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„Ist ja Wahnsinn, was hier los ist“

Ramponierte Schwebefähre „Ist ja Wahnsinn, was hier los ist“

Die schwer beschädigte Schwebefähre unter der Rendsburger Hochbrücke hat am Sonntag Massen an Schaulustigen aus dem ganzen Land angezogen.

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Raul Oviedo wohnt in Westerrönfeld und musste seiner Schwester Nielda aus Paraguay unbedingt die beschädigte Schwebefähre beim Sonntagsspaziergang zeigen.

Quelle: Frank Scheer

Rendsburg. „Man hätte eine Imbissbude aufstellen sollen, ist ja Wahnsinn, was hier los“, sagt schmunzelnd eine Spaziergängerin, als sie an der Anlegestelle auf der Südseite des Nord-Ostsee-Kanals bei Österrönfeld die vielen Menschen sieht. Und auch sie zückt ihr Handy und macht umgehend einen Schnappschuss.

 Dicht drängen sich die Menschen am Bauzaun, um die Schäden an der Fähre durch die Havarie mit dem Frachter „Evert Prahm“ vom Freitag um 6.38 Uhr aus der Nähe zu betrachten. Dabei ist auch Raul Oviedo: „Ich bin geschockt, dass so etwas passieren kann.“ Seit 25 Jahren lebt der Paraguayer in Westerrönfeld und hat die Fähre selbst schon oft genutzt. Gestern zeigt er seiner Schwester Nielda, die für drei Wochen zu Besuch ist, bei einem Spaziergang die Folgen des Unfalls. Er hofft nicht nur für die viele Kindern aus Region, die jetzt zur Schule in Rendsburg einen weiten Umweg durch den Fußgängertunnel in Kauf nehmen müssen, dass die Schäden reparabel sind. 30 bis 40 Minuten werden die Kinder wohl länger unterwegs sein. Die Schwebefähre, die seit 1913 verkehrt, sei zudem auch ein Tourismusmagnet. „Schon allein deshalb muss man sie wieder in Gang bringen.“ 2012 hatte die Landesregierung beschlossen, die unter Denkmalschutz stehende Schwebefähre als Unesco-Weltkulturerbe anzumelden.

 Ob eine Reparatur möglich sein wird? Da ist sich Dirk Sauerzweig nicht sicher. „Die Konstruktion wird durch eine spezielle Nietentechnik zusammengehalten. Da muss man erst mal einen Spezialisten finden. Aber eigentlich bin ich Laie“, sagt der Neumünsteraner, der extra wegen des Unfalls mit seiner Frau Bärbel angereist ist. „Wir haben quasi eine emotionale Bindung zur Fähre. Wir halten mit dem Auto oft hier am Ende der Fährstraße, lassen uns rüber setzen, laufen dann am Kanal und durch den Fußgängertunnel zurück.“ Dann holt er seine Kamera heraus. „Das letzte Bild von der Fähre habe ich am 20. Dezember gemacht.“

Spekulationen über Ursache

 Zusammen mit anderen Schaulustigen diskutiert Dirk Sauerzweig über mögliche Ursachen des Unfalls. Eine Erklärung haben sie alle nicht. Für die 135 Meter über den Kanal braucht die Schwebefähre, die im viertelstündigen Rhythmus hin und her verkehrt und vier Autos plus 60 Fußgänger transportieren kann, gut zwei Minuten. „Die Fahrer haben Erfahrung und eigentlich reicht das auch“, meint ein Bredenbeker. Als Glück im Unglück bezeichnen viele die Unglückszeit: Eine halbe Stunde später wären eine Menge Schüler an Bord gewesen. Es hätte zu einer Katastrophe kommen können.

 Michael Hansen hat aus Elsdorf-Westermühlen hat sich bereits alle Videos im Internet über den Unfall angeschaut. „Ich hab früher hier auch gewohnt und bin mit der Fähre zur Schule gefahren“, erzählt er. Zusammen mit Sohn Melvin schießt auch er allerlei Fotos. „Meinen Sohn hat der Unfall mitgenommen. Er ist auch schon einige Male mitgefahren, der Unfall hat ihm Angst gemacht“, berichtet der Vater. Aber das Ganze passe ja irgendwie zu Rendsburg: Immer sei alles kaputt oder gesperrt. „Denken Sie doch nur mal an den Kanaltunnel oder die Autobahnhochbrücke im Verlauf der A7. Und jetzt wieder die Schwebefähre.“

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Schiffshavarie
Foto: Das Containerschiff "Sonderborg Strait" lief am Sonnabend gegen 17 Uhr nahe Westerrönfeld in die Kanalböschung und blieb dort manövrierunfähig liegen.

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