16 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Für Flüchtlinge wird einiges getan

Boostedt Für Flüchtlinge wird einiges getan

Jogginggruppe, Fahrradverleih mit Werkstatt, Wörterbücherspende, Flüchtlingscafé „Welcome“ – ein zufriedenes Resümee der bisherigen Projekte zog der frisch gegründete „Arbeitskreis Flüchtlingspartnerschaften“ unter dem Dach der evangelisch-lutherischen Gemeinde dt auf seinem jüngsten Treffen.

Voriger Artikel
Eine Klasse für Flüchtlinge
Nächster Artikel
Flüchtlinge ohne Ehrenamtler nicht mehr zu betreuen

25 Aktive des Boostedter Arbeitskreises Flüchtlingspartnerschaften trafen sich zum Austausch und zur Bestandsaufnahme.

Boostedt. Etwa 25 der über 65 Aktiven fanden sich im Gemeindehaus neben der Bartholomäuskirche in Boostedt ein, um eine Bestandsaufnahme der letzten sechs Wochen zu erörtern, Verbesserungen zu besprechen und neue Projekte anzustoßen. Nur wenige Stunden zuvor waren dieselben Räume mit rund 70 Männer und Frauen aus Syrien, Somalia und Bosnien gefüllt, die dort zusammen mit den deutschen Gastgebern Kaffee tranken und selbstgebackenen Kuchen aßen.

 Nach der Kaffeetafel stand der Sprachunterricht, oder wie es Heinrich Warnking ausdrückte, „die erste Kontaktaufnahme mit und in der deutschen Sprache“, auf dem Programm. Dafür wurden Sprachzettel entworfen, auf denen zum Beispiel die Worte Mutter, Vater, Kind und Oma auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Farsisch und Bosnisch stehen - oder auch Sätze wie „Mit wie vielen Personen sind Sie nach Deutschland gekommen?“. Um die erste sprachliche Kommunikation kümmert sich vor allem eine Gruppe von ehemaligen und noch unterrichtenden Lehrern aus Boostedt. Sollten Sätze wie „Haben sie schon vor der Flucht Angehörige verloren?“ zum Unterricht gehören oder rührt das womöglich zu sehr an traumatischen Erlebnissen ? „Wir müssen und können das nicht aufarbeiten“, sagte Heinrich Warnking. Pastor Thomas Lemke erinnerte daran, dass ein sensibler Umgang mit der Kommunikation mit den Flüchtlingen Voraussetzung sei, denn manche hätten wirklich Schlimmes erlebt. Bei ernsten Anzeichen sollte man aber das DRK als betreuende Organisation in der Unterkunft darauf ansprechen.

 Das Café Welcome wird bislang alle zwei Wochen am Mittwochnachmittag ab 15 Uhr im Gemeindehaus angeboten. Holger Reichert und Waltraud Tarnow-Pahl berichteten von Überlegungen, den Termin auch mal auf einen Sonnabend zu verlegen, denn nicht alle Helfer hätten unterhalb der Woche Zeit. In der Diskussion befürworteten die meisten aber weiterhin den Termin in der Woche - bis jetzt habe man ja immer einen Stamm von 12 Helfern zusammenbekommen. Alle waren sich einig, dass sowohl das Café als auch der anschließende Sprachunterricht ein Erfolg sind. „Die meisten sind sehr begierig darauf, unsere Sprache zu lernen“, beschrieb Warnking seinen Eindruck. Und auch der Kuchen sei nachher aufgegessen, ergänzte Reichert.

 Deutlich wurde zudem, dass das Café irgendwann aus allen Nähten platzen werde, wenn die volle Auslastung der Unterkunft in der Rantzau-Kaserne erreicht ist. „Dann müssen wir die Zahl wohl begrenzen“, schlug Pastor Lemke vor. Doch zunächst soll noch mehr Raum im Gemeindehaus genutzt werden.

 Ursula Bartling freute sich über eine Spende des Freundeskreises Schloß Gottorf, der ihr 120 Lexika und Wörterbücher für die arabische Sprache übergeben hatte. „Schön wäre es, wenn wir jedem Flüchtling ein Willkommenspaket mit einem Wörterbuch überreichen könnten“, sagte Bartling. Um Geld dafür zu bekommen, könnte man sich bei der Aktion Mensch bewerben, erläuterte Sabrina Freuling, dafür dsei aber ein Konzept vorzulegen.

 Vom erfolgreichen Aufbau einer Fahrradwerkstatt mit Verleih in der Asylunterkunft sprach Fred Stahl. Der Boostedter hatte von der Fahrradbörse in Neumünster 20 Fahrräder und eine Erstausstattung für die Reparatur erhalten. Der Verleih und die Werkstatt würden bald vom dortigen DRK-Mitarbeiter Andreas Petersen betreut.

 Der Lauftreff habe sich auf eine Gruppenzahl von zehn Flüchtlingen eingependelt, berichtete Stahl weiter. Manchen fehle es aber an richtigem Schuhwerk. „Ein junger Mann aus Somalia lief die gesamte Strecke von rund sechs Kilometern in Badeschläppchen mit“, erzählte Stahl. Die Zuständigen für die Kleiderkammer in der Einrichtung bestätigten, dass es zu wenig Schuhe für die Männer gebe. Mit dem richtigen Schuhwerk ausgerüstet, überlegte Fred Stahl, könne er sogar mit seiner Gruppe am Boostedter Volkslauf im Juni teilnehmen. „Dafür habe ich schon acht Sponsoren gefunden, die das Startgeld für die Flüchtlinge übernehmen“, erklärte Waltraud Tarnow-Pahl erfreut.

 Als Nächstes steht die Aquarell-Ausstellung „Nicht vom Brot allein...“ mit der Künstlerin Anke de Vries aus Hamburg auf dem Programm. Neben der Vernissage am Montag, 18. Mai, um 17 Uhr im kleinen Kaufhaus in Boostedt, gibt es innerhalb der Ausstellung von Bildern über Flüchtlinge, die im ganzen Ort verteilt sein werden, weitere Aktionen. Vom 19. bis 29. Mai sind Workshops um das Thema Flüchtlinge in der Grund- und Gemeinschaftsschule geplant. Am 22. und 29. Mai sind Einheimische und Flüchtlinge zu einem gemeinsamen Dorfspaziergang zu den de Vries-Bildern eingeladen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.