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Mit Müllabfuhr ins Internet

KN-Serie Schleswig-Holstein Digital Mit Müllabfuhr ins Internet

Kleines Dorf, großes Datenvolumen: Wovon andere Gemeinden in Schleswig-Holstein träumen, für die 500 Einwohner in Traventhal ist es seit einigen Wochen klickbare Realität.

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Läuft! Bürgermeister Udo Bardowicks (67) ist begeistert vom superschnellen Internet, das er seit ein paar Tagen in seiner Gemeinde Traventhal nutzen kann.

Quelle: Malzahn

Traventhal. „Wir haben schnelles, ja sogar schnellstes Breitband-Internet“, sagt Bürgermeister Udo Bardowicks zufrieden. Er spricht von einem glasklaren Standortvorteil seines Dorfes: „Bei uns kann man jetzt sogar schneller im Internet surfen als in mancher Stadt.“

 Seit 16 Jahren ist Bardowicks ehrenamtlicher Bürgermeister des kleinen Dorfes im Kreis Segeberg. Das Thema Breitband wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Kernanliegen seiner Mitbürger. „Ja, die Nachfragen häuften sich, viele vor allem jüngere Familien drängten, ob man nicht endlich etwas machen könnte“, berichtet der 67-Jährige. Können Einwohner der Kreisstadt Bad Segeberg bereits seit Jahr und Tag mit Lichtgeschwindigkeit im weltweiten Netz surfen, dauerte es im nur vier Kilometer entfernten Traventhal gefühlte Ewigkeiten, um Mails mit Anhängen zu verschicken oder Webseiten aufzurufen. An das Streamen von Filmen oder Web-TV war erst recht nicht zu denken.

 Das Problem: Für die großen, gewinnorientierten Telekommunikationsunternehmen war das Dorf nicht interessant. Zu klein, zu unattraktiv. Zugleich wuchs aber der Druck aus der Bevölkerung. In Zahlen ausgedrückt seien es schon an die 60 Prozent der Traventhaler gewesen, die unzufrieden waren, schätzt der Bürgermeister. „Die Deutsche Telekom bot uns schließlich gegen einen Bauzuschuss von 245000 Euro an, uns vom Nachbarort Klein Gladebrügge aus Glasfaser bis zum Verteiler zu verlegen. Dort allerdings wäre es wieder mit Kupferkabel weitergegangen“, berichtet Bardowicks. Er lehnte ab. „Zum einen war es nicht das, was wir uns wünschten, zum anderen war die Summe für unsere Gemeinde schlichtweg viel zu hoch“, sagt der Kommunalpolitiker und kann sich noch immer über die Forderung empören. „Auch wenn wir finanziell als Gemeinde noch ganz gut da stehen, wir schwimmen doch wahrlich nicht im Geld.“

 Die Lösung des Problems bahnte sich vor drei Jahren an, als ausgerechnet der regionale Wege-Zweckverband als Entsorgungsunternehmen die Idee hatte, fortan nicht nur Müll abzuholen und Verbindungsstraßen zu unterhalten, sondern – in Kooperation mit den Stadtwerken Neumünster – auch Glasfaserkabel zu verlegen, um Internet, Telefon und Kabel-TV anzubieten. Nachdem andere ländliche Kommunen bereits positive Erfahrungen mit dem Angebot gesammelt hatten, informierten die Traventhaler sich dort vor Ort, sammelten die notwendigen Vorverträge – und schon rückte die virtuelle Welt technisch etwas dichter an das Dorf heran.

 Seit ein paar Wochen können die Einwohner mit bis zu 100 Mbit pro Sekunde im Internet surfen und Kabelfernsehen in HD-Qualität sehen. Ein Riesensprung für Traventhal und Bürgermeister Bardowicks: „Am meisten freue ich mich, dass ich jetzt bei jedem Wetter Sportveranstaltungen im Fernsehen anschauen kann“, sagt der 67-Jährige. Bislang war das nämlich nur bei Sonnenschein garantiert unbeschwert möglich. „Je schlechter das Wetter, umso mehr Schnee habe ich auf dem Bildschirm gesehen“, erzählt der ehrenamtliche Bürgermeister. „Aber das gehört jetzt der Vergangenheit an. Endlich.“

Wie gut ist Ihr Anschluss?

Wie gut ist sie wirklich, die Breitbandversorgung in der Region? Mit Ihrer Mithilfe wollen wir diese Frage möglichst genau beantworten. Sagen Sie uns online: Wie zufrieden Sie mit Ihrem Internetanschluss? Welche Übertragungsgeschwindigkeit ist bei Ihnen verfügbar, und welche würden Sie sich wünschen? Je mehr Nutzer sich beteiligen, desto belastbarer das Ergebnis, über das wir im Rahmen der Serie berichten werden.

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Serie Schleswig-Holstein digital
Foto: Blick ins Datenkabel: „Solche Glasfaserleitungen bringen schnelles Internet aufs Land“, sagt Meike Brors (38) vom WZV.

Breitband aus der Mülltonne: Der Wege-Zweckverband (WZV) Segeberg geht außergewöhnliche Wege. Damit die Bewohner ländlicher Strukturen nicht länger vom weltweiten Datennetz abgekoppelt bleiben, schloss das Entsorgungsunternehmen eine Kooperation mit einem regionalen Telekommunikationsanbieter und holt seither nicht nur Müll ab, sondern sorgt auch für Breitband auf dem flachen Land.

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