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Wie man richtig helfen kann

Flüchtlinge Wie man richtig helfen kann

Vor Erstaufnahmeeinrichtungen ist es inzwischen eine alltägliche Szene: Bürger liefern Kleider und Spielzeug für Flüchtlinge ab. Umso größer die Enttäuschung, wenn die Spender abgewiesen werden. Doch für die Ablehnung gibt es Gründe.

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7900 Menschen haben sich „Kiel hilft Flüchtlingen“ auf Facebook inzwischen angeschlossen. Viele melden sich an, um in einer Halle in der Kieler Gärtnerstraße (Foto) mitzuhelfen und Kleiderspenden für die Flüchtlinge zu sortieren.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Rendsburg. Das Erlebnis einer Rendsburgerin ist symptomatisch. An einer Tankstelle half sie einem Flüchtling spontan als Dolmetscherin. Der Syrer erzählte von der Flucht und davon, dass seine kleine Tochter durch eine Granate die Nase verloren habe. Die Rendsburgerin, Mutter einer kleinen Tochter, wollte helfen und versprach dem Mann, ihm Kinderkleidung in die Erstaufnahmeeinrichtung zu bringen. Das tat sie auch. Doch am Eingang wurde ihr der Zugang verwehrt. „Das konnte ich nicht verstehen. Ich hatte es doch versprochen und war im Wort“, erzählt sie. Ihre erste Redaktion: „So etwas mache ich nie wieder.“

 So wie der jungen Frau geht es vielen spendenwilligen Bürgern. Doch das Personal in den Erstaufnahmeeinrichtungen bittet um Verständnis. „Erst sind wir noch jedes Mal zum Tor gelaufen, um die Ablehnung zu erklären. Auch wir finden die Hilfsbereitschaft ja toll“, sagt Ilka Hübner vom DRK, die das Container-Dorf am Nordermarksportfeld in Kiel leitet. „Doch inzwischen sind unsere Lager voll. Wir arbeiten am Limit und so leid es uns tut: Wir haben keine Zeit mehr, das immer freundlich zu erklären.“

 Auch in anderen Erstaufnahmen wird bestätigt, dass die gutgemeinten Spenden oft unerwünschte Folgen haben. Viele Flüchtlinge seien durch Not und Hunger geprägt. Sie hätten gelernt, sich erst einmal alles zu sichern, was möglich ist: Da wird dankbar ein Kinderwagen genommen, auch wenn man keine Kinder hat. Man könnte ihn ja gegen etwas anderes tauschen... In den Einrichtungen selbst sorgen die Spenden dann nicht nur für Platzprobleme, sondern auch für Neid und Streit – und oft für zusätzlichen Müll, wenn man sie beim Verlassen der Einrichtung nicht mitnehmen kann. Dann ist die gutgemeinte Spende verloren.

 „Wir brauchen eine Koordinierung, um sicherzustellen, dass die Spenden bedarfsgerecht und fair verteilt werden“, sagt Christian Müller von „Kiel hilft Flüchtlingen“. Die Initiative organisiert über Facebook Spenden, sortiert, registriert und lagert sie auf Abruf. Doch ihre Lager sind voll, man sucht dringend eine winterfeste Halle ab 1000 Quadratmeter. Bis dahin gilt: Spenden aufbewahren und bis zum nächsten Spendenaufruf warten. Auch der Kieler Sozialdezernent Gerwin Stöcken bittet: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Spenden noch zielgerichteter diejenigen erreichen, die auf sie angewiesen sind.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Foto: Ein paar Taschen und nicht viel mehr: Flüchtlinge haben in Kiel das Containerdorf auf dem Nordmarksportfeld bezogen. Sie haben nur wenige Habseligkeiten und brauchen Unterstützung. Das gilt gerade auch für die Jüngsten.

Wohin kann man sich wenden, wenn man Flüchtlingen in Not helfen möchte? An dieser Stelle finden Sie Adressen und Ansprechpartner aus Kiel und Neumünster sowie den Kreisen Segeberg, Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie unser Willkommens-Plakat als Download. mehr

Fotostrecke: Willkommen in Kiel

Am Freitag startete die Plakataktion „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“ der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Leser können uns Ihre Fotos mit dem Plakat an willkommen@kieler-nachrichten.de schicken.

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Selten zuvor haben sich die Politiker so tief vor den Bürgern verneigt wie in dieser Woche. Die Kanzlerin lobte die Menschen, die zu den Bahnhöfen geeilt sind, als die Flüchtlingszüge ankamen. Die applaudiert haben und die Decken, Wasser und Obst mitbrachten. Für den EU-Kommissionspräsidenten haben die freiwilligen Helfer in der Not sogar den Ruf Europas gerettet.

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Die Angst reist mit

Eigentlich müsste Alaa al Saudi fix und fertig sein. Zusammen mit elf Familienmitgliedern ist die junge Syrerin seit dem 21. August auf der Flucht. 24 Tage voller Angst, Entbehrungen, Schmutz und Hilflosigkeit liegen hinter ihr. Doch heute könnte sie die ganze Welt umarmen.

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