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08:31 04.06.2015
Von Bastian Modrow
Das Notebook ist da, schnelles Internet jedoch lässt auf sich warten: „Wenn das nicht funktioniert, ziehen die Leute schlimmstenfalls weg in die Stadt oder in den nächstgelegenen Ort, in dem die digitale Infrastruktur besser ist“, sagt Hans-Peter Ulverich, Bürgermeister des Örtchens Bahrenhof im Kreis Segeberg. Quelle: Frank Peter

Zu unattraktiv ist es für die großen Anbieter, kleine Gemeinden mit Glasfaserleitungen zu versorgen. Manche Landbürgermeister werden jetzt selbst aktiv.

 Einer von ihnen ist Hans-Peter Ulverich, seit 2008 in Amt und Würden. Bahrenhof, unweit von Bad Segeberg, steckt im digitalen schwarzen Loch. „Kein Wunder“, sagt er selbst. Zum einen leben nur 220 Einwohner in der Gemeinde, zum anderen sind diese auch noch weit verstreut in zehn Ortsteilen. „Aus wirtschaftlicher Sicht verstehe ich, dass diese Voraussetzungen wenig attraktiv für Telekommunikationskonzerne ist, uns ans Breitbandnetz anzuschließen“, sagt der 66-Jährige. „Da sind Städte natürlich attraktiver.“ Doch mehr und mehr entwickeln sich langsame Bits und Bytes zum Standortnachteil. Schnelles Internet ist längst wichtiger als Dorfkrug und Tante-Emma-Laden. „Unsere Welt ist und wird stetig digitaler. Wenn Menschen aufs Land ziehen wollen, ist die erste Frage von Interessenten, wie hoch die Miete ist und danach, wie es mit der Breitbandversorgung aussieht“, sagt Ulverich. Umgekehrt seien immer mehr Menschen, die auf dem Land leben, davon abhängig, abends noch im Web zu arbeiten oder geschäftliche Mails zu verschicken. „Wenn das nicht funktioniert, ziehen die Leute schlimmstenfalls weg in die Stadt oder in das nächstgelegene Ort, in dem die digitale Infrastruktur besser ist“, erläutert der ehemalige Polizeibeamte.

 Ein Problem mit vielen Facetten. Ein Problem, das Landgemeinden auf unterschiedliche Weise lösen wollen. „Primäres Ziel ist es, uns für Anbieter attraktiver zu machen“, berichtet der Bürgermeister. Tatsächlich gibt es in der Region drei potenzielle Firmen, die sich auf die Breitbandversorgung ländlicher Strukturen spezialisiert haben. Nur: Im ersten Schritt müssen sich ausreichend Einwohner bereiterklären, das Angebot auch zu nutzen, im zweiten Schritt dann aber auch die Kosten für das Verlegen der Leitungen anteilig zu tragen. „Andernorts ist das bereits gescheitert“, weiß Ulverich und will vorbeugen. „Wir wollen nach der Ernte in diesem Jahr auf etwa 3,5 Kilometern Länge Leerrohre zwischen den Ortsteilen verlegen“, kündigt er an. Diese Leitungen sollen Breitband-Anbieter dann nutzen können, ohne in Erdarbeiten investieren zu müssen. Die Kosten für das Projekt von maximal 12000 Euro seien überschaubar, würden aus der Gemeindekasse finanziert. „Gelegt werden die Leitungen entlang der Knicks über die Felder, das ist günstiger als entlang der Straßen, zumal es spezielle Verlegemaschinen gibt“, berichtet der Pensionär. Alle betroffenen Landwirte hätten den Arbeiten zugestimmt. Andernorts habe sich die Eigeninitiative ebenfalls bewährt, so Ulverich. „In Voßhöhlen griffen die Bürger selbst zum Spaten, verlegten Rohre bis zum nächsten Knotenpunkt im Nachbarort.“ Dort steht dem Anschluss ans schnelle Internet nichts mehr im Wege, erste Vereinbarungen mit einem Anbieter sind getroffen. Ein Wunsch, den auch Ulverich für Bahrenhof hat. Je schneller, desto besser: „Breitband ist heute Lebensqualität.“

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