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Meinungswandel zum Neubau

Kaltenkirchen Meinungswandel zum Neubau

Der geplante Neubau an der Schützenstraße ist in den vergangenen Wochen auf teilweise harsche Kritik gestoßen. Umso überraschender war es, als es für das Wohn- und Geschäftsgebäude in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses plötzlich fast ausschließlich großes Lob gab.

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Eine Rückansicht des Hauses mit Laubengang und Parkplatz. Ebenerdig sollen sieben bis elf Parkplätze entstehen. Außerdem wird eine Tiefgarage geplant, die von der Königstraße aus angesteuert werden soll.

Quelle: HRF

Kaltenkirchen. Der Meinungswandel hatte gute Gründe: Die Baupläne sind deutlich überarbeitet worden, und erstmals wurde das Haus in einem 3-D-Film anschaulich vorgestellt. Dadurch konnten viele Bedenken zerstreut werden.

 Geplant wird das bis zu 15 Meter hohe Haus auf dem Areal des ehemaligen Gasthofes Hüttmann. Das Bestandsgebäude ist an die 100 Jahre alt, baufällig und steht leer. Alle Geschäftsbetriebe, die dort in den letzten Jahren ihr Glück versuchten, sind aus dem maroden Anwesen bereits ausgezogen. Laut Plan soll das Gebäude Anfang 2016 abgerissen werden. Dann könnte ab Frühjahr 2016 am neuen Haus gearbeitet werden.

 Den Neubau errichten möchte die Kaltenkirchener Bank, die das Grundstück zwischen Schützenstraße, Glockengießerwall und Königstraße aufgekauft hat. Mit der Zeichnung der Pläne wurde die Architektengemeinschaft Kai-Ove Jäger (Kaltenkirchen) und Klaus Möller (Hamburg) beauftragt. Ihr erster Entwurf wurde von vielen Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses als klobig, klotzig und zu hoch empfunden. Um die Wogen zu glätten, gingen Investor und Architekten auf die Einwände ein und planten das Gebäude teilweise um.

 Die in der Ursprungsversion hohe Wand an der Ecke Glockengießerwall / Schützenstraße wurde auf Wunsch des Ausschusses zurückgenommen. Dadurch bleibt ein Teil der jetzigen Freifläche gegenüber dem Grünen Markt erhalten. Dort soll Platz für Außengastronomie geschaffen werden. Auch diese Idee war aus den Reihen des Bau- und Umweltausschusses geäußert worden.

 Entscheidend für den Stimmungswandel in dem Gremium war aber auch der 3-D-Film, der extra für die Ausschusssitzung angefertigt worden war. Er zeigte das Gebäude aus allen nur denkbaren Perspektiven und machte deutlich, wie es sich in seine Umgebung einfügen würde. Darüber hinaus wurden mögliche Verschattungen visualisiert.

 Auf den bisherigen Zeichnungen war das Bauvorhaben sehr abstrakt geblieben; nun hingegen bekamen die Zuschauer – darunter auch viele Anwohner der betroffenen Straßen – eine genauere Vorstellung von den Plänen. Von Seiten der Ausschussmitglieder gab es daraufhin nahezu einhellige Zustimmung. „Ich fand das Haus jetzt gut und nicht mehr so bedrohlich wie vorher“, sagte der Vorsitzende Thies Rickert (Wählergemeinschaft Pro Kaki). Dieter Bracke (CDU) nannte die neuen Pläne „sehr gelungen“, Georg Loger (SPD) bezeichnete sie als „aufgelockerter als im ersten Entwurf und in den Rahmenplan passend“ und Katharina Loedige (FDP) empfand alles als „sehr ansprechend“.

