25 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Brückenbauer am Esstisch

Flüchtlingshilfe Brückenbauer am Esstisch

Integration funktioniert nur über direkte Kontakte. Doch wie lernt man Flüchtlinge kennen, wenn man selbst wenig Zeit hat? Die Antwort geben zwei Initiativen, die sich zufällig parallel entwickelt haben: Sie laden Flüchtlinge zum Essen ein

Voriger Artikel
Gegen die Langeweile der Flüchtlinge in Kiel
Nächster Artikel
Uraufführung: Flüchtlinge zeigen ihr Musikvideo

Sie organisieren das „Dinner for all“ (von links): Nina Schneider (35), Anke Erdmann (43), Farouk Swed aus Syrien (30), Mona Golla (52), Heidrun Buhse (59) und Mohamad Kabadbek (29) aus Syrien. Bei diesem Team-Essen fehlte Lydia Rudow (24).

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Das Vorbild kommt aus Schweden. Dort hat Ebba Akerman 2013 festgestellt: „Wir lassen Menschen in unser Land, aber nicht in unsere Gesellschaft.“ Die Lehrerin wollte eine Brücke bauen und organisierte ein gemeinsames Essen von Schweden und Flüchtlingen. Ihre Idee löste über die sozialen Netzwerke eine wahre Bewegung in Schweden aus, die auch nach Hamburg schwappte. Deshalb hat Heiko Heitmann aus Kiel bei der dortigen Initiative nachgefragt, ob man ihm nicht Gäste aus dem Kieler Raum für ein Essen vermitteln könne. „Ich bin ein leidenschaftlicher Koch und habe mir auch Einblick in die Küche anderer Länder erhofft“, sagt der Versicherungskaufmann (41).

"Dann müssen wir das eben machen"

In Hamburg konnte man ihm zwar nicht weiterhelfen, vermittelte ihm Kontakte zu anderen Kielern, die sich dort auch als Gastgeber gemeldet hatten. „Wir haben uns zusammengesetzt und beschlossen: Wenn in Kiel noch niemand gemeinsame Essen organisiert, dann müssen wir das eben machen. Dabei geht es uns nicht nur um Flüchtlinge, sondern um alle, die fremd sind in der Stadt, also etwa Menschen, die nur vorübergehend in Kiel arbeiten.“ Seither trifft sich das Team regelmäßig, hat die Seite www.welcome-dinner-kiel.de erstellt und Flyer drucken lassen, die jetzt verteilt werden. Das Prinzip: Potenzielle Gastgeber und Gäste aus Kiel und Umgebung tragen sich auf der Webseite ein. Das Team versucht dann, die Menschen zu vernetzen, die zueinander passen könnten. Alles andere klären Gastgeber und Gäste untereinander.

Viele sind in Kontakt geblieben

Auch die Initiative „Dinner for all“ in Kiel ist startklar. Das Team um Anke Erdmann und Lydia Rudow hat allerdings schon einen Probelauf hinter sich: Am 3. Oktober hatten sie Gastgeber aufgefordert, Flüchtlinge zu einem Essen nach Hause einzuladen. Gleichzeitig wurden Zettel auf Arabisch in den verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften ausgelegt. „Es meldeten sich 160 Flüchtlinge, meist auf Arabisch, was wir natürlich nicht verstanden. Ein Chaos! Ohne Farouk und Mohammad in unserem Team wäre wir untergegangen“, berichtet Nina Schneider. So aber wurde es am Ende doch ein Erfolg. „Wichtig ist, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und ohne jede Verpflichtung. Der Probelauf zeigt aber, dass viele danach in Kontakt geblieben sind“, sagt Heidrun Buhse. Man achte nun allerdings darauf, dass immer ein Gast englisch oder deutsch spricht. Und: Es wird stets nur ein Kontakt vermittelt. Dann werden alle Daten gelöscht. Wer noch einmal teilnehmen möchte, muss sich erneut auf der Webseite eintragen.

www.dinner-for-all.de  und www.welcomedinner-kiel.de 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

Mehr aus Refugees welcome 2/3