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Lange Leitung: Oft ist der Kunde schuld

Serie Schleswig-Holstein digital Lange Leitung: Oft ist der Kunde schuld

Versprochen waren 50 Mbits, aber zu manchen Tageszeiten ist es kaum möglich, in normaler Geschwindigkeit im Internet zu surfen? Die Ursachen für eine langsame Leitung können vielfältig sein – und liegen oftmals auch auf Seiten des Kunden.

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Die Datenübertragung geht vielen nicht schnell genug.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Kiel. Die Leitung

Die maximale Surfgeschwindigkeit im Down- und Upstream hängt maßgebend von der Länge der Kupferleitung zwischen der Vermittlungsstelle und dem Kunden ab. Je länger diese Strecke ist, desto geringer ist die maximale Bandbreite. Faustregel: Ist die „letzte Meile“ länger als fünf Kilometer, ist durch die Dämpfungseigenschaften des Kupferkabels kein DSL-Anschluss mehr möglich. Ein Anbieterwechsel kann da nur bedingst helfen: Zum einen setzen die verschiedenen Provider oftmals unterschiedliche Technik in der Vermittlungsstelle ein, zum anderen hängt das mögliche Tempo, das beim Kunden ankommt, auch von der Zahl der Mitnutzer ab.

Die Hardware

Wer schneller im Netz surfen möchte, muss bei der Umstellung seines Vertrages darauf achten, seine Hardware auf aktuellem technischen Stand zu halten. Zwar liefert der Dienstanbieter oftmals zum neuen Vertrag ein aktuelles Modem, manchmal ist dies aber nicht der Fall. Gerade ältere Modems unterstützen aber schnelles Internet, also den ADSL2+-Standard, nicht. Ähnlich verhält es sich bei Internet über Kabeldeutschland; hier benötigt der Kunde ein Modem, das den Standard Docsis 3.0 beherrscht. Auch die Kombination von (WLan)-Router und Modem kann Probleme verursachen; oftmals ist es hier einfacher, ein vom Provider empfohlenes Kombigerät einzusetzen. Und auch das Endgerät muss in der Lage sein, dass schnelle Internet überhaupt verarbeiten zu können.

Das drahtlose Netzwerk

Eine typische Geschwindigkeitsbremse kann ein Funknetzwerk sein, über das viele Internetnutzer zu Hause kabellos ins Internet gehen. Per WLan (Wireless Local Area Network) kann so beispielsweise mit dem Laptop, dem Tablet oder dem Smartphone bei entsprechender Stärke des Signals sogar im Garten oder auf dem Balkon in ansprechender Geschwindigkeit gesurft werden. Zum beachten ist beim Kauf oder Einsatz eines WLan-Modems, das dieses nach dem neuesten Standard (IEEE 802.11) funkt und damit technisch überhaupt in der Lage ist, die anliegende Datenmenge halbwegs störungsfrei weiterzuleiten. Weiteres Problem: Wenn sich im Umkreis Ihres WLan mehrere Nachbarn befinden, die über den selben Kanal (oftmals ist werkseitig Kanal sechs eingestellt) surfen, reduziert sich die mögliche Bandbreite auf ein Minimum. Tipp: Wählen Sie einen Kanal, der sich leicht über die Nutzeroberfläche des Routers auf dem Computer einstellen lässt. Optimal ist es, beispielsweise über eine Test-App auf Ihrem Smartphone nach freien Kanälen zu fahnden. Schneller kann das WLan auch werden, wenn der Standort Ihres Modems verändert oder auf den oftmals noch fast ungenutzten 5-Ghz-Bereich ausgewichen wird. Schneller und stabiler ist Ihre Internetverbindung allerdings, wenn Ihr Computer per Kabel direkt an den Router angeschlossen ist.

Die weiteren Ursachen

Wer beispielsweise Fernsehen oder Filme im Internet sieht (IPTV), muss damit rechnen, dass ein Teil der Bandbreite fest dafür reserviert ist. Für das gleichzeitige Surfen im Netz mit weiteren Endgeräten wie Smartphones oder Tablets steht dementsprechen weniger Kapazität zur Verfügung – und das Surfen kann dann schon mühselig werden. Auch für Nutzer, die täglich sehr viele Inhalte herunterladen, kann es dann trotz einer vereinbarten Flatrate schon mal eng werden. Auch eine veraltete Software auf dem Endgerät kann zu einer deutlichen Reduzierung der Geschwindigkeit führen. Wichtig ist es, sowohl das Betriebssystem als auch die Browser-Version immer auf dem aktuellen Stand zu halten. Auch ein Neustart des DSL-Routers (schalten Sie ihn für einige Sekunden stromlos) kann manchmal Abhilfe verschaffen.

Der Geschwindigkeitstest

Ein Geschwindkeitstest (Speed-Test) ist sinnvoll, um selber einen Anhaltspunkt über den Down- und Upstream, also die versprochene Geschwindigkeit beim Hoch- oder Herunterladen von Daten, zu erhalten. Dabei gibt es sowohl auf den Seiten der Provider Tests, auch manche Firmen bieten diese Dienstleistung kostenlos an – allerdings werden dabei auch immer Nutzerdaten gesammelt. Recht zuverlässig funktioniert dabei speedtest. net/de – auch Techniker verwenden bei der Einrichtung einer schnelleren Internetverbindung diese Seite. Wenn die gemessenen Werte nun deutlich unter der vertraglich vereinbarten Geschwindigkeit des Anbieters liegt, sollte zunächst die Hotline des Providers angerufen werden. Oftmals ist es dann möglich, dass von Seiten der Service-Hotline aus durch ein Messverfahren und das Zurücksetzen des Routers das Problem gelöst werden kann. Wenn aufgrund technischer Probleme die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit laufend deutlich unterschritten wird, können Sie eine Herabstufung auf einen oftmals preiswerteren Vertrag fordern.

Wie schnell ist Ihr Anschluss?

Wie gut ist sie wirklich, die Breitbandversorgung in der Region? Mit Ihrer Mithilfe wollen wir diese Frage möglichst genau beantworten. Sagen Sie uns online: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Internetanschluss? Welche Übertragungsgeschwindigkeit ist verfügbar, und welche wünschen Sie sich? Je mehr Nutzer sich beteiligen, desto belastbarer das Ergebnis, über das wir in dieser Serie berichten werden.

Hier können Sie an der Umfrage teilnehmen.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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