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Kreis soll zur Marke werden

Wirtschaftsförderung Kreis soll zur Marke werden

Neue Töne in der Politik, Kooperation statt Konkurrenz: Wirtschaftsstarke Regionen wie an der A7-Achse wollen im Kreis Segeberg künftig mit den ländlichen Gebieten gemeinsam um Gewerbeansiedlung buhlen. Bindeglied soll die neu aufgestellte Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WKS) des Kreises sein.

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Gesichter der neuen WKS: Hans-Joachim Grote (von links, Aufsichtsratsvorsitzender), Chefin Maike Moser und Landrat Jan Peter Schröder (Aufsichtsrat).

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Die Zeit der Kirchturmpolitik sei vorbei, sagen der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, und Landrat Jan Peter Schröder.

 Bislang kämpften die Kommunen meist für sich selbst, um Betriebe für Ansiedlungen und Bürger fürs Wohnen bei sich im Ort zu gewinnen. Denn über die Anteile an der Gewerbesteuer und Einkommenssteuer finanzieren sich die Städte und Gemeinden. Die starke Westachse an der A7 hatte sogar eine eigene Vermarktungsgesellschaft Nordgate gegründet.

 Aus der Not heraus, blickte Grote in die Historie zurück. Denn Norderstedts Kosten für einen Stand auf der wichtigen Immobilienmesse in München hätten sich auf eine sechsstellige Summe addiert. Zu viel selbst für eine so wohlhabende Stadt wie Norderstedt, die etwa 40 Prozent des Kreishaushalts über die Kreisumlage beisteuert. So schlossen sich die großen West-Gemeinden zusammen und suchten und fanden gemeinsam ansiedlungswillige Firmen. Der ländlich geprägte Osten des Kreises fühlte sich abgehängt. Wachstumsregionen waren nur Bad Segeberg/Wahlstedt und Trappenkamp/Bornhöved.

 Frühere Wirtschaftsförderungsgesellschaften des Kreises mühten sich und scheiterten weitgehend daran, auch dem Osten zum Aufschwung zu verhelfen und die starken Kommunen einzubinden. Auch mit Gewerbeflächen durfte die WKS zuletzt nicht makeln. Das soll auch weiterhin den Standortkommunen überlassen werden. Aber jetzt wollen sich alle 95 Städte und Gemeinden gegenseitig unterstützen. Der Kreis Segeberg soll zur Marke werden, auch im Kampf gegen die Umlandkreise und die Stadt Hamburg um Arbeitnehmer und Firmen.

 Denn als Einzelkämpfer sei heute nichts mehr zu stemmen, sagt Grote, der freimütig bekannte, die Stadt zahle gerne so viel Kreisumlage, wenn der Kreis in seiner Ausgleichsfunktion dazu beitrage, die Lebensverhältnisse im Kreisgebiet zu verbessern. Früher sei es so gewesen: Firmen hätten in Rathäusern angeklopft, ob ein Grundstück frei sei, und die Arbeitnehmer wollten einen Autobahnanschluss in der Nähe.

 Heute gehe es darum, so Grote, dass die Behörden den Firmen als Komplettdienstleister entgegentreten, die den Unternehmen helfen, ihre Probleme bei einer Ansiedlung zu lösen. Dazu seien viele verschiedene Stellen nötig, die Kommune und das Umland. Und die Mitarbeiter der Firmen wollten ein gutes Lebensumfeld mit wenig Lärm, günstigen Wohnungen und guter Digitalstruktur, wie sie auch Dörfer böten. Wichtig sei heutigen Arbeitnehmern die Work-Life-Balance, nicht der schicke Dienstwagen.

 Grote und Schröder waren sich einig: Der Kreis Segeberg biete ein gutes Gesamtpaket. Die Konkurrenz unter den Gemeinden bleibe zwar, sagt Grote. Aber sie würden jetzt alle auch über den Tellerrand gucken. Die WKS erfülle dabei eine wichtige Funktion, als Vernetzer und Werber für Segeberg – und die helfe, die Stärken des Kreises allen zugänglich zu machen. Ein Selbstgänger werde dies nicht, und wohl auch bald mehr Geld nötig. „Das ist ein Projekt für zehn Jahre.“

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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