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Erste Anlage wächst gen Himmel

Windkraft bei Neuengörs Erste Anlage wächst gen Himmel

Der erste Spargel steht. Am Dienstag wurde östlich von Neuengörs die erste von sechs neuen Windkraftanlagen aufgebaut. 30 Männer arbeiten in den kommenden Wochen auf der Baustelle.

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Geräusch- und scheinbar schwerelos wurden die Teile einer neuen Windanlage bei Neuengörs hochgehievt. Dabei sind sie um die 50 Tonnen schwer.

Quelle: Detlef Dreessen

Neuengörs. „12 bis 14 Meter pro Sekunde, das ist zu viel“, entschied gegen 11 Uhr Manfred Lange, Teamleiter des Krans und stoppte die Arbeiten. Denn während es unten am Boden windstill war, pfiff oben am Kran, der die Teile der Windanlage in die Höhe hieven sollte, ein kräftiger Wind. Eine Stunde lang musste pausiert werden. Wie ein Stummel wirkte derweil das unterste Turmteil, das schon auf dem Betonfundament stand.

 Kaum legte sich der Wind, ging es an Bauteil Nummer zwei: 25 Meter lang, 50 Tonnen schwer. Bevor die Röhre in die Luft stieg, wurde sie jedoch noch einmal geputzt. „Die ist über den Lübecker Hafen hierher geliefert worden, da waren wohl einige Träger schmierig“, sagte Norbert Bossen. Er ist Bauleiter des Herstellers Senvion, der die Anlagen liefert. Weil Eigentümer neuer Windanlagen ebenso wenig wie Käufer reines Neuwagens von Schlieren auf ihrer neuen Errungenschaft begeistert sind, wird in Neuengörs geputzt – solange die Männer an die Stellen noch herankommen.

 Wichtiger sei allerdings bei der Montage, dass die Teile zusammenpassen, stellte Bossen klar, wo das Schwergewicht der Arbeiten liegt. Verbunden werden die Teile mit riesigen Schrauben, jede 15 Kilogramm schwer. „Hin und wieder sind Turmteile nach einer langen Anfahrt nicht mehr ganz kreisrund“, berichtete Bossen, „dann passt das Lochmuster nicht hundertprozentig.“ Sei die Abweichung zu stark, werde hydraulisches Gerät eingesetzt.

 Ob in Neuengörs alles passt, zeigte sich am Dienstag erst, als der Wind nachgelassen hatte. Langsam hievte der Kran das zweite Turmteil auf das erste: Maß- und Geduldsarbeit. „Man muss warten, bis es sich einpendelt“, erklärte der Bauleiter. Erst dann durften die Männer an der Verbindungsstelle noch etwas ziehen, schieben und drehen, bis die 140 Schrauben mit Schlagschraubern befestigt wurden.

 Bis zum Abend werde man auch die drei Teile der Gondel in 93 Metern Höhe montiert haben, zeigte sich Bossen zuversichtlich. Mittwoch sollen die Rotorblätter folgen, die fertig montiert 150 Meter empor ragen. Diese Arbeit sei zwar schwierig, aber nichts Neues. „Ich mache das seit 1999 und war als Bauleiter schon in mehr als 50 Ländern.“ Doch gerade die Routine sei eine Gefahr: „Im vergangenen Jahr war in Mecklenburg ein Monteur abgestürzt und dabei ums Leben gekommen. Er war nicht gesichert.“ Auch deshalb kennt Bossen bei der Sicherheit keinen Spaß. Ohne Helm kommt niemand in die Nähe der Baustelle. „Eine Schraube, die herunter fällt, kann ganz schön wehtun.“

 Schaulustige, die die Arbeiten beobachten wollen, sollten daher ein Fernglas oder Teleobjektiv mitnehmen – und bei Wind auch viel Zeit. Wenn die Anlagen Strom ins Netz speisen, hoffen nicht nur Großinvestoren auf satte Gewinne. Auch 90 Einwohner aus Neuengörs und Umgebung, die eine Bürgerwind N-W GmbH gegründet haben, wollen mit einer der sechs Anlagen Geld verdienen.

 Bis dahin dauert es jedoch noch etwas. Volker Schuldt aus Neuengörs, Geschäftsführer des Betreibers Windprojekt N-W und Mitinvestor, rechnet damit, dass die Anlagen im Februar 2017 den ersten Strom liefern.

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