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Kiel: Kämpfer setzt auf Online-Strategie

KN-Serie Digital Kiel: Kämpfer setzt auf Online-Strategie

Zumindest für Unternehmer muss Kiel ein Eldorado sein: Die Landeshauptstadt hat es 2013 auf die Liste der digitalsten Städte in Deutschland geschafft. Der von Google, dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund vergebene E-Town-Award zeigte aber auch: Breitbandverbindungen sind nicht alles.

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Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Als moderne Verwaltung trägt Kiel schon jetzt mit Angeboten wie der Online-Terminvereinbarung in Melde- und Kfz-Angelegenheiten dazu bei, den Bürgern die Nutzung kommunaler Dienstleistungen zu vereinfachen.“

Quelle: Frank Peter

Kiel. Von den internetaffinen Unternehmen fühlen sich lediglich acht Prozent von der Stadtverwaltung bei ihren Online-Bestrebungen unterstützt. Zwei Jahre später schafften im Norden nur der Landkreis Harburg sowie Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) den Sprung unter die ersten zehn erfolgreichsten Städte und Regionen – unter anderem auch deswegen, weil den Bürgern dort ein gut ausgebauter digitaler Service rund um die Uhr zur Verfügung steht.

 Der Studie zufolge scheint Kiel auf dem Weg zur digitalen Verwaltung bislang nur langsam voranzukommen. Das soll sich jetzt aber ändern: „Dieses Thema ist wichtig und wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen“, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). So sei mit dem Personal- und Organisationsamt vereinbart worden, in der zweiten Jahreshälfte eine E-Government-Strategie zu erarbeiten, die dann „Schritt für Schritt“ umgesetzt werden soll.

 Dennoch gibt es bereits jetzt schon einige elektronische Bürgerdienste, die gut angenommen werden. Beispiel Onleihe bei der Stadtbücherei: Seit Einführung 2012 ist die Zahl elektronisch ausgeliehener Medien von 6000 auf rund 64000 im vergangenen Jahr angewachsen. Beispiel Mängelmeldungen und Anregungen: Monatlich gehen hier regelmäßig etwa 25 Mails über das Online-Portal der Stadt ein.

 Möglich ist es weiterhin, sein Kind online bei einer Kita anzumelden oder sich auf diesem Wege einen Termin im Einwohnermeldeamt zu sichern. Der letztgenannte Service wurde im Oktober 2011 eingeführt und ist nach Angaben der Stadt noch in der „Aufbau- und Erfahrungsphase“. Weiterhin können über die Homepage der Stadt Wunschkennzeichen für das Fahrzeug reserviert, Ferienpassangebote gebucht oder Anträge auf Briefwahlunterlagen gestellt werden. Ergänzt wird der Bürger-Onlineservice durch ein ganzes Bündel von Datenbanken, die Informationen zu Veranstaltungen, Bekanntmachungen oder generellen Serviceleistungen bieten. Mit dabei sind unter anderem ein Stadtplan, Auskünfte über Parkmöglichkeiten, Pressemitteilungen, Ausflugstipps oder ein Umweltwegweiser.

 „Als moderne Verwaltung trägt Kiel schon jetzt mit Angeboten wie der Online-Terminvereinbarung in Melde- und Kfz-Angelegenheiten dazu bei, den Bürgern die Nutzung kommunaler Dienstleistungen zu vereinfachen“, betont Kämpfer. Mit Blick auf die Haushaltslage werde es aber nicht möglich sein, jede neue Idee umzusetzen. Gleichzeitig dürften aber auch diejenigen Kieler nicht vergessen werden, die nicht in der digitalen Welt zu Hause seien, ergänzt Kämpfer. Dass Kiel in Sachen digitaler Verwaltung aber noch eine Menge aufzuholen hat, zeigt sich am Beispiel Köln: Hier können Bürger über eine ansprechend gestaltete Website über die Verwendung bestimmter Haushaltsmittel selbst entscheiden. Vorschläge werden durch die Nutzer bewertet, im Anschluss wird eine Bestenliste erstellt. Der Rat der Stadt entscheidet dann, welche der Vorschläge umgesetzt werden. Auch in Sachen „digitaler Willkommenskultur“ ist Köln laut einer Studie des Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PWC) vorbildlich: Bürger können ihre Fragen online stellen und müssen dazu nicht mehr ins Bürgerbüro.

 Zur Ermittlung der Qualität dieser Online-Dienstleistung wurde an die insgesamt 25 untersuchten Städte eine identische Informationsanfrage per E-Mail gestellt. Die E-Mail wurde von der Stadt Köln mit 14 Minuten Reaktionszeit als schnellste Stadt ausführlich beantwortet.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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