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Das haben die OB-Kandidaten gesagt

KN-Talk: Wer kann OB? Das haben die OB-Kandidaten gesagt

Wie haben die drei OB-Kandidaten beim KN-Talk im Audimax der Uni Kiel abgeschnitten? KN-online zeigt Ihnen hier die Mitschnitte in Text und Video zu den Themenkomplexen, die Kiels neuer Oberbürgermeister in den kommenden Jahren anpacken muss.

Die drei OB-Kandidaten (v.li.) Stefan Kruber, Ulf Kämpfer und Detlef Hackethal stellten sich beim KN-Talk den Fragen der Chefredakteure.

Quelle: Uwe Paesler

Rund 1200 Besucher kamen am Monatagabend ins Audimax, um die drei OB-Kandidaten Stefan Kruber (CDU), Ulf Kämpfer (SPD) und Detlef Hackethal (Einzelbewerber) beim KN-Talk "Wer kann ob?" zu sehen. Bevor sie sich den Fragen der Chefredakteure Klaus Kramer und Christian Longardt stellten, mussten Sie Fragen zu Kiel beantworten:






                   

Themenkomplex 1: Haushalt/Steuerdeal

Stefan Kruber hat im Steuer-Deal eine entscheidende Rolle gespielt. Im Rat sei er aber fair behandelt worden. "Auf der persönlichen Ebene hat es kaum Verletzungen gegeben", sagt Kruber. Er ist guten Mutes, dass auch nach dem Steuer-Deal im Rat Probleme angegangen und kontrovers diskutiert werden. Als Verwaltungschef will er Themen leiten und Vorgaben machen. Vor allem in Bezug auf den Flughafen will er Mehrheiten einwerben.

Mit Rückblick auf den Steuer-Deal sagt Ulf Kämpfer: "Es war kein gutes Jahr für Kiel." Deswegen sei es umso wichtiger, künftig Akzente zu setzen. Als Mann der sanften Töne sieht er sich dabei nicht. Er möchte als Mediator auftreten. Die Stadt sieht er in der Pflicht, Steuern einzutreiben. "Hier muss es um Einhaltung der Steuergerechtigkeit gehen."

Detlef Hackethal kann nicht nachvollziehen, warum Dr. Uthoff seiner Steuerschuld nicht nachkommt. "Was Frau Gaschke getan hat, ging gar nicht. Das würde mir als OB nicht passieren."






                   

Themenkomplex 2: Leben in Kiel

Stefan Kruber lehnt den Kiel-Kanal ab: "Wir sollten die Innenstadt lieber am Alten Markt oder am Bootshafen stärken. Dort gibt es bereits ein attraktives Wasserbecken, nur müssen wir besonders das Südufer attraktiver gestalten", sagt er. Zum Thema Wohnraum sieht Kruber auch in Gaarden großes Potenzial. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Visitenkarte des Stadtteils Gaarden nicht die Trinkerszene ist. "Wir bräuchten dort mehr Ordnungsrecht".  Das Projekt MFG5-Gelände möchte Kruber zeitnah angehen, die Landesgartenschau passe nicht in das Umfeld.

Die KN-Chefredakteure Klaus Kramer und Christian Longardt fühlten den drei Kandidaten, die sich um die Gaschke-Nachfolge bewerben, auf den Zahn.

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Ich habe mir den Kiel-Kanal nicht ausgedacht", sagt Ulf Kämpfer. Bei seinen zahlreichen Haustürbesuchen habe er nur drei Kieler getroffen, die dafür stimmen würden. "Deshalb bin ich nicht so sicher, ob das Konzept wirklich funktioniert." Kämpfer meint: "Es gibt Ideen, wo man mit großer Einigkeit an anderer Stelle etwas erreichen kann." Es könne doch nicht sein, dass die Autos auf dem Fördeparkhaus, die beste Aussicht auf die Förde haben. Kämpfer sieht eine mögliche Planung der Landesgartenschau auf dem MFG5-Gelände als Chance, Fördergelder zu generieren.

