4 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Kiel erlebt Welle der Hilfsbereitschaft

Flüchtlinge Kiel erlebt Welle der Hilfsbereitschaft

Mit solch einer riesigen Hilfsbereitschaft hatte niemand gerechnet: Rund 1000 Bürger der Region Kiel strömten am Donnerstag in die alte Uni-Mensa, um sich über Unterstützungsprojekte für Flüchtlinge auszutauschen. Wie wichtig es ist, die Hilfen zu koordinieren, zeigte sich zeitgleich in der neuen Erstaufnahme-Einrichtung am Nordmarksportfeld.

Voriger Artikel
Was die Bürger beschäftigt
Nächster Artikel
Hier ist Ihre Hilfe willkommen

Die Besucher des Helfertreffens an der Kieler Universität bekamen gestern als Erste das druckfrische Plakat „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“. Fotos von weiteren Plakataktionen können an willkommen@kieler-nachrichten.de geschickt werden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dort trafen am Donnerstag nicht nur weitere Flüchtlinge aus Neumünster ein. Es gab auch einen unablässigen Strom vor allem von Kleider- und Spielsachen-Spenden. Weil es dort keinen Lagerraum gibt, wurde eine Kleiderkammer in der Alten Mu-Schule (Lorentzendamm 6-8) eingerichtet. Dort kann montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr saubere Kleidung abgegeben werden. Benötigt werden primär Männerkleidung der Größen S und M, Schuhe und Wolldecken.

 „Es ist großartig, dass so viele Menschen helfen wollen, aber die Unterstützung muss auch zu den Bedürfnissen der Flüchtlinge passen“, sagte der Kieler SPD-Ratsherr Benjamin Raschke, der das Treffen mit Hilfe des Studentenwerks organisiert hatte. Bisher läuft die Koordination von Angebot und Nachfrage vor allem über Facebook. Aber gerade ältere Bürger forderten gestern eine neutrale Webseite. Genau die wollen Sybille Kambeck und ein Team von IT-und Medienleuten entwickeln. „Wir wollen eine niedrigschwellige, einfach bedienbare Non-Profit-Webseite in mehreren Sprachen erstellen, auf denen die Flüchtlinge einstellen können, was sie brauchen, und die Helfer, was sie anbieten.“ Das ehrenamtliche Team sucht deshalb weitere Unterstützung in Form von Know-how, Büro und Ausstattung (sk@janefire.de).

 Viele Besucher berichteten wie Anja Giewald, die extra aus Blickstedt gekommen war, dass sie schon lange überlegen, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. „Aber bisher war nicht klar, an wen man sich wenden kann“, meinte die 39-Jährige. Etliche erklärten sich gestern bereit, eine Patenschaft zu übernehmen. Wie die Kieler Rentnerin Else Teschke: „Nach der Grenzöffnung haben wir Menschen aus der DDR aufgenommen, die nicht wussten, wo sie schlafen sollten. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die noch heute hält. Ich würde mich heute wieder um jemanden kümmern.“

 Die Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung bleiben allerdings nur zehn bis 14 Tage dort, dann werden sie auf die Kommunen verteilt. Wer längerfristige Patenschaften möchte, wird diese eher in den Gemeinschaftsunterkünften der Kommunen finden, riet Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Für die Flüchtlinge in der Erstunterkunft sei es wichtig, einfach etwas Kiel und den deutschen Alltag kennenzulernen. „Nehmen Sie sie mit zu sich, in die Stadt, in den Sportverein, das wäre eine wunderbare Hilfe.“ Ein älterer Herr schlug feste Zeiten vor, zu denen Bürger in der Erstaufnahme-Einrichtung Unternehmungen für einen oder mehrere Flüchtlinge anbieten. Die Initiative Freifunk will im Containerdorf WLAN einrichten. Geplant sind zudem ein Willkommensfest in der Mensa und ein Benefizkonzert mit Flüchtlingen für Flüchtlinge. Am Ende war nicht nur Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer beeindruckt: „Das ist ein großartiges Zeichen von Solidarität, das kann modellhaft für andere Regionen sein.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Meist gelesen in Refugees welcome
Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

Mehr zum Artikel
Leitartikel

Sönke Boysen aus Schwedeneck gibt seinen neuen Nachbarn aus Syrien Deutschunterricht; Jörgen Johannsen aus Rendsburg spielt mit Flüchtlingen Fußball; Angelika Münchbach aus Rodenbek hilft Asylbewerbern beim Umgang mit Behörden: Pensionär Boysen, Fußballtrainer Johannsen, Lehrerin Münchbach – das sind nur drei der vielen, vielen freiwilligen Helfer, die in diesen bewegten Wochen Großartiges leisten. Die die Bilder der entwurzelten, entkräfteten, verzweifelten Flüchtlinge sehen und für sich entscheiden: Da muss ich etwas tun, da will ich helfen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Refugees welcome 2/3