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Ein neues Zuhause für Manal

Kiel hilft Flüchtlingen Ein neues Zuhause für Manal

Manal Aydi lebte nach ihrer Flucht aus Syrien acht Monate in einer Gemeinschaftsunterkunft. Dann wurde ihr von einem Kieler Wohnprojekt eine kleine Wohnung angeboten. Für beide Seiten ein Wagnis mit ungewissem Ausgang. Heute, sieben Monate später, sind sich alle einig: „Das Zusammenleben hat uns bereichert.“

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Kieler helfen der Syrerin Manal Aydi und ihrer Familie.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Zu dem Wohnprojekt in dem Haus im Kieler Anscharpark gehören acht Parteien. „Viele von uns haben sich mit dem Umzug verkleinert und kein Gästezimmer mehr. Deshalb nutzen wir den Gemeinschaftsraum unten im Haus für unsere Treffen und auch als kleine Gästewohnung“, erklärt Claus Behrmann. Um die Jahreswende standen bei solch einem Treffen auch die Situation der Flüchtlinge und die Frage im Raum: Was kann das Wohnprojekt zu einer guten Aufnahme und Integration dieser Menschen beitragen?

 Schnell war man sich einig: Für einen begrenzten Zeitraum kann man auf den Treffpunkt verzichten und einem Flüchtling Unterkunft bieten. „Die Bewohner der beiden Nachbarhäuser, die auch zum Wohnprojekt gehören, haben uns bestärkt und ihre Gästewohnung als Ausweichquartier angeboten“, betont Barbara Holst. Eine Freundin, Angelika Münchbach aus Rodenbek, ist seit längerem engagiert in der Flüchtlingshilfe und stellte den Kontakt zu Manal Aydi her. Die 44-jährige Syrerin hatte es nur allein geschafft, ihr Heimatland zu verlassen. Ihren Mann und die vier Kinder zwischen 13 und 22 Jahren mussten zurückbleiben. „Wir haben uns mit Manal getroffen und festgestellt: Alles passt. Kurz danach haben wir einen Mietvertrag geschlossen und sie ist hier eingezogen“, sagt Ingeborg Kähler.

 Zuvor wurde noch diskutiert, ob Aydi überhaupt Miete zahlen soll. Letztlich hat man sich dafür entschieden: So waren die Nebenkosten sicher abgedeckt. Mit dem Plus konnte man die Wohnung nach Aydis Bedürfnissen ausstatten. Vor allem wollte man aber mit der Miete zeigen, dass es Flüchtlinge nicht leichter haben als andere bedürftige Menschen.

 Längst ist Aydi in die Hausgemeinschaft hineingewachsen. „Ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass ich immer so viele Hilfe bekomme“, sagt sie. So wurde mit ihr Deutsch gebüffelt, der Behörden-Papierkram erledigt, auch für sie gekämpft. „Wir hatten einen Schriftwechsel ohne Ende wegen des Rundfunkbeitrags. irgendwann stellte ich fest, dass sie dort Manal zweimal geführt ahtten. Ohne Hilfe eines Muttersprachlers hätte ein Flüchtling dieses Durcheinander nie durchblicken können“, erzählt Regine Henneberg, die zur Zeit dringend eine größere Wohnung für Manal Aydi sucht. Denn am Sonntag kommt endlich auch ihre Familie nach.

 Doch die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Der Wohnungsmarkt ist leer, gerade für große Familie lässt sich keine Bleibe finden, berichtet Regine Henneberg: „Die Vorbehalte sind groß und die Kriterien, die das Jobcenter vorgibt, sehr eng.“ Deshalb hat die Hausgemeinschaft erst einmal den Mietvertrag bis zum Jahresende verlängert.

 Und auch danach will man in engem Kontakt bleiben. „Wir lernen gegenseitig viel voneinander. Meine 7-jährige Tochter sieht, seit sie Manal kennt, Frauen mit Kopftuch ganz anders“, sagt Claudia Ehler, „und wir haben viel über eine andere Kultur und die syrische Küche gelernt – Manal kocht und backt wunderbar.“ Was sich die Sekretärin und passionierte Köchin selbst für ihre Zukunft in Kiel wünscht? „Dass ich schnell arbeiten kann und meine Kinder hier lernen und weiter studieren dürfen.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

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Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

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