Detlef Hackethal will vor allem Wohnraum für Studenten schaffen: "Insgesamt müssen 800 Wohnungen pro Jahr entstehen. Deshalb würde ich dafür richtig Geld in die Hand nehmen." Deshalb sei der Kiel-Kanal für ihn überhaupt kein Thema.






                   

Themenkomplex 3: Mobilität

Ulf Kämpfer glaubt, das Kiel zu bestimmten Stoßzeiten an der Kante ist. Mobilität muss verstärkt werden, doch der Autoverkehr wird nicht durch mehr Parkhäuser gestärkt. Kämpfer ist sich sicher, dass Mobilität in 30 Jahren anders gedacht wird. Studien würden belegen, dass die Attraktivität von Nahverkehr am größten ist, wenn Bahn und Bus kombiniert werden. Die Stadtregionalbahn ist laut Kämpfer ein „tolles Konzept“. Die größte Hürde sei jedoch, dass Stadt und Umland es wollen müssen. In Anbetracht der Finanzlage möchte Kämpfer deshalb die Option vorerst offen lassen und in zwei Jahren einen Bürgerentscheid dazu veranlassen.

„Die Stadtregionalbahn ist nicht die Lösung, die wir uns erhoffen“, sagt Stefan Kruber. Sie durchschneide eine wichtige Straße und die Umlandgemeinden seien nicht bereit, Geld beizusteuern. Mit Blick auf das Defizit solle die Stadtregionalbahn deshalb nicht weiterverfolgt werden. Seiner Meinung nach liegt die Zukunft des ÖPNV in Kiel in der besseren Verknüpfung von Bussen und Schiffen.

Detlef Hackethal fordert eine bessere Taktung des ÖPNV – und eine neue Preisstruktur. Die Stadtregionalbahn sei ein gutes Projekt, scheitere aber am Geld. Wichtig sei, dass die Bürger mit abstimmen, ob es eine Stadtregionalbahn in Kiel und der Region geben soll.






                   

Themenkomplex 4: Wirtschaft

"Wir täten uns keinen Gefallen, die Infrastruktur am Flughafen nicht weiter auszubauen", sagt Stefan Kruber. Der Flughafen könne funktionieren, aber mit der Unterstützung von Unternehmen, auch, um das UKSH und die Werften zu stärken. "Wir brauchen den Flughafen, um Organe in bestimmten Zeiten zu transportieren und Spezialisten schnell auszufliegen". Zum Thema Kraftwerk: "Die Amtsvorgänger haben die Pläne mit MVV ungenügend festgezurrt", sagt Kruber, "eine Lösung muss bezahlbar sein: für die Kieler."

Für Ulf Kämpfer ist es kaum vorstellbar, den Flughafen zu schließen. "Es könnte aber sein, dass Regionalflughäfen irgendwann nicht weiter subventioniert werden dürfen", sagt Kämpfer. Es müsse in jedem Fall, eine Entscheidung vor 2016 gefällt werden. Kraftwerk? Ich will kein OB sein in einem Kiel, in dem die Fernwärme ausfällt, mahnt Kämpfer.

Detlef Hackethal will die Bürgerbeteiligung in allen Bereichen stärken, so auch bei den Themen Flughafen und Kraftwerk. "Die Kielerinnen und Kieler müssen es schließlich zahlen", sagt er.






                   

Themenkomplex 5: Bürgerbeteiligung

Detlef Hackethal möchte mit seiner Einzelkandidatur den Möbel-Kraft-Gegnern eine Stimme geben. Er sieht ein, dass Kiel mehr Arbeitsplätze braucht. Diese müssen allerdings gut sein. Bei Möbel Kraft sieht Hackethal allerdings „die Fahnenstange erreicht“. Hier gäbe es keine guten Arbeitsplätze. Dass der Bürgerentscheid an die OB-Wahl gekoppelt ist, sei eine gute Entscheidung: „Das wird die Wahlbeteiligung erhöhen“. Seine Prognose für den Bürgerentscheid: Möbel Kraft wird nicht gebaut. Auf dem Gelände könne wieder eine Kleingartenanlage entstehen.

