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Neue Digitaltechnik im Kampf um Leben und Tod

SH Digital Neue Digitaltechnik im Kampf um Leben und Tod

Der Einsatz von vernetzter Technik in der Notfallmedizin könnte in einem dünn besiedelten Flächenland wie Schleswig-Holstein auch im Rettungswesen viele Vorteile bringen und Leben nach Unfällen und Unglücken retten. Denn: Oft treffen zwar die Sanitäter mit Blaulicht und Martinshorn schnell an einem Unglücksort ein, der Notarzt braucht von weiter entfernten Standorten jedoch länger.

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Nicht immer ist ein Notarzt mit an Bord eines Rettungswagens. Per Datentechnik soll er aber bald hinzugeschaltet werden können.

Quelle: dpa

Kiel. Diese Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Bei der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) wird daher ein entsprechendes Projekt vorbereitet, welches unter anderem die Lücke zwischen Erst- und Notarztversorgung schließen soll, kündigt Unternehmenssprecher Christian Mandel an.

 Im kommenden Jahr sollen mehrere Rettungswagen in den südlichen Kreisen von Schleswig-Holstein mit neuen EKG-Geräten, Videokameras und speziellen Fahrzeugroutern ausgerüstet werden. Letztere sind besonders wichtig, da diese Geräte alle verfügbaren Mobilfunknetze bündeln und so auch während der Fahrt über Land große Datenmengen störungsfrei übertragen können. Unter dem Stichwort „Telenotarzt“ können sich Mediziner von einem speziellen Arbeitsplatz aus (entweder in einer Leitstelle oder in einer Klinik) direkt ins Geschehen einwählen und die Rettungsassistenten am Unfallort oder während der Fahrt delegieren und wichtige Tipps geben. Nur wenn die Besatzung des Rettungswagens beziehungsweise der Patient einverstanden sind, wird auch die Kamera zugeschaltet.

 Vorbild für das Telenotarzt-System ist die Region Aachen. Dort ist die Technik nach einer dreijährigen Testphase seit vergangenem Jahr dauerhaft in vielen Rettungswagen in mehreren Städten im Einsatz. Die kooperierenden Träger ziehen eine positive Zwischenbilanz des Systems: Die Einsatzdauer des Notarztes vor Ort halbierte sich, 30 Prozent der Patiententransporte zwischen Kliniken mussten nicht mehr von einem Arzt begleitet werden.

 Mit dem Pilotversuch will die RKiSH nach eigenen Angaben mehrere Fragen klären: Reicht die Netzabdeckung auch in ländlichen Gebieten für die Anwendungen aus? Welche Technik ist die beste? Wie stark unterstützt das System die Rettungskräfte bei der Patientenversorgung? Bis ein solches System flächendeckend in allen Rettungswagen eingesetzt werden kann, werden aber noch Jahre vergehen, kündigt Sprecher Mandel an. Derzeit laufen Planung und Pilotversuch unter dem Stichwort „Notfallversorgung 2025“.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Noch kann in Sachen Telemedizin in Schleswig-Holstein von einem flächendeckenden Einsatz keine Rede sein. Doch erste Projekte zeigen, wie die digitale Technik im Gesundheitsbereich helfen kann, Leben zu retten und älteren Menschen Lebensqualität zu geben.

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