußerst mobil ist. Sogar die Treppe in den ersten Stock schafft er. Nur das Katzenklo, auf dem er eigentlich seine Geschäfte erledigen sollte, lässt er links liegen. „Die Steckdosen haben wir schon zugeklebt, weil er mit seiner Schnauze immer da rein ist“, erzählt Großelohmann. „Ja, und Kabel liebt er“, fügt Stögbauer hinzu. Die FÖJ-ler nehmen das vorübergehende Chaos in ihrer WG gelassen. „Das ist schon okay!“

In freier Wildbahn - keine Chance

Nachts schläft das Wildschwein im Haus. Tagsüber kommt er manchmal in eine eingezäunte Ecke vor dem Haus. Nach und nach versuchen die FÖJ-ler, ihren Mitbewohner wieder an seine angestammte Umgebung zu gewöhnen. Sie setzen ihn im Wald in ein abgetrenntes Gehege, vom dem aus Bilbo mit anderen Wildschweinen Blickkontakt aufnehmen kann. Dort werden dem kleinen Kerl auch Eicheln und Kastanien angeboten. Nebenan haust eine zahme Rotte, die einmal seine Familie werden soll. Dazu gehören die Sauen Banana und Mathilde, die mit der Hand aufgepäppelt wurden, einige Frischlinge sowie Keiler Heinrich, der aus einem anderen Wildpark stammt. Noch sind die Tiere in der Kennenlernphase. Ob sie Bilbo aufnehmen und er in ihrem Gehege zurechtkommen wird muss sich zeigen. Jedenfalls hat der Dreibeiner die Chance. In freier Wildbahn wäre er nie so weit gekommen.

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