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Land plant Unterkünfte für Kinder

Allein auf der Flucht Land plant Unterkünfte für Kinder

Immer häufiger suchen Kinder und Jugendliche, die allein und ohne Begleitung von Eltern oder Angehörigen aus ihrem Land geflohen sind, Hilfe in Schleswig-Holstein. Das Land will für sie jetzt spezielle Unterkünfte einrichten. „Die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen erfordert von uns besondere Anstrengungen“, argumentiert Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) und kündigt schnelle und flexible Lösungen an.

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Ohne Familie in Deutschland: Die Zahl unbegleiteter Flüchtlinge steigt immer weiter.

Quelle: Daniel Karmann

Kiel. 742 junge Flüchtlinge aus Bürgerkriegsregionen sind 2014 nach Schleswig-Holstein gekommen. Die Jugendämter gehen davon aus, dass es in diesem Jahr mindestens 1500 Kinder und Jugendliche sein werden. „Im Schnitt sind die allein reisenden Minderjährigen zwischen 14 und 17 Jahre alt“, sagt Gerhard Stelke von der Bundespolizei. Vor wenigen Tagen sei aber auch ein gerade erst zehn Jahre alter Junge von Beamten aufgegriffen worden. „In nahezu allen Fällen kommen die jungen Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Somalia.“

 Bislang wurden die minderjährigen Flüchtlinge zunächst in die Erstaufnahme-Einrichtungen gebracht oder in die Obhut der Jugendämter gegeben. Sozialministerin Alheit will jetzt neue Wege gehen und sogenannte Clearing-Stellen für Kinder und Jugendliche einrichten. Ziel sei es, die Kommunen zu entlasten. Zugleich müssten minderjährige Flüchtlinge besonders geschützt und betreut werden. Fünf bis sechs dieser Einrichtungen sollen bis Jahresende in Schleswig-Holstein entstehen, in denen ein „geordnetes Aufnahmeverfahren, medizinische Erstversorgung und pädagogische Betreuung“ gewährleistet werden soll. In einem ersten Schritt wird in Neumünster eine „Vorläufige Inobhutnahme“ für etwa 50 junge Flüchtlinge geschaffen. Weitere Erstaufnahmen für Kinder sollen in Flensburg und Rendsburg folgen.

 Die Bundespolizei registriert derweil eine neue Entwicklung: „Wollten minderjährige Flüchtlinge in der Vergangenheit weiter nach Skandinavien reisen und türmten aus Heimen, steuern viele mittlerweile gezielt unsere Reviere in Kiel, Lübeck und Puttgarden an und bitten um Hilfe“, sagt Stelke. Allein in den vergangenen eineinhalb Wochen zählte die Polizei mehr als 30 Fälle.

 Im Berliner Kanzleramt kamen am Sonntagabend die Unionsspitzen zusammen, um den weiteren Kurs abzustecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte, die Bundesregierung wolle den Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen so schnell wie möglich begrenzen. „Damit wir denen, die in Not sind, helfen können, müssen wir auch denen, die nicht in Not sind, sagen, dass sie bei uns nicht bleiben können“, sagte Merkel. Innenminister Thomas de Maizière bekräftigte, Deutschland könne den derzeitigen Andrang auf Dauer nicht bewältigen. „800000 sind auf Dauer zu viel.“

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Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

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Leitartikel

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger: Die Vereinten Nationen sprechen gegenwärtig von mehr als 60 Millionen Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihre Heimat verlassen haben. Deutschland erlebt dabei einen Zustrom von Flüchtlingen wie seit den 1990er Jahren nicht mehr.

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