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Kruber ist Wunschkandidat der CDU

OB-Wahl in Kiel Kruber ist Wunschkandidat der CDU

Jetzt ist es raus: Die CDU will Stefan Kruber (37) als OB-Kandidaten ins Rennen schicken. Eine Findungskommission hat sich am Sonnabend auf den Juristen und Ratsherren geeinigt. Das teilte die Partei am Sonntag mit.

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Die CDU will Stefan Kruber als Oberbürgermeisterkandidaten nominieren.

Quelle: pae (Archiv)

Kiel. Die Kieler CDU rechnet sich gute Wahlchancen aus, wenn Fraktionschef Stefan Kruber ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters geht. Die Findungskommission hat den 37 Jahre alten Juristen einstimmig als OB-Kandidat vorgeschlagen. Kruber sagte gegenüber KN-online, er sei „guten Mutes“ und freue sich auf „eine faire, sachliche Auseinandersetzung“ im Wahlkampf, sollten die Parteigremien dem Votum der Kommission folgen. Das gilt als sicher. Nach dem bisherigen Zeitplan tritt der Parteivorstand am Dienstag zusammen, der Parteitag, bei dem der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion als Kandidat gekürt werden soll, wahrscheinlich noch vor Weihnachten.

Lange hatte die CDU gehofft, nach den Auseinandersetzungen wegen der Steueraffäre und dem Rücktritt der Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) einen von fast allen Parteien getragenen Bewerber aufzustellen. Dadurch gebe es die Chance, verloren gegangenes Vertrauen bei den Bürgern zurückzugewinnen, so hatte der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Stritzl den ungewöhnlichen Vorschlag einer gemeinsamen Findungskommission begründet. Beifall für diese Initiative fand er beim Kieler Unternehmensverband, der den Norderstedter Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (CDU) als Bewerber ins Spiel brachte. Doch als die rot-grün-blaue Ratsmehrheit Mitte November bekannt gab, mit einer eigenen Findungskommission auf die Suche zu gehen, sagte Grote ab.

Nach Informationen von KN-online gab es einige Interessenten, darunter auch ein Bürgermeister aus Niedersachsen. Gaschkes CDU-Herausforderer, der frühere Stadtrat Gert Meyer, hatte es aus beruflichen Gründen abgelehnt, wiederanzutreten. Am Ende schälte sich Kruber als der Wunschkandidat der CDU-Partei- und Fraktionsspitzen heraus.

Der Findungskommission unter Leitung des früheren Stadtpräsidenten Eckhard Sauerbaum gehörten neben Kruber selbst die frühere Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz, Fraktionsvize Robert Vollborn, Ratsfrau Sigrid Schröter und der frühere Kreisvize Arno Witt an.

Volljurist, ein junger Kandidat, aber nach zehn Jahren Ratsmitgliedschaft schon ein alter Hase in der Kieler Kommunalpolitik – so fasste Parteichef Stritzl die aus seiner Sicht gute Eignung seines Stellvertreters zusammen. Kruber zeichne sich zudem durch Sachlichkeit aus, wisse, wo die Stadt der Schuh drückt, und sei bereit, die Probleme im Konsens zu lösen. Kruber selbst betonte, Kandidat aller Kieler sein zu wollen.

In der Steueraffäre habe Kruber zudem den notwendigen Beitrag geleistet, die Sache aufzuklären, betonte Stritzl: „Das ist die Aufgabe der Ratsversammlung.“ Susanne Gaschke hatte nach Bekanntwerden des mittlerweile als rechtswidrig eingestuften Steuererlasses für den Kieler Augenarzt Detlef Uthoff Kruber einen „zerstörerischen Angriff“ auf ihre Person vorgeworfen. Später räumte sie jedoch ein, dass die Kritik von Kruber und FDP-Fraktionschef Hubertus Hencke an ihrer Eilentscheidung sachlich berechtigt gewesen ist. Kruber habe die richtigen Fragen gestellt.

Die FDP wird Krubers Kandidatur wohl mittragen: Sie hatte sich der Findungskommission der CDU angeschlossen. Unterstützung kommt vielleicht auch von den Piraten, die sich bisher noch nicht festgelegt haben. Ihr Fraktionschef Sven Seele äußerte sich davon überzeugt, dass Kruber das OB-Amt ausfüllen kann: „Ich freue mich, dass die Kieler und Kielerinnen jetzt eine Auswahl zwischen zwei respektablen Kandidaten haben.“

SPD, Grüne und SSW wollen den Umweltstaatssekretär Ulf Kämpfer (SPD) ins Rennen um die Verwaltungsspitze schicken. Kämpfer begrüßte Krubers Kandidatur: „Jetzt haben die Kielerinnen und Kieler im März eine echte Wahl. Ich hoffe auf einen fairen und an den Kieler Zukunftsthemen orientierten Wahlkampf.“

Damit stehen sich bei der Oberbürgermeister-Wahl zwei Juristen gegenüber. Kruber, der 1976 in Kiel geboren wurde, studierte Rechtswissenschaften an der Kieler Universität, bevor er Mitarbeiter im Jobcenter und später Jurist im Landesverband der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung wurde. Seit 2009 ist er selbstständiger Anwalt. Im selben Jahr wählte die Ratsfraktion ihn das erste Mal zum Vorsitzenden.

Die Kieler Oberbürgermeister-Wahl ist für den 23. März 2014 terminiert.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Dass die CDU Stefan Kruber ins Rennen um die Macht im Kieler Rathaus schickt, kommt überraschend. Wegen der Rolle, die er als lautstarker Kritiker in der Steueraffäre gespielt hatte, zögerten Partei und er selbst: Denn wenn die CDU überhaupt eine Chance haben will, im Kampf um die Verwaltungsspitze in der roten Hochburg Kiel zu siegen, braucht sie auch Stimmen von Wechselwählern. Einem Stefan Kruber, dem die Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke ein niederträchtiges Spiel vorgeworfen hat, dürfte dies zumindest in SPD-nahen Kreisen schwerlich gelingen, auch wenn die Sozialdemokratin später einräumte, dass der Jurist die richtigen Fragen gestellt habe.

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