Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Refugees welcome Flüchtlinge lernten Kiel vom Wasser aus kennen
Refugees welcome Flüchtlinge lernten Kiel vom Wasser aus kennen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 19.10.2015
Von Jennifer Ruske
Ahoi: Die Segler der Kieler Yachtschule und ihre Gäste, vier Flüchtlinge aus Syrien und Somalia, genossen den gemeinsamen Törn auf der Kieler Förde. Quelle: Jennifer Ruske

Nieselregen, kalte Temperaturen und Windstärken von gerade mal zwei bis drei: Das sind nicht gerade optimale Bedingungen für einen Segeltörn auf der Förde. Vor allem nicht, wenn es der allererste ist. „Es hätte gern etwas sonniger sein können“, befanden Tim Juhre, Lukas Meuser, Jonas Freise, Valerie Teß, Leonie Haass, Jona Ponath, Paula Schälke und die anderen Mitsegler. Doch die vier jungen Männer – Mohammad Joud (21) und Omar Libbade (17), die vor zwei beziehungsweise sieben Monaten per Flugzeug aus Syrien nach Kiel kamen, sowie Farhan Yasin (20) und Aziz Ibrahim (19), die vor mehr als zwei Jahren ebenfalls auf dem Luftweg aus Somalia anreisten und im RBZ Technik zur Schule gehen – hat das Wetter nicht gestört. „Es war einfach toll“, erzählen sie auf Deutsch, Englisch und Arabisch. „Und es war super, dass die Yachtschule uns mitgenommen hat.“

"Ziehen, ziehen, ziehen"

„Wir hatten uns im Verein überlegt, auch etwas für die Flüchtlinge zu tun“, sagt Hanna Schälke, die die mehr als 100 Jahre alte Yachtschule mit ihren 40 Mitgliedern leitet. Tim Juhre, Freiwilligendienstleistender, hatte die Idee für das Projekt Flüchtlingssegeln. Über die Initiative „Kultur grenzenlos“, dem Tandemprojekt zwischen Studierenden und Geflüchteten, hatte er alle jungen Menschen eingeladen, die Lust aufs Segeln hatte. Und Lust hatten eben besagte vier junge Männer. „Das ist mal etwas ganz anderes als Alltag und Schule.“

Mit zwei Tourenschiffen vom Typ Elan 31 war die insgesamt zehnköpfige Gruppe unterwegs. Die jungen Erwachsenen haben auf der Tour in die Hörn tatkräftig mit angepackt. „Die Taue ziehen, ziehen, ziehen hieß es immer wieder“, rufen Farhan und Aziz, für die es die erste Segeltour war, lachend. Ein bisschen mehr Erfahrung brachte Mohammad mit. „Ich war zweiter Offizier auf einem Containerschiff“, erzählt er. Doch Segeln sei schon etwas anderes. Spaß beim gemeinsamen Törn hatten auch die Gastgeber. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, wenn es mit Deutsch und Englisch nicht weiterging“, erzählt Lukas Meuser. Das klappte auf dem Wasser genauso gut wie hinterher beim Grillen im Vereinsheim.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Refugees welcome Fußball- und Familienfest - Hier spielt Herkunft keine Rolle

Kiel hat erneut gezeigt, wie Bürgerengagement funktioniert: Vier Kieler hatten die Idee, weit über 100 halfen mit und am Ende wurde es ein fröhliches Fußball- und Familienfest auf dem Nordmarksportfeld, bei dem Hautfarbe, Sprache und Herkunft keine Rolle spielten.

Heike Stüben 03.10.2015

Mit täglich Hunderten Transitflüchtlingen steht Kiel vor einem neuen Problem. In der Nacht zu Sonntag erlebte die Stadt den bisher größten Ansturm. 460 wurden in der Markthalle untergebracht. Als diese belegt war, rief Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer über Facebook die Bürger auf, privat Flüchtlinge aufzunehmen. Er selbst nahm mit seinen Nachbarn bis Montag Abend eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan auf. Ist die Stadt überfordert? Im Interview erklärt Ulf Kämpfer die Lage.

Karen Schwenke 22.09.2015

Im vierten Stock einer Altbauwohnung in der Holtenauer Straße duftet es nach Pasta mit Tomatensauce. Jemand klimpert zaghaft auf einem Klavier. Aus der Küche ist Geschirrgeklapper, aus dem Badezimmer laufendes Wasser zu hören. Es ist 22 Uhr. Normalerweise hätte Katharina Wulf ihren Sohn ins Bett gelegt und wäre ihm recht bald in den Schlaf gefolgt. An diesem Spätabend jedoch kocht Katharina Wulf, denn sie hat Gäste: sechs Personen, die über Nacht bleiben.

Alev Doğan 22.09.2015
Anzeige