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Herrenhaus sucht Käufer

Seedorf Herrenhaus sucht Käufer

Eines der schönsten Gebäude-Ensembles im Kreis Segeberg ist zu kaufen. Das denkmalgeschützte Herrenhaus Seedorf mit mehreren Nebengebäuden wird im März zwangsversteigert. Zuvor war ein Rettungskonzept der Besitzer gescheitert. Sie sind im Rentenalter und mittlerweile weggezogen.

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Das denkmalgeschützte Herrenhaus Seedorf mit mehreren Nebengebäuden wird im März zwangsversteigert.

Quelle: Gerrit Sponholz

Seedorf. Das Ehepaar Uwe Karsten Wittwer und Bärbel Jordan-Wittwer wollte sich ohnehin zurückziehen. Zuletzt waren in den hochherrschaftlichen Räumen Feste für Hochzeitsgesellschaften organisiert worden. Das hatte etwa drei Jahre lang der Koch und Betriebswirt Christian Pätow in der Hand.

 „Wir hatten ein Konzept entwickelt, das erfolgreich lief“, sagt Uwe Karsten Wittwer, der mit seiner Frau mittlerweile an der Ostsee wohnt. Die Idee: Pätow betreut die Hochzeitsgesellschaften, ein Investor kauft von den Wittwers die Gebäude und schafft in den Nebengebäuden Übernachtungsmöglichkeiten für die Partygäste. Denkmalschutz und Kreis seien jedenfalls von dem Konzept angetan gewesen, sagt Wittwer. Doch leider habe sich die Bank – nach mehreren Personalwechseln – nicht mehr an alte Absprachen gehalten.

 Es sei zuletzt alles „im Ungewissen“ gewesen, bedauert seine Frau Bärbel Jordan-Wittwer. Wichtige Mitspieler hätten nicht mitgemacht, sagt sie, ohne genauer zu werden. Der Bank - nicht aus der Region - habe auch das nötige Herzblut für ein Objekt auf dem Lande gefehlt. Es habe einen Kaufinteressenten gegeben, der drei Jahre lang gewartet hat und investieren wollte. Doch der Fall habe sich hingezogen. „Mittlerweile ist er nicht mehr in Deutschland.“

 Hinzu kam, dass ihr Mann erkrankt sei. Deshalb hätten sie nun ein Schlussstrich gezogen. „Alles hat seine Grenzen“, sagt die Sozialwissenschaftlerin, die einst mit ihrem Mann, einem Unternehmensberater im Sozialbereich, mehrere Altenheime geführt hatte. Bärbel Jordan-Wittwer hofft darauf, dass sich ein Käufer findet und die Gebäude erhält. Ihr Herz habe 20 Jahre daran gehangen. „Es war unser Lebensziel.“ Zumal sie keine Kinder hätten.

 „Wir haben Millionen hineingesteckt“, sagt Bärbel Jordan-Wittwer. Geld in die Hand nehmen müsste auch der neue Besitzer, meint sie. In Stallungen und Dach müsse investiert werden. Das Herrenhaus sei als Wohngebäude wegen der vielen Durchgangszimmer allerdings sonderlich gut geeignet.

 Gastronomie-Betreiber Pätow hat sich aus dem Herrenhausbetrieb zurückgezogen. „Viele Faktoren“ hätten zum Scheitern geführt, sagt er. Näher wollte er nicht darauf eingehen.

 Das Zwangsversteigerungsverfahren war auf Betreiben der Bank bereits 2013 eröffnet worden. Die Prozedur zog sich hin. So hatte die Eigentümerfamilie Wittwer ein zweites Gutachten zu den Immobilien gefordert. Außerdem benötigten die Experten viel Zeit, um das „nicht alltägliche Objekt“ zu begutachten, sagt Uwe Harm, Rechtspfleger am Amtsgericht Bad Segeberg. Er geht davon aus, dass es einen Markt für derlei Herrenhäuser gibt.

 Den Wert hatten Gutachter auf rund 750000 Euro geschätzt. Angesetzt ist die Zwangsversteigerung für Dienstag, 8. März, ab 10 Uhr im Amtsgericht Bad Segeberg.

 Philipp Frank, Immobilienkaufmann von „Das Finanzhaus“ in Bad Segeberg und Gemeindewehrführer von Seedorf, hält das Gebäudeensemble für gut verwertbar. „Es ist repräsentativ, gut gelegen, hat eine gute Substanz und ist schick.“ Etwa 500000 bis 600000 Euro hält er für realistisch. Fürs Wohnen eigne sich das Herrenhaus weniger, eher für ruhiges Gewerbe, etwa als Verwaltungs- oder Stiftungssitz. Das größte Problem sei der Denkmalschutz, weiß er als Feuerwehrmann. So sei für Feiern im großen Saal eigentlich ein zweiter Rettungsweg nötig – also ein Anbau.

 Die Wittwers hoffen auf einen guten Ausgang. Auch mit ihren Altenheimen hatten sie nicht immer ein glückliches Händchen. 2009 war ein Heim in Goldenbek unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Verkauft ist es nach Angaben von Rechtspfleger Uwe Harm immer noch nicht.

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