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NOK-Schifffahrt massiv behindert

Nach Havarie in Brunsbüttel NOK-Schifffahrt massiv behindert

Der Nord-Ostsee-Kanal ist nach einem Schleusenunfall erneut zum Nadelöhr geworden – und wird es bis zum Herbst auch bleiben. Kapitäne müssen derzeit Wartezeiten von bis zu acht Stunden in Kauf nehmen. Reeder und Makler fordern zusätzliche Schleusentore für Kiel und Brunsbüttel.

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Der Frachter "Saint George" hat die große Nordschleuse in Brunsbüttel bis zur Unnutzbarkeit demoliert.

Quelle: Frank Behling

Brunsbüttel. „Wir fordern den zügigen Bau je eines zusätzlichen Reservetores für die Schleusen in Brunsbüttel“, erklärte Jens-Broder Knudsen, Vorsitzender der Initiative Kiel Canal. Die Vereinigung vertritt die Interessen der Schifffahrt, Wirtschaftsverbände und Kommunen am Kanal. „Havarien können immer passieren“, sagte Knudsen. Um die Folgen für die Schifffahrt so gering wie möglich zu halten, müssten deshalb Vorkehrungen getroffen werden.

Wie berichtet, hatte am Freitag der Frachter „Saint George“ die große Nordschleuse in Brunsbüttel gerammt. Das 1200 Tonnen schwere Schleusentor lässt sich nach der Kollision nicht mehr bewegen und muss ausgetauscht werden. „Unsere Mitarbeiter tun, was sie können. Sie bereiten jetzt den Ausbau des Tores vor“, sagte Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel. „Vor Mai haben wir aber kein Ersatz-Tor für den Einbau hier.“

Zweites Tor im Schlick versunken

Das Ersatz-Schleusentor liegt derzeit in der Kieler Werft Abu Dhabi Mar zur turnusmäßigen Wartung und wird erst im Mai wieder zur Verfügung stehen. Es gibt zwar noch ein zweites Reservetor. Das liegt aber seit Jahren in Brunsbüttel in einem Torbunker. Um es zu bewegen, müssten erst mehrere Tonnen Schlick entfernt werden. Die Verschlickung des zweiten Reservetores ist nach den Worten von Fischer eine Folge des Personalmangels. Alle verfügbaren Ingenieure hätten in den vergangenen Jahren an der Ausschreibung für die fünfte Schleusenkammer mitgearbeitet. Viele andere Projekte blieben liegen. „Wenn wir das Tor jetzt ausbauen, müsste die Südschleuse auch gesperrt werden. Dann kommen die großen Schiffe gar nicht mehr in den Kanal“, erklärte der Sprecher.

Der Fahrplan der Notreparaturen sieht vor, das beschädigte Tor der Nordschleuse im Mai auszubauen und zu ersetzen. Danach soll die Südschleuse außer Betrieb genommen werden. An dieser Schleuse werden am elbseitigen Tor die Schienen des Schiebetores erneuert. Dabei soll dann auch versucht werden, das verschlickte Tor freizulegen und in eine Werft zu bringen.

Kreuzfahrtsaison verlängert Wartenzeiten noch

Für die Schifffahrt bedeutet dies Behinderungen bis Oktober. Erst danach werden vermutlich wieder beide großen Schleusen in Brunsbüttel zur Verfügung stehen. Mit Beginn der Kreuzfahrtsaison könnte es wie zuletzt 2013 zu Wartezeiten von bis zu zwölf Stunden kommen. Die Verwaltung hat eine Internetseite eingerichtet, auf der sich Reeder und Kapitäne informieren können.

Einen Hoffnungsschimmer für die Schifffahrt gibt es immerhin: Das Bundesverkehrsministerium hat auf seiner Liste mit EU-Förderprojekten auch die fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel gesetzt. Der Zuschussbedarf wird mit knapp 161 Millionen Euro veranschlagt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Schiffspositionen: Nord-Ostsee-Kanal (NOK)

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Foto: Der Frachter versuchte noch, mit Anker-Hilfe zu bremsen. Dennoch fuhr er mit großer Wucht ins Schleusentor.

Der Ausfall der großen Nordschleuse hat der Schifffahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal erhebliche Wartezeiten beschert. Am Freitag war der Frachter „Saint George“ gegen ein Schleusentor gefahren.

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