9 ° / 0 ° Regenschauer

Navigation:
Bitte warten: Kein mobiles Netz in der Provinz

Schleswig-Holstein Digital Bitte warten: Kein mobiles Netz in der Provinz

Vom vergeblichen Versuch, Daten über die 4G-Technologie LTE von Heide nach Hamburg zu übertragen, berichtet der Reporter Moritz Stadler von „Spiegel online“.

Voriger Artikel
Wenn der Urlaub auf der Website beginnt
Nächster Artikel
Kiel: Kämpfer setzt auf Online-Strategie

Auf solche Leute wartet die Westküste noch: Techniker bei der Montage der 4G-Technik.

Quelle: picture alliance/dpa

Heide. Ein amüsant beschriebenes Beispiel für die noch mangelhafte Versorgung in der Provinz – wenngleich der Netzanbieter Telefonica darauf hinweist, dass die 3G-Abdeckung mit UMTS auch an der Westküste funktioniere und der LTE-Ausbau nur eine Frage der Zeit sei: „Wir rollen das aus!“, versichert der Eplus-Telefonica-Sprecher Jörg Borm. „Wir stecken sehr, sehr viel Energie darein.“ Und wenn der „Spiegel-online“-Reporter es mit UMTS versucht hätte, wäre er auch zum Zuge gekommen. Wie dem auch sei: Die Geschichte vom verzweifelten Hamburger in Heide liest sich so oder so vergnüglich.

Spiegel offline

Was in Heide passiert, bleibt in Heide. Zumindest länger als anderswo, denn Bilder und Videos über das Mobilfunknetz zu verschicken, kann ewig dauern. Ein Erfahrungsbericht aus Schleswig-Holstein.

An dem Wochenende war ich für eine Weltpremiere in Heide. Der YouTube-Film „Kartoffelsalat“ wurde hier uraufgeführt, weil Berlin und Hamburg angesichts all der YouTube-Fans eine Massenpanik fürchteten. In Heide fehlt für Panik die Masse. Das Städtchen hat 22000 Einwohner und liegt eine gut einstündige Zugfahrt von Hamburg entfernt in der schleswig-holsteinischen Provinz. Vom schnellen Internet ist sie abgeschnitten, ein Glasfasernetz gibt es nicht.

 Schon unterwegs hat das Handy immer wieder den Kontakt zum O2-Netz verloren. Gut, man könnte jetzt denken, wer ein O2-Netz hat, ist selbst schuld. Doch seit der Fusion von Telefonica und E-Plus schien das Netz verbessert, und in der Großstadt hatte ich bisher so gut wie keine Empfangsprobleme. Nicht so in Heide: Auf der Premiere habe ich auch fotografiert und gefilmt. Nicht viel, ein paar Megabyte, aber weil sie mit dem Text zusammen am Sonntagnachmittag noch auf „Spiegel online“ veröffentlicht werden sollten, mussten sie so schnell wie möglich in die Redaktion nach Hamburg.

  Ein LTE-Netz gibt es für O2-Kunden in Heide nicht. 3G ist theoretisch verfügbar, aber ausgerechnet jetzt nicht – eineinhalb Stunden vor der Textabgabe. Und auch der Veranstalter stellt kein WLan. Also ab in ein Café, da würden sie schon WLan haben, dachte ich. Erster Versuch, der „Marktpirat“: Eine freundliche Bedienung erklärt, man habe grundsätzlich schon ein Kunden-WLAN, gerade heute sei es aber ausgefallen. Nächster Versuch, eine Filiale einer Bäckerei-Kette: An der Eingangstür klebt ein WLan-Symbol, doch drinnen begegnet mir das gleiche Problem wie eben. Heute sei das WLan ausgefallen, erklärt die Verkäuferin. Noch eine Stunde bis zur Abgabe.

Als weißes Niemandsland erscheinen der nördliche Landesteil und die Westküste auf der LTE-Abdeckungskarte von O2.

Quelle:

 Ich bin mal von Helsinki mit dem Zug nach Sankt Petersburg gefahren. Selbst im tiefsten Wald an der russischen Grenze hatte ich dort einwandfreies WLAN – sogar kostenlos. Nicht so in Deutschland. Und erst recht nicht in Heide.

 Auf der Suche nach Internet hetze ich durch die Fußgängerzone und überlege, ob es nicht schneller ginge, den nächsten Zug zu nehmen und die Dateien persönlich nach Hamburg zu bringen, als ich endlich ein kleines Stück Globalisierung entdecke: eine McDonald's-Filiale. Dort muss es doch WLan geben! Und tatsächlich: zwei Stunden Gratis-WLAN. Zwar ein sehr langsames, und es gibt keine Sitzplätze, aber das ist egal. Alles ist besser als ein 2G-Netz.

 Ich verbringe fast eineinhalb Stunden in dem Laden, bis alle Bilder und Videos in der Redaktion sind. Tatsächlich wäre ich schneller gewesen, wenn ich die Dateien mit der Regionalbahn von Heide nach Hamburg gebracht hätte. Am schnellsten wäre es allerdings wohl gegangen, wenn ich die Daten nicht innerhalb Deutschlands hätte verschicken müssen – in den meisten Nachbarländern ist die Sache mit dem Netz unterwegs nämlich kein Problem.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News - SHdigital 2/3