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OB-Wahl 2014 Ulf Kämpfer will Kieler OB werden
OB-Wahl 2014 Ulf Kämpfer will Kieler OB werden
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12:06 28.06.2016
Von Martina Drexler
Ulf Kämpfer ist der Kandidat von SPD, Grünen und SSW für das Oberbürgermeisteramt. Er fest glaubt fest daran, in der „schwierigen Phase auch die Chance liegt, eine gemeinsame Aufbruchstimmung in Kiel und für Kiel hinzubekommen“. Quelle: Klahn

Wie kommen Sie zu Ihrer Kandidatur?

 Zugegeben: Ich bin selber noch etwas überrascht. Die Auseinandersetzung um Susanne Gaschke und ihren Rücktritt habe ich als interessierter Bürger verfolgt und nicht mit meinem eigenen Leben in Verbindung gebracht. Die erste Anfrage habe ich nicht wirklich ernst genommen, aber sie hat mich neugierig gemacht. Schon das erste Gespräch war lang, intensiv und sehr ernsthaft. Danach dachte ich: Hoppla, die meinen wirklich mich.

 Was war unabdingbare Voraussetzung?

 Es war für mich sehr wichtig, von Anfang an ein gemeinsamer Kandidat der Kooperation zu sein. Sonst hätte ich mich nicht auf dieses Abenteuer eingelassen. Und von meinem politischen Kompass passe ich ganz gut in ein solch breites Bündnis.

 Was sagt Ihre Frau, die Landtagsabgeordnete Anke Erdmann, als ehemalige grüne Ratsfrau zu der Bewerbung für ein schwieriges Amt in schwieriger Zeit?

 Wie vom Rathaus aus diese Stadt gestaltet werden kann, wie direkt und pragmatisch oft nach Lösungen gesucht wird, das hat sie begeistert und das ist heute noch so. Nicht zuletzt in dieser Zeit gründet mein Respekt vor der Ratsversammlung, alles Menschen, die sich neben Beruf und Familie mit Energie um die Geschicke Kiels kümmern. Meine Frau hat mir zu meiner Kandidatur geraten. Wir glauben beide fest daran, dass in der schwierigen Phase auch die Chance liegt, eine gemeinsame Aufbruchstimmung in Kiel und für Kiel hinzubekommen.

 Sie sind zwar in Plön aufgewachsen, studierten bzw. forschten dann in Göttingen, Berlin, New York und Irland. Was verbindet Sie eigentlich mit Kiel?

 Als Jugendlicher war Kiel für mich: Kieler Woche, Ostseehalle, Traumfabrik, Sophienhof. Vor zwölf Jahren sind wir nach Kiel gezogen. Unser Sohn Johann wurde hier vor acht Jahren geboren und wir haben uns bewusst entschieden, hier Wurzeln zu schlagen, in dieser kantigen und rauen Stadt an der Ostsee. Seit vier Jahren wohnen wir auf einem Erbpachtgrundstück in der genossenschaftlichen Siedlung „Kieler Scholle“ in Hassee. Weitere Lieblingsorte von mir, die ich „typisch Kiel“ finde: Die „Adler I“ – die kleine Kanalfähre in Holtenau, die Stadtbibliothek, in der ich Nachschub für meinen geschichtenhungrigen Sohn besorge – und das Metro-Kino in der Holtenauer.

 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag, Richter, Ministeriumssprecher jetzt Staatssekretär. Was glauben Sie, befähigt Sie, Kiels Verwaltung zu leiten?

 Als Familien-, Zivil- und Bereitschaftsrichter kenne ich auch die schattigen Seiten Kiels – traumatisierte Kinder, die aus ihren Familien geholt werden mussten, Armut, zerstörte Ehen und Familien. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und meinen Blick für die Stadt geschärft. Ich habe den Menschen mit ihren Sorgen zugehört. Ich kann eine große Verwaltung leiten, das mache ich ja gerade, habe gelernt, alle Argumente abzuwägen und erst dann zu entscheiden. Als Mediator habe ich in oft sehr harten Konflikten vermittelt – ich bin eher ein verbindender Typ, auch wenn ich Kämpfer heiße. Ich setze auf breite Bündnisse. Schließlich habe ich einen guten juristischen Blick – das kann auch nicht schaden.