 So viel Lob tat Bankvorstand Johann Fuhlendorf sichtlich gut. „Wir möchten zur Stadtgestaltung beitragen und ein hübsches und modernes Haus bauen“, hatte er einleitend gesagt. Auf den großen Ärger im Vorfeld war er nicht weiter eingegangen. Stattdessen hatte die Bank auf Entgegenkommen, Deeskalation und Aufklärung gesetzt. Das war allerdings teuer gewesen: Allein die Erstellung des 3-D-Films hatte 12000 Euro gekostet. Hinzu kommt, dass durch die Umgestaltung der Ecke Glockengießerwall / Schützenstraße viel Gebäudefläche verloren geht. „Das hat natürlich Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit“, sagte Johann Fuhlendorf, der dennoch an dem Projekt festhalten will und hinter den neuen Plänen steht.

 Der aktuelle Entwurf sieht noch immer vier Stockwerke sowie ein Staffelgeschoss vor. Allerdings steigt das Haus nach hinten hin an, so dass es weniger massig wirkt als im ersten Entwurf. Es gibt keine 15 Meter hohe Fassade mehr.

 Das Investitionsvolumen liegt bei rund 10 Millionen Euro. Entstehen sollen 41 Wohneinheiten – genau wie im ersten Entwurf. Weil das Gebäude jetzt allerdings kleiner wird, soll es weniger große Wohnungen geben als in der Ursprungsversion vorgesehen. Die noch zu bauende Tiefgarage soll etwa 35 Plätze bekommen. Auf dem Hof entstehen sieben bis elf weitere Parkplätze.

 An Gewerbebetrieben werden nach dem aktuellen Planungsstand ein Steak-House, das Derpart-Reisebüro, eine medizinische Fußpflegepraxis sowie ein Notariat einziehen. Weitere Gewerbeflächen können noch vermietet werden. Wegen der unsicheren Planungslage hatte die Kaltenkirchener Bank bislang nicht offensiv um Mieter geworben.

 Kritik an dem Gebäude gibt es von Seiten der Anwohner immer noch, allerdings wurde sie auf der jüngsten Sitzung viel verhaltener vorgetragen als im Vorfeld. Die größten Sorgen bereiten den Nachbarn die möglichen Verschattungen ihrer Wohnungen, der zusätzliche Verkehr und eventuelle Lärmbelästigungen. Zum Verkehr sagte Johann Fuhlendorf, dass dieser durch die Tiefgarage nicht allzu sehr zunehmen werde. „Es handelt sich ja um ruhenden Verkehr: Die Hausbewohner fahren morgens mit dem Auto zur Arbeit und kehren abends zurück.“ Unterstützung bekam er von Stadtvertreter Reinhard Bundschuh (Pro Kaki): „Wir reden hier von einer Innenstadt, und schlimmer als viel Verkehr ist es, wenn man dort keinen Verkehr hat.“

 Zu den wenigen Kritikern des Bauprojektes gehörte auch Karl Stanek (SPD). Er wies darauf hin, dass in Kaltenkirchen zurzeit im Wesentlichen im großen Stil gebaut werde. Als Beispiele nannte er das Bahnhofsumfeld und eben auch den Neubau Schützenstraße. „Ich befürchte, dass sich das Stadtbild dadurch völlig verändert und dass Kaltenkirchen seinen kleinstädtischen Charakter verliert“, sagte er. Daher schlug er vor, über die Einführung einer Gestaltungssatzung nachzudenken.

 Davon riet Bürgermeister Hanno Krause jedoch ab. „Das sollte man sich genau überlegen, weil eine Gestaltungssatzung viel reguliert und einschränkt“, meinte der Verwaltungschef. Das reiche bis zur Vorgabe des Türanstrichs und hätte dann auch Konsequenzen für die Eigenheime von Privatleuten.

 Der 3-D-Film vom geplanten Neubau an der Schützenstraße soll noch in diesen Tagen auf die Internetseite der Stadt (www.kaltenkirchen.de) gestellt werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass er bis Ende der Woche in der Rubrik „Aktuelles“ zu sehen sein wird.

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