18 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Deutsch-arabisches Kinderbuch soll Miteinander fördern

Integration Deutsch-arabisches Kinderbuch soll Miteinander fördern

Hassan Humeida weiß, wie es ist, als Fremder in Deutschland zu leben. Der 46-Jährige Kieler aus dem Sudan ist auch von der Erzähltradition seiner afrikanischen Heimat geprägt. Beides hat er jetzt in einem Kinderbuch verbunden.

Voriger Artikel
Sprache als Schlüssel zum Studium

Autor Hassan Humeida mit seinem Werk „Die Heimat der Noon“ : Der Sudanese ist eigentlich Ernährungswissenschaftler, Geschichten schreiben ist nur sein Hobby.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Die Heimat der Noon“ erzählt von Heimatverlust und Flucht und über das Fußfassen in einem neuen Land.

Hassan Humeida ist promovierter Ernährungswissenschaftler und zweifacher Familienvater. Da bleibt nicht viel Zeit für seine Hobbys, das Geschichtenerzählen und die Aquarellmalerei. Also schrieb er sein Buch in der Nacht, meist zwischen 24 und 2 Uhr. „Ich wollte unbedingt eine Geschichte schreiben, die Einheimischen und Flüchtlingskindern hilft, einander kennenzulernen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Und damit sie es von Anfang an gemeinsam vorgelesen bekommen oder selbst lesen können, sollte es auf Deutsch und auf Arabisch erscheinen“, erklärt der Kieler.

Perspektive des Kindes

Das reich illustrierte Buch ist aus der Perspektive der fünfjährigen Noon geschrieben, die sich fragt: Verstehen meine neuen Freunde in Deutschland, was Krieg ist? Und was Flucht bedeutet? Noon erzählt in 25 kurzen Kapiteln von der Nacht, in der sie die Heimat verlassen musste, von ihrem langen Weg auf den Schultern des Vaters, der oft vergeblichen Suche nach Wasser, der Überfahrt in einem Leck geschlagenen Boot und von den beiden einzigen Erinnerungsstücken an ihre Heimat: der kleinen Puppe, die ihr die Großmutter gestrickt hatte, und dem Bröckchen Wand aus dem zerbombten Schlafzimmer der Familie. In dem Buch erlebt Noon aber auch ihre neue Heimat, wundert sich, dass es immer genügend sauberes Wasser und Strom gibt, dass alle Menschen sagen dürfen, was sie denken und dass niemand mehr wert ist als ein anderer.

1991 ermöglichte es ihm seine Familie, nach Deutschland zu gehen. Er soll Medizin studieren. Aber es ist schwierig, Geld zu verdienen und das Medizinstudium in einer fremden Sprache zu absolvieren. „Ich musste umsatteln und habe in Jena Ernährungswissenschaften studiert.“ Dort engagiert er sich in der evangelischen Studentengemeinde, in der Studentenschaft und im Ausländerbeirat, initiiert Afrikaprojekte und schreibt immer wieder Geschichten, vor allem Fabeln. Für ihn eine perfekte Form, um sein Ziel zu erreichen: Kulturen zueinander zu führen, Respekt und friedliches Zusammenerleben zu fördern. „Ich möchte universelle Werte wie Verantwortung, Fleiß und Treue vermitteln, aber ich habe auch Fabeln über Probleme wie Analphabetismus oder Kindersoldaten geschrieben. Die Menschen wissen viel zu wenig über Afrika.“

Hunderte Geschichten ohne Honorar

Inzwischen hat der Afrikaner mit deutschem Pass Hunderte Geschichten geschrieben – die meisten für Kinder. „Da habe ich das Gefühl, dass ich noch etwas verändern kann.“ Die ersten Exemplare von „Die Heimat der Noon“ setzt die Stadt Kiel in der Kinderbetreuung ein. Währenddessen hat Hassan Humeida bereits fünf neue Manuskripte mit Geschichten über die Flucht verfasst. Für seine Geschichten nimmt er übrigens kein Honorar. „Es entstehen nur die Druckkosten und die sind von der Auflage abhängig.“

Informationen und Kontakt: hh-fine-art@outlook.com

Voriger Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

Mehr aus Refugees welcome 2/3