23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ziegen im Staatsdienst

Im Moor bei Bad Bramstedt Ziegen im Staatsdienst

Wer zwischen Bad Bramstedt und der Autobahn von der Bundesstraße 206 in die Alte Schmalfelder Landstraße abbiegt und aufmerksam die Natur beobachtet, wird dieser Tage im Unterholz ungewöhnliches Getier entdecken. Seit vier Wochen leben hier 47 Ziegen mit dem staatlichen Auftrag, das Gehölz klein zu halten.

Voriger Artikel
Parkpalette wird vergrößert
Nächster Artikel
Müll-Ärger an den Containern

Die Ziegen fühlen sich offenbar wohl im weitläufigen Schindermoor. Sie sollen verhindern, dass Bäume die moortypische Bodenvegetation vernichtet.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bestellten Landschaftspfleger gehören der Hirtin Birgit Voigtländer aus Aukrug im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Neben den Ziegen hält sie auch Schafherden, die zur Naturschutzpflege eingesetzt werden. Ihre Ziegen haben die Aufgabe, im rund 15 Hektar großen Schindermoor zu verhindern, dass die Heidevegetation von Bäumen verdrängt wird. „Ziegen sind Weltmeister im Gehölzverbiss“, erklärt Dr. Björn Schulz, Projektmanager der Stiftung Naturschutz, die im Auftrag des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums tätig ist. „Anders als bei Schafen und Rindern, die vor allem Gras und Kräuter fressen, wächst die Hauptnahrung der Ziegen eine Etage höher“, erläutert Schulz. Ein großes Problem bei der Pflege von Mooren und Heidelandschaften sei, dass die Flächen rasch mit Gehölzen zuwachsen. Die meckernden Naturschützer sollen vor allem Birken und Traubenkirschen klein halten. Ziegen haben nicht nur eine Vorliebe für Blätter, sie knabbern auch gern die Rinde der jungen Bäume ab, die daraufhin absterben.

 Ganz frei laufen die Ziegen im Schindermoor nicht. Netze, die elektrisch geladen sind, umzäunen jeweils Flächen von zwei bis drei Hektar, auf denen die Ziegen weiden. Genau genommen sind hier nur Böcke und Hammel, also kastrierte Böcke, im Einsatz. Die beiden Mitarbeiter von Hirtin Voigtländer müssen von Zeit zu Zeit die Netze umsetzen, sodass die Ziegen nach und nach auf den gesamten 15 Hektar ihrer Aufgabe nachgehen können. „Ziegen sind Ausbrecherkönige, ohne stromführende Zäune wären sie kaum zu bändigen“, sagt Voigtländer. Spaziergänger sollten übrigens aufpassen, dass sie nicht gegen die Netze kommen und sich einen Stromschlag holen. Auch Hunde sollten von den Netzen ferngehalten werden. Außerdem bittet Hirtin Voigtländer Hundehalter, darauf aufzupassen, dass die Vierbeiner die Ziegen nicht jagen, auch nicht am Zaun entlang. In Panik geraten, könnten sie sonst leicht ausbrechen.

 Die Ziegen sind unbeaufsichtigt, sie ernähren sich ausschließlich von dem, was ihnen die Moorlandschaft bietet. Nur ab und zu gucken Birgit Voigtländer und ihre Mitarbeiter mal nach, ob noch alle Tiere da sind. „Der Wolf ist natürlich auch ein großes Problem, das größere sind aber freilaufende Hunde“, sagt die Herdenhalterin. Im Schindermoor hätten ihre Ziegen aber bisher noch keine Bekanntschaft mit dem Raubtier gemacht.

 Das Moorpflege wurde von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Segeberg und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume an die Stiftung Naturschutz delegiert. Finanziert werden solche Maßnahmen aus verschiedenen Quellen, wie dem Moorschutzprogramm des Landes oder auch dem E&E-Projekt Wiedervernetzung. Dieses Projekt will erreichen, dass durch Autobahnen und Bundesstraßen getrennte Naturlandschaften zusammengeführt werden. Die Straßen sind unüberwindbare Hindernisse für Wildtiere, die in ihren zu kleinen Lebensräumen durch Inzucht genetisch verarmen. Deshalb wird beim Schindermoor im Zuge des sechsspurigen Ausbau der A7 eine Grünbrücke gebaut, ganz in der Nähe der Unterführung der Schmalfelder Au.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3