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Der E-Perso ist noch nicht angekommen

KN-Serie SH-Digital Der E-Perso ist noch nicht angekommen

Elektronisch, flexibel, einfach digital: Der seit dem 1. November 2010 ausgegebene neue Personalausweis, kurz E-Perso, sollte dazu dienen, die Bürger und ihre Verwaltungen ins digitale Zeitalter zu führen. Das ist jedoch noch ein weiter Weg.

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Um sich auszuweisen, steckt man den E-Perso in ein Lesegerät und gibt einen Pin-Code ein.

Quelle: dpa

Kiel. Eine aktuelle Umfrage des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag der „Welt am Sonntag“ hat gezeigt: Die Plastikkarte wird von den meisten Bundesbürgern weiterhin nur als Dokument im Portemonnaie genutzt, um sich in der analogen Welt auszuweisen.Nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) besitzen etwa 36 Millionen Deutsche den neuen Ausweis, 15 Millionen mehr als noch 2013. Wie viele Schleswig-Holsteiner den E-Perso besitzen, konnte das BMI auf Anfrage nicht ermitteln. Bei etwa 30 Prozent der Ausweise sei die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet, mit der zum Beispiel Anträge bei Behörden, Kontoeröffnungen oder Verträge mit Versicherungen legitimiert werden. Doch nur fünf Prozent dieser Ausweisinhaber hat der GfK-Umfrage zufolge in den vergangenen zwölf Monaten die Funktion genutzt, sich online zu identifizieren.

 Grund dafür ist nicht nur die mangelnde Akzeptanz oder die Angst vor Sicherheitslücken: Laut „Welt am Sonntag“ haben bislang lediglich 55 Unternehmen und 109 Behörden das Zertifikat für den Online-Identitätscheck über den E-Perso erworben. Laut BMI verfügen in Schleswig-Holstein lediglich das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg, die Staatskanzlei und die Stadt Norderstedt über dieses Zertifikat.

 Wer einen elektronischen Personalausweis beantragt, muss sich zuerst entscheiden, ob seine Fingerabdrücke auf dem Chip gespeichert werden sollen. Genauso freiwillig ist es, die sogenannte E-ID-Funktion zu nutzen. Wer das nicht möchte, kann den Ausweis auch nicht dafür nutzen, sich online zu identifizieren. Wer diese Funktion will, benötigt ein Kartenlesegerät (etwa 20 bis 150 Euro); künftig soll es auch möglich sein, dafür mobile Endgeräte zu nutzen. Um die elektronische ID mit dem Kartenleser am Computer zu nutzen, erhalten Bürger per Post wie beim Handyvertrag eine Pin, eine Puk und – für den Notfall – ein Kennwort, um den Ausweis bei Verlust sperren zu lassen. Zudem muss auf dem Computer mit der kostenlosen „AusweisApp2“ eine spezielle Software installiert sein. Das Gesamtpaket stößt aber auf wenig Gegenliebe: Die im November 2014 aktualisierte Software wurde laut Entwickler Governikus bislang von etwa 200000 Nutzern heruntergeladen – die Gesamtzahl der möglichen Nutzer beträgt allerdings etwa elf Millionen.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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