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SH Digital Bewacht im Schlaf

Noch kann in Sachen Telemedizin in Schleswig-Holstein von einem flächendeckenden Einsatz keine Rede sein. Doch erste Projekte zeigen, wie die digitale Technik im Gesundheitsbereich helfen kann, Leben zu retten und älteren Menschen Lebensqualität zu geben.

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Hat einen vernetzten Herzschrittmacher: Patient Jürgen Pölkow aus Aumühle ist froh, dass die Ärzte über eine Datenleitung immer ein wachsames Auge auf ihn haben.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Jürgen Pölkow aus Aumühle bei Hamburg trägt einen Herzschrittmacher und einen Defibrillator im Körper. Nach einem Herzinfarkt 2008 bekam der mittlerweile 81-Jährige die lebensrettenden Geräte in den Segeberger Kliniken eingesetzt. Damals haben die Ärzte ihm empfohlen: „Wir möchten Sie gern an die Telemedizin anschließen.“ Jetzt hat Pölkow zu Hause neben seinem Bett einen kleinen grauen Kasten stehen. Dieser liest automatisch einmal am Tag die Daten aus dem Schrittmacher und sendet sie nachts über die Telefonleitung in das Herzzentrum der Klinik. „Davon bekomme ich überhaupt nichts mit“, sagt Jürgen Pölkow und ist froh, dass die Mediziner auf diesem Weg ein wachsames Auge auf ihn haben. Denn mit der Technik können die Ärzte im 50 Kilometer entfernten Bad Segeberg sofort sehen, wenn mit dem Herzen des Patienten etwas nicht in Ordnung ist. „Eine bessere Kontrolle kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Pölkow.

 Im Rahmen dieses Telemedizin-Projektes der Segeberger Kliniken gehen aktuell etwa 400 Schleswig-Holsteiner mit den vernetzten Herzschrittmachern durchs Leben. Wird in der Klinik ein verdächtiger Herzrhythmus aufgezeichnet, schlägt der Computer Alarm. „Dann bekommen wir Ärzte sofort eine SMS und können uns mit dem Patienten oder seinem Hausarzt in Verbindung setzen, bevor etwas Schlimmes passiert“, erklärt Yazdan Seivani, Oberarzt im Herzzentrum der Segeberger Kliniken. „So haben wir schon vielen Patienten noch rechtzeitig helfen können.“

 Doch offenbar sind die Kosten ein Problem. „Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten unverständlicherweise nicht, obwohl unsere Erfahrungen mit der Technik überwiegend positiv sind“, sagt Kliniksprecher Robert Quentin. „Wir haben schon erlebt, dass Patienten aus diesem Grund versuchen, die Kasse zu wechseln.“ In Ausnahmefällen werde daher versucht, individuelle Lösungen mit den Herstellern zu finden, heißt es aus der Klinik.

 Ein weiteres Telemedizin-Projekt – diesmal in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse DAK – ist „Mein Herz“. Dabei machen derzeit etwa 90 Patienten mit chronischer Herzschwäche täglich einen kleinen Gesundheitstest in den eigenen vier Wänden und schicken Vitalparameter wie Blutdruck, Puls und Gewicht per Datenleitung nach Bad Segeberg. Das erspart den Betroffenen Besuche beim Arzt und verringert Wartezeiten – auch für andere Patienten.

 Gesundheitspolitiker sind sich einig: Die Telemedizin wird vor allem auf dem Land künftig ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung sein. Dies belegen mehrere Studien vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft sowie fehlenden Landärzten. So sind in anderen Bereichen der Telemedizin Patient, Arzt, Therapeut oder Apotheker digital miteinander vernetzt, können Daten über Beschwerden, Diagnosen oder Heilpläne untereinander austauschen. Die Gesundheitsminister der Länder haben vor wenigen Wochen eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die das Thema weiter in den Fokus rücken soll.

 Anette Langner, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium des Landes, sieht viel Potenzial. „Telemedizin ist ein wertvolles Hilfsmittel, dass gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein zur besseren Versorgung von Patientinnen und Patienten beitragen kann.“ Sie stellt jedoch klar: „Ein Ersatz für den Arztbesuch ist die Telemedizin nicht. Aber sie kann den Arztbesuch effektiv vorbereiten und fachärztliche Expertise ergänzen. Bei der notwendigen Weiterentwicklung von E-Health und Telemedizin muss der Nutzen für die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen. Dafür hat sich Schleswig-Holstein auf der Gesundheitsministerkonferenz eingesetzt.“

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Foto: Nicht immer ist ein Notarzt mit an Bord eines Rettungswagens. Per Datentechnik soll er aber bald hinzugeschaltet werden können.

Der Einsatz von vernetzter Technik in der Notfallmedizin könnte in einem dünn besiedelten Flächenland wie Schleswig-Holstein auch im Rettungswesen viele Vorteile bringen und Leben nach Unfällen und Unglücken retten. Denn: Oft treffen zwar die Sanitäter mit Blaulicht und Martinshorn schnell an einem Unglücksort ein, der Notarzt braucht von weiter entfernten Standorten jedoch länger.

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