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Refugees welcome Hier spielt Herkunft keine Rolle
Refugees welcome Hier spielt Herkunft keine Rolle
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20:52 03.10.2015
Von Heike Stüben
Mannschaft von Eritreern, die in dem Containerdorf in Elmschenhagen leben : FC Eri-Ger Quelle: Sonja Paar
Kiel

Mohammad Falah ist an diesem Tag einer der ersten auf dem Norder. Der Weg dorthin war für den Syrer kurz, denn er lebt seit wenigen Tagen in direkter Nachbarschaft: in einem der Container der Erstaufnahme-Einrichtung. „Das Fest ist eine gute Idee, besonders an diesem Tag“, sagt der 60-Jährige und spielt damit auf den Tag der Deutschen Einheit an. Woher er das weiß und dazu auf Deutsch erklären kann, fragen ihn ein paar Kieler. Er habe ein vor langer Zeit am Goethe-Institut in Syrien Deutsch gelernt und sich schon immer für das Land interessiert, antwortet der studierte Volkswirt und freut sich sichtlich, einmal ungezwungen mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Wenig später spricht er – nichtsahnend - Oberbürgermeister Ulf Kämpfer an und erzählt, dass er bis 2012 im syrischen Ministerium für Öl und andere Rohstoffe gearbeitet habe. Das Ende sei plötzlich gekommen, man habe ihn für einige Zeit ins Gefängnis gebracht, weshalb wisse er bis heute nicht. Nachdem neun Menschen aus seiner Familie dem Krieg zum Opfer gefallen seien, habe er sich zur Flucht entschlossen.   

Wie wichtig solche Gespräche für die sind, die neu nach Kiel kommen, betont auch Asli Seda Seusing. „Das gibt den Flüchtlingen die Hoffnung, dass sie sich hier irgendwann zuhause fühlen können“, sagt die Kielerin. In einem Projekt der Deutschen Angestellten Akademie kümmert sie sich um jene Jugendlichen, die ganz allein in Deutschland angekommen sind und nun im Hof Hammer leben. Für das Fest auf dem Norder haben sie die Mannschaft Dock Kiel gegründet und treten nun gegen das eingespielte Team vom TSV Kronshagen an. Das Spiel endet 0:0 – für die Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak ein Erfolgserlebnis: Sie haben mitgehalten.

Sport ist wichtig

19 Mannschaften nehmen an diesem Fußballturnier teil – die Fußballfreunde Nortorf ebenso wie Flugzeug Fanta, Floorball Neuwittenbek oder Fleisch & Wurst. In einigen Mannschaften spielen Migranten mit, es gibt aber auch reine Flüchtlingsmannschaften wie Eri-Ger. „Der Name bedeutet: Wir kommen aus Eri(trea) und wollen in Ger(many) leben“, erzählen die Männer, die im Containerdorf in Kiel-Elmschenhagen wohnen und Sport wichtig finden. Weil er ohne Sprache funktioniert, weil einige schon in der Heimat – etwa bei Radrennsport oder beim Laufen – richtig erfolgreich waren, vor allem aber, weil Sport das Heimweh und das Warten auf einen Asylentscheid ein wenig leichter ertragen lassen.    

Die Fußballspiele haben auch Ohle Harder mit seiner Familie auf den Norder gelockt. Aber nicht nur. „Wir finden es wichtig, dass man kein Berührungsängste hat und selbst Flüchtlinge kennenlernt“, findet seine Frau Sintje Höppner, die als DaZ-Lehrerin in Mettenhof arbeitet.

Hier sehen Sie Bilder vom Fußball- und Familienfest auf dem Nordmarksportfeld.

Ein Argument, das man an diesem Tag auch an anderen Stellen hört – beim Kuchen- oder Losverkauf oder bei den Spielangeboten für Kinder.  „Die Bereitschaft, auf Flüchtlinge zuzugehen und sie zu unterstützen, ist ungebrochen. Wir jedenfalls spüren nichts davon, dass die Stimmung kippt“, sagt Iris Brettschneider von der Facebook-Initiative Kiel hilft Flüchtlingen, die an diesem Tag Spiele für Kinder anbietet.

Ein Kippen der Stimmung wird herbeigeredet

Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer findet: „Bei aller Sorge, Kritik und Verunsicherung, die man ernst nehmen muss, gibt es aber auch ein paar Politiker, die ein Kippen der Stimmung regelrecht herbeireden. Dieses Fest ist zeigt doch erneut, dass aus der Idee einiger weniger ein großes Zeichen der Solidarität werden kann.“ Auch Tobias Cassalette und Sooke Dittbrenner von der Ehrenamtsinitiative „Fußball- und Familienfest - KielerInnen für Toleranz“ bestätigen: „Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben Firmen, Institutionen und Privatleuten großartig auf unsere Bitte um Unterstützung reagiert.“. Die  Initiatoren wollen deshalb eine Wiederholung nicht ausschließen.

Zunächst geht es aber am Sonntag, 4. Oktober, weiter: Das Bündnis "Kiel ist weltoffen!" aus 100 Organisationen, Institutionen, Vereinen und Verbänden will die Menschen zusammenbringen, das Verständnis füreinander schaffen und die Kulturen miteinander teilen. Dazu führt um 15 Uhr ein Demonstrationszug von der alten Muthesiusschule zum  Nordmarksportfeld, wo um 16 Uhr  ein Willkommensfest mit Musik und Essen aus verschiedenen Ländern beginnt.

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