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Was die Bürger beschäftigt

Bad Bramstedt Was die Bürger beschäftigt

In einer Bürgerfragestunde, veranstaltet vom Bramstedter Seniorenbeirat, gab Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach mehr als anderthalb Stunden lang Auskunft über aktuelle Entwicklungen in der Stadt. Die Besucher fragten vor allem nach dem Bleeck und den Flüchtlingen.

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Beim Forum des Seniorenbeirats informierten sich Bad Bramstedter über aktuelle Themen der Stadt.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. „Der Fachausdruck lautet Rampen, nicht Schwellen; bei Schwellen geht es gleich hinter der Erhöhung wieder runter, bei Rampen bleibt das Bodenniveau erhöht.“ Das erklärte Bürgermeister Kütbach zwar gern, aber viel wichtiger als die korrekte Bezeichnung war den Senioren am Mittwoch, wie die Staus vermieden werden können, die eben jene Rampen auf dem neu gestalteten Bleeck auslösen: Autofahrer passieren sie ganz langsam, darum kommen pro Grünphase nur wenige über die Ampel und viele müssen warten. „Die Ampelschaltung wird noch korrigiert werden“, versprach Kütbach.

 Kütbach erklärte nicht nur Fachbegriffe aus dem Straßenbau, er half auch mit einem Surftipp fürs Internet. Als ein Zuhörer klagte, dass er beim Suchen nach „Tempo-20-Zone“ nichts gefunden habe, verwies Kütbach ihn auf das Stichwort „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“; darunter findet sich sogar ein Wikipedia-Eintrag.

 Damit in eben diesem Bereich wirklich langsam gefahren wird, wurden die Rampen gebaut, erläuterte Kütbach. Gleichzeitig soll der Platz selbst möglichst barrierefrei sein; das heißt allerdings nicht nur, dass Rollstühle dort problemlos fahren können, anhand unterschiedlicher Beläge sollen sich auch Blinde orientieren. „Ganz kleine Absätze“ werden darum auf dem Bleeck bleiben; sie werden gleichzeitig gebraucht, um das Regenwasser abzuleiten.

 Noch ist der Bleeck Baustelle, Kütbach hofft auf eine – vorzeitige – Fertigstellung Ende September oder Anfang Oktober. Bisher sorgt der zentrale Platz offenbar noch für Verwirrung: „Ich bin verunsichert in der Stadt“, bekannte die Radfahrerin Karen Helmcke, „wie verhalte ich mich auf dem Bleeck richtig?“ Da konnte Kütbach ihr auch kein Patentrezept verraten. Für den Bleeck kündigte er an: „Wir werden in den nächsten Wochen noch an der Beschilderung feilen“; jedenfalls sollen Radfahrer auf dem Bleeck nicht gezwungen werden, nur auf der Straße zu fahren. Lkw dagegen will der Bürgermeister gern vom Bleeck fern halten, aber die Entscheidung über ein Verbot für schwere Lastwagen treffe die Verkehrsbehörde des Kreises.

 Gut 100 Asylbewerber leben zurzeit in Bad Bramstedt, bis Jahresende rechnet Kütbach mit 130 bis 140; dazu kommt die Zahl derjenigen, deren Verfahren abgeschlossen sind und die – zumindest vorerst – in Deutschland bleiben. Bisher sei es gelungen, für alle kurzfristig Wohnungen zu mieten. Laufend meldeten sich Freiwillige, um ehrenamtlich zu helfen. „Ich bin stolz, wie Bad Bramstedt mit den Flüchtlingen umgeht“, lobte der Bürgermeister.

 Er sah auch Risiken: Die günstigen Wohnungen, die die Stadt mietet, fehlen anderen Einkommensschwachen. Es dürfe nicht passieren, dass Flüchtlinge dbesser behandelt werden als einheimische Bedürftige. Dass allerdings gerade die leiden, sei derzeit unvermeidbar, erklärte Kütbach: Wenn die Mitarbeiter im Sozialamt zusätzlich damit beschäftigt sind, sich um die Neuankömmlinge zu kümmern, bleiben Akten zwangsläufig liegen.

 Aber der Bürgermeister hob auch hervor: „Wir müssen dankbar sein.“ Die oft jungen Flüchtlinge helfen, die Folgen des demografischen Wandels aufzufangen. Gleichzeitig sei es wichtig, Ängste in der Bevölkerung ernst zu nehmen.

 Ängste, große Politik und Kleinkram, für den ein Kleinstadt-Bürgermeister eben auch zuständig ist: parkende Lkw-Zugmaschinen im Maienbaß etwa, parkende Pkw in der Kurve des Sommerland oder Nachschubprobleme bei der Tafel. Dort beobachten die ehrenamtlichen Mitarbeiter, dass Supermärkte und Wochenmarktbeschicker sich ganz verschieden großzügig zeigen. Kütbach will selbst Klinken putzen. Um die Spendenbereitschaft anzukurbeln, kündigte er an: „Manchmal muss der Bürgermeister fragen.“

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