Stefan Kruber spricht sich klar für die Ansiedlung von Möbel Kraft aus: „Wir müssen für Gewerbesteuern sorgen, um investieren zu können.“ Bürgerentscheide seien wichtig, wenn der Rat an den Wünschen der Bürger vorbeigeht. Bei Möbel Kraft scheint das der Fall gewesen zu sein. Was er anders machen würde? „Die Menschen am Anfang mehr mitnehmen.“ Seine Prognose für den Bürgerentscheid: Möbel Kraft wird gebaut. Sollten die Bürger anders entscheiden, wäre das Gelände ein unbeplantes Areal. Die weitere Nutzung müsste dann diskutiert werden.

Ulf Kämpfer spricht sich klar für den Bürgerentscheid zu Möbel Kraft aus. Es sei wichtig, dass die Bürger beteiligt werden. In Bezug auf die komplizierte Fragestellung sagt Kämpfer: „Die Kieler sind plietsch genug, um die Frage richtig zu beantworten.“ Eine klare Prognose für den Bürgerentscheid wagt Kämpfer nicht: „Ich weiß nicht, wie der Bürgerentscheid ausgeht. Das kann eine knappe Sache werden.“ Wird Möbel Kraft nicht gebaut, könnte auf dem Gelände eine Kleingartenkolonie oder ein Naherholungsgebiet entstehen. „Man muss überlegen, was man aus der Fläche macht“´






                   

Themenkomplex 6: Schulen/Kitas/Familien

Die Planung von Neusiedlungen funktioniere oft nicht richtig, sagt Stefan Kruber. Aktuelles Beispiel sei Neumeimersdorf. Dort fehle es an Sportstätten, Kitas, Schul- und Kinderspielplätzen. "Dort müssen wir den Hebel ansetzen", sagt Kruber. Und man dürfe das Gymnasium nicht aushöhlen. "Mitunter habe ich in Kiel den Eindruck", sagt Kruber.

Ulf Kämpfer meint, dass sich die 13 Gymnasien in Kiel keine Sorgen um ihre Existenz machen müssen. "Aber ich will auch starke Gemeinschaftsschulen". Ein guter Kieler Oberbürgermeister müsse mit beiden Füßen in der Stadt stehen, sowohl auf dem West- als auch auf dem Ostufer. "Ich habe als Familienrichter die düsteren Gesichter der Stadt gesehen", sagt Kämpfer. Kiel brauche deshalb gute Schulen in allen Stadtteilen.

Detlef Hackethal kann es nicht verstehen, dass in Gaarden und Mettenhof 60 Prozent der Kinder in Armut leben. Das sei ein Skandal. "Ich fordere die Stadt endlich zum Handeln auf." Die Gemeinschaftsschule müsse etwas anderes sein "als eine bloße Resteschule": Kinder sollten individuell gefördert werden.






                   

Statements der OB-Kandidaten

Nach den Fragen zu den sechs Themenkomplexen sollten die drei OB-Kandidaten noch in einem kurzen Statement erklären, warum sie Oberbürgermeister von Kiel werden wollen. Die Antworten finden Sie im folgenden Clip:






                   

Abstimmungsergebnis

Die Besucher des KN-Talks wurden bei der Veranstaltung befragt, wer Kiels neuer Oberbürgermeister werden soll. Hier das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage: Von den 788 abgegebenen Stimmen entfielen 572 auf Ulf Kämpfer (72,58 Prozent), 159 für Stefan Kruber (20,2 Prozent) und 57 auf Detlef Hackethal (7,2 Prozent).

Von Tanja Köhler und Sven Hornung

Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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Foto: KN-Online-Redakteurin Imke Schröder berichtete über den Meinungsaustausch bei Twitter.

Die Kieler Nachrichten haben den KN Talk auch über ihren eigenen Twitterfeed begleitet. Mithilfe der Profile @kn_online und @kn_reporter wurde unter den Hashtags #obwahl und #kiel getwittert. Die Vorstellungsrunde wurde dabei besonders positiv aufgenommen, Ulf Kämpfer konnte als selbsternannter "sanfter Krieger" bei den Usern punkten.

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