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Die letzte große Entscheidung

Wohnen im Alter Die letzte große Entscheidung

Wo und wie will ich als Senior wohnen? Die meistgenannten Wünsche: bezahlbar, barrierefrei, in Gemeinschaft, mit guter Infrastruktur im Umfeld. Der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen steigt, sagt Winfried Zylka aus Bornhöved, Kreispräsident und Kommunalberater für demografische Entwicklung.

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Ulrich Schulz baut mitten in Leezen seine Altenteilerwohnung. Vier weitere Parteien werden in das Mehrfamilienhaus einziehen.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Experten empfehlen: Für diese, meist letzte große Entscheidung im Leben rechtzeitig planen, wenn man noch dazu in der Lage ist. Beispielsweise, wenn die Kinder aus dem Haus sind, sagt Architekt Eckhard Meier aus Bad Segeberg. Er entwarf mit Kollege Wilfried Moss schon viele Altenheime und Wohnprojekte.

 Gedanken macht sich bereits Ulrich Schulz (62). Der Bürgermeister in Leezen lebt mit seiner Frau Birgit (60) im Einfamilienhaus im Ortsteil Heiderfeld. Im fortgeschrittenen Alter will er es nicht weit zum Einkaufen, Arzt, Apotheker und Bus haben. Gemeinsam mit Freund Horst Hartwig, noch in den 50ern, saßen die Eheleute oft zusammen. „Wo wollen wir im Alter wohnen? Welche Erwartungen haben wir?“, hätten sie sich gefragt, erzählt Schulz: „Wir wollten das rechtzeitig in Angriff nehmen.“ Sie schauten sich Projekte und Immobilien an. Manches war schön, aber teuer. Nun bauen sie selbst, mitten in Leezen, hinter dem Bäcker an der B432. Drei Wohnungen unten, zwei oben. Mit Terrassen und Balkonen, jeweils rund 70 Quadratmeter, mit drei Zimmern und offener Küche. Erst mal werden die Wohnungen vermietet. Später will das Trio selbst einziehen. Architekt Moss verweist auf die altengerechte Bauweise. Keine Stufen im Zugang, die Türen breit genug für Rollator und Rollstuhl, Dusche barrierefrei, Küche leicht zugänglich. „Wohnungen werden darum nicht teurer“, sagt er. Man könne auch alte Wohnungen umrüsten, mit Zuschüssen.

 Moss und Meier planen auch altengerechte Wohngenossenschaften, in Fahrenkrug, Garbek und Nahe. Menschen schließen sich zusammen, zahlen einen Genossenschaftsanteil von 10000 Euro, haben Anspruch auf eine Mietwohnung.

 Von ehemaligen Eigenheimbesitzern fällt nach dem Umzug in Wohnungen eine Last ab, sagt Meier. Sie müssten sich nicht mehr um Reparaturen, Schneeräumung oder Rasenmähen kümmern. Das schafft Luft für Neues. Im geförderten Wohnungsbau lägen die Mieten unter 6 Euro pro Quadratmeter, erklärt der Architekt. Wichtig sei Senioren, Läden und Ärzte in der Umgebung zu haben. Deshalb gebe es den Trend zu Seniorenzentren. Es gebe aber auch weiter viele Menschen, die bis zum Tod unbedingt in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollten.

 Das Problem auf den Dörfern: Das Netz an Arztpraxen und Einkaufsläden dünnt aus. Reagieren muss der Staat: Die Gruppe der Über-65-Jährigen steigt von 2011 bis 2030 um fast ein Drittel. Kreispolitik und Kreisverwaltung haben eigens das Projekt „Kreis Segeberg 2030“ gegründet.

 „Das ist ein Riesenthema“, sagt Anke Pawlik aus Groß Kummerfeld, Vorsitzende des Kreisseniorenbeirates. Fast alle Senioren wollen zu Hause wohnen bleiben, weiß sie. Gut gelinge das meist Landwirtsfamilien, mit drei und mehr Generationen auf einem Grundstück. Doch wer allein und gebrechlich im Haus lebt, sei meist zum Umzug gezwungen. In Neumünster beispielsweise gebe es bezahlbare Wohnungen, Nähe zu Läden, Ärzten und Pflegeeinrichtungen –. „doch dort fehlt das soziale Umfeld“. Pawlik hält heimatnahe Wohnprojekte für ideal. „Man benötigt aber Grundstück und Investor.“ Ein Paradebeispiel sei das Projekt „Gemeinsam to HUs – Wohnen 50 Plus“ in Henstedt-Ulzburg. Allerdings stellt Pawlik fest: „Viele Senioren schieben solche Entscheidungen auf die lange Bank.“ Werden sie dann gebrechlich, seien schnelle Lösungen nötig, die selten die besten seien.

 Den Trend zum seniorengerechten Wohnen in der Stadt, auch mit mehreren Generationen unter einem Dach, sieht Cornelia Möller, Geschäftsführerin von DS Immobilien in Bad Segeberg. „Wir haben unheimlich viele Anfragen. Das ist das Wohnen der Zukunft.“

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Gerrit Sponholz
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