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Möbel Kraft darf in Kiel bauen

Bürgerentscheid Möbel Kraft darf in Kiel bauen

Das Unternehmen Möbel Kraft darf in Kiel eine Niederlassung bauen. Ein Bürgerentscheid gegen das Projekt scheiterte am Sonntag knapp.

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Anspannung bis zuletzt: Agenturchefin Bärbel Boy und Möbel-Kraft-Geschäftsführer Gunnar George bei der Stimmenauszählung.

Quelle: fpr

Kiel. Wie ein Tiger im Käfig läuft Gunnar George auf und ab im Ratsherrenzimmer. Auf den Monitor mit den aktuellen Zahlen zum Bürgerentscheid mag der Möbel-Kraft-Geschäftsführer nur ab und zu einen kurzen Blick riskieren. Angesichts der beiden dort erscheinenden fast gleich hohen Diagrammbalken mit Stimmen für und gegen das Möbelhaus über Stunden hinweg ist es mit der schnodderigen Lässigkeit vorbei, die der Berliner mit starker Sprachfärbung seiner Heimat sonst gerne zur Schau trägt: „Det is nich jut für meen schwachet Herz.“

Detlef Hackethal versucht zwar bis zuletzt, seinen Optimismus zu bewahren („...die Stadtteile mit vielen Stimmen und Gegnern kommen erst noch“). Doch kurz vor 21.30 Uhr muss sich der unabhängige OB-Kandidat, der eigentlich nur zur Verhinderung von Möbel Kraft angetreten war, dann doch eingestehen: „Das wird nichts mehr. Den Abstand von rund 5000 Stimmen holen wir wohl nicht mehr ein.“

Gunnar George mag dem Frieden trotzdem nicht trauen. Unablässig tippt er Zahlen in sein Handy, um eigene Hochrechnungen anzustellen. Zu groß sind offenbar seine Zweifel am Ausgang des Bürgerentscheids: „Wenn der nicht an die OB-Wahl gekoppelt gewesen wäre, hätten wir mit einiger Sicherheit verloren.“ Auch seine engste Beraterin bei der Werbekampagne für die Ansiedlung, Agenturchefin Bärbel Boy, ist bis zuletzt alles andere als siegessicher. „Ehrlich gesagt, ich habe ein paar Gebete zum Himmel geschickt.“

Die werden an diesem Abend offenbar erhört. Als die vorläufigen Endergebnisse kommen, holt George erst einmal tief Luft. „Jetzt geben wir aber Gas.“ Schnell gehe es nun. Die wichtigsten Genehmigungen und Prüfungen seien ja durch, alle Gegner ausreichend zu Wort gekommen.

Trotz des Siegs der Möbel-Kraft-Befürworter mit 52,5 Prozent blieb der große Jubel zu später Stunde aus. Offenbar war die stundenlange Anspannung in diesem Abstimmungskrimi einfach zu groß – und der Abstand zu den Gegnern zu knapp.

Auch der Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Peter Beckmann, gibt seine Zurückhaltung angesichts des lange ungewissen Ausgangs endlich auf. In den Stoßseufzer der Erleichterung mischt sich ein „super“. Ein Jahr Arbeit an der Vertragsgestaltung mit Möbel Kraft zahle sich nun endlich aus, das Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro sei ein „ganz starkes Signal“. In Verbindung mit Ikea werde Möbel Kraft Kiel eine Anziehungskraft auf Kunden aus ganz Schleswig-Holstein entfalten.

Ähnlich sieht das auch die Industrie- und Handelskammer zu Kiel . In die Freude über das für Möbel Kraft positive Ergebnis mischt sich allerdings auch erhebliche Kritik am Verfahren des Bürgerentscheids: „Unabhängig von diesem großartigen Ergebnis und dem Abstimmungsverhalten verantwortungsbewusster Bürger brauchen die Unternehmen Vertrauen in Verwaltungshandeln“, lässt IHK-Hauptgeschäftsführer Jörn Biel per Pressemitteilung verlauten. Darin fordert Biel die Landespolitik auf, ihren Beschluss zur Änderung der Gemeindeordnung rückgängig, zumindest aber „praxistauglich“ zu machen. Es sei ein „Unding“, dass Ansiedlungsvorhaben zu einem relativ späten Zeitpunkt sogar von einer Minderheit wahlberechtigter Bürger komplett verhindert werden könnten.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) will offenbar über „die eine oder andere Korrektur im Verfahren“ zu kommenden Bürgerentscheiden nachdenken. Zum Beispiel, was deren Zeitpunkt angeht, schließlich seien bei Möbel Kraft ja schon fast sechs Millionen Euro investiert worden. Auch die komplizierte Fragestellung sei „nicht hilfreich“ gewesen. Zudem müsse überlegt werden, wo solche Bürgerentscheide Sinn machten und wo nicht.

Gunnar Georges Adrenalinspiegel erreicht unterdessen wieder Normalmaß. Die gute Nachricht hat er bereits an seine wichtigsten Mitarbeiter durchtelefoniert. Bärbel Boy muss den Tisch zur Siegesfeier in einem piekfeinen Kieler Hotel nicht abbestellen. Currywurst soll es dabei geben, angeblich die Leib- und Magenspeise der Berliner. Dabei gibt es nur ein klitzekleines Problem. Gunnar George macht sich rein gar nichts daraus.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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