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Ein digitaler Wegweiser für Flüchtlinge

Moin-App Ein digitaler Wegweiser für Flüchtlinge

Flüchtlinge sollen sich schnell in Kiel zurechtfinden. Das geht am besten über eine App. Aber sie muss jedem kostenlos zugänglich und vor allem verständlich sein, befand das Team von der Werbeagentur Markenwerk in Kiel und machte sich bereits im August an die Arbeit.

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Projektleiter Paul Lewandowski zeigt die Moin-App, die wichtige Anlaufstellen in der Stadt und Basisinformationen zu Asylrecht, Kultur und anderen Themenfeldern enthält. Vieles läuft über Fotos und Symbole, damit die Inhalte leicht und schnell erfassbar sind.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Eine komplexe Aufgabe, bei der Markenwerk bewusst auch die Flüchtlinge selbst einbezieht. Am Anfang stand für die Werbestrategen die Frage: Was können wir dazu beitragen, um die Integration zu fördern? „Wir schaffen es nicht, Sprachunterricht zu geben oder Spenden von A nach B zu transportieren. Aber wir können Apps entwickeln, und als es im Sommer wie immer etwas ruhiger war, haben wir gesagt: Das soll unser Beitrag sein“, sagt Geschäftsführer Birger Dethlefs.

Das achtköpfige Team hat einschlägige Erfahrungen, hat diverse Apps wie die für Wacken entwickelt. Doch diese selbstgestellte Aufgabe hatte es in sich. Was ist wirklich relevant für Flüchtlinge, die neu hierher kommen? Man beschränkte sich auf die Basisinformationen, die möglichst leicht erfassbar sein sollen: Wo bin ich gerade? Was ist wichtig für mich? Wo sind die Stellen, die mir helfen können? Wann haben sie geöffnet? „Allein diese Informationen zusammenzutragen, war deutlich aufwändiger als erwartet“, sagt Paul Lewandowski, der das Projekt koordiniert hat.

Herausforderung arabische Schriftrichtung

Aber auch die Programmierer sahen sich mit ungewohnten Problemen konfrontiert. Etwa, dass im Arabischen von rechts nach links geschrieben wird. Außerdem sollte viel Information über Karten von Kiel erfolgen, die auch offline funktionieren. „Die größte Herausforderung ist aber die Übersetzung aller Inhalte in die vielen verschiedenen Sprachen. Das können wir ohne freiwillige Helfer überhaupt nicht leisten“, sagt Lewandowski.

Inzwischen arbeiten etliche Muttersprachler ehrenamtlich an der Übersetzung mit. Wie Adelina Mehmeti: „Ich bin selbst mit drei Jahren als Bürgerkriegsflüchtling aus dem Kosovo gekommen. Integration funktioniert nur, wenn man sich im neuen Land sicher fühlt und sich schnell zurechtfindet. Deshalb ist die App ein wichtiger Baustein“, sagt die 25-jährige BWL-Studentin, die außerdem im Tandem-Projekt an der Kieler Uni einen Syrer betreut und auch bei der Versorgung der Transitflüchtlinge im Ostseekai mithilft.

Flüchtlinge helfen selbst mit

Doch es helfen auch Flüchtlinge selbst mit wie Hazem Al Jadava (31) und Muhammad Alabdullah (32). Die beiden Syrer sind in einem Haus in Großbarkau südlich von Kiel untergebracht. Dreimal in der Woche, so erzählen sie, haben sie Deutschunterricht, ansonsten wäre es schwierig, die Zeit herumzubekommen. Deshalb haben sie sofort ja gesagt, als Birger Dethlefs sie bat, Texte ins Arabische und Syrische, das eigentlich ein ostaramäischer Dialekt ist, zu übersetzen. Das Problem: Die beiden Syrer beherrschen Deutsch noch nicht gut genug. „Aber sie können gut Englisch. Deshalb nehmen sie meine Englisch-Übersetzung und übersetzen dann weiter in ihre Heimatsprachen“, sagt Maria Liczkowski (30), die im Marketing arbeitet und in ihrer Freizeit die App voranbringt.

Sie alle hoffen, dass die App möglichst schnell fertig ist und vielen Flüchtlingen helfen kann. Noch fehlen aber weitere Übersetzer für Sprachen wie Farsi oder Tigrinisch. Bleibt die Frage, wie er heißt, der neue Wegweiser für Flüchtlinge in Kiel. Der Name sollte kurz, verständlich und natürlich regional verortet sein. Also heißt sie: Moin App.

Übersetzer könne sich melden unter: www.moin-refugee.de 

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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