 Wie wollen Sie breite Mehrheiten für umstrittene Projekte wie die Stadtregionalbahn finden?

 Ich verstehe noch nicht richtig, woher die Skepsis rührt. Erneuerte Infrastruktur kostet natürlich viel Geld, aber der gute Kaufmann weiß: Wer gewinnen will, muss vorher investieren. Die Stadtbahn ist ein hochattraktives Konzept für Pendler und Anwohner, aber ich muss feststellen: Wir reden schon seit vielen Jahren darüber. Es muss nicht nur ein maues, sondern ein motiviertes Ja von Kiel ins Umland ausgehen. Da liegt viel Überzeugungsarbeit für einen Oberbürgermeister.

 Gerade als Befürworter der Stadtregionalbahn würden Sie als Jurist vor allem mit zwei weiteren Juristen streiten müssen, die das Projekt wegen der immensen Kosten ablehnen, Stefan Kruber (CDU) und Hubertus Hencke (FDP).

 Davor ist mir nicht bange. Stefan Kruber kenne ich als fairen Anwalt aus dem Familiengericht. Und mein erstes Praktikum habe ich 1995 als Student beim damals jungen Anwalt Hubertus Hencke gemacht. Übrigens war mein Vater CDU-Gemeinderat, ich habe Wegbegleiter aus allen Parteien.

 Was wären weitere Projekte, die Sie als Oberbürgermeister anpacken würden?

 Das MFG-5-Gelände – ein Glücksfall, hier gestalten zu können. Gewerbe, Wohnen und womöglich eine Landesgartenschau zur Reife führen zu können. Das wäre toll. Mit Blick auf Energiewende und Klimaschutz würde ich gern das Gaskraftwerk sichtbar vorantreiben. Bei bezahlbarem Wohnen, der Kinderbetreuung und dem Ausbau von Ganztagsschulen sind wir auch noch nicht längst nicht am Ziel.

 Mit 41 Jahren wären Sie Kiels jüngster OB. Wie lange würden Sie bleiben?

 Sechs Jahre plus x: Wenn ich die Gelegenheit bekomme, Oberbürgermeister Kiels zu werden, dann ist das eine Lebensentscheidung für mich – das ist eine tolle Aufgabe! Und dann liegt es bei den Kielerinnen und Kieler, ob sie mit mir nach sechs Jahren in die Verlängerung gehen wollen.

 Und jetzt: Was sind Ihre Hobbies?

 Laufen in Hammer, an der Eider und beim Kiellauf. Feuerspucken und Jonglieren, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher. Ich schaffe es sogar noch, ab und zu gute Sachbücher und Schmöker von Autoren wie Robert Harris zu lesen.

 Wie wollen Sie Wahlkampf, Familie und Beruf unter einen Hut bringen und sich bekannter machen? Auch viele Ihrer SPD-Genossen in Kiel kennen Sie nicht.

 Richtig ist: Ich bin Kieler und Sozialdemokrat, aber noch kein fest verankerter Kieler Sozialdemokrat. Die Lücke muss ich jetzt schließen, außerdem bei Grünen und SSW um Unterstützung werben. Im Moment bin ich nur Kandidat der Findungskommission. Deshalb will ich tagsüber einen guten Job als Staatssekretär machen und abends in der Stadt präsent sein. Ab Februar nehme ich meinen Jahresurlaub und mache nonstop Wahlkampf. Wie alle Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, sind wir auf Hilfe angewiesen. Wir haben eine tolle Schule für unseren Sohn und Unterstützung, die uns den Rücken frei hält. Damit mich die Kielerinnen und Kieler besser kennenlernen, wird es zwar klassische Wahlkampftermine geben, aber ich will vor allem bei Hausbesuchen und anderen kleineren Formaten in allen Stadtteilen unmittelbar und ungefiltert mit vielen Leuten in Kontakt kommen. Kiel ist zum Glück nicht so riesig, als dass man nicht in kurzer Zeit durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannter werden könnte.

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