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Der Wind braucht schnelles Internet

SH-Digital Serie Der Wind braucht schnelles Internet

Klixbüll wird bald schnelles Internet haben, in den Lecker Ortsteilen Klintum und Oster-Schnatebüll wird Glasfaserkabel verlegt, und in Reußenköge, Drelsdorf und Struckum und anderen Orte ist der Ausbau schon abgeschlossen.

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Die Windräder drehen sich bei Klanxbüll an der Nordseeküste. Damit der hier erzeugte Strom intelligent in das Netz eingespeist werden kann, sind die Unternehmen mittelfristig auf eine schnelle Internetverbindung angewiesen. Dann kann die Region diesen Strom nutzen.

Quelle: Julian Stratenschulte/ dpa/ Archiv

Niebüll. Das nordwestliche Schleswig-Holstein mag zwar abgelegen und dörflich strukturiert sein. Aber die Versorgung mit Breitbandanschlüssen ist hier besser als in vielen Stadtteilen oder Gewerbegebieten mancher Großstädte.

Bis vor ein paar Jahren waren große Teile der schleswig-holsteinischen Westküste noch digitales Niemandsland. Und im Jahr 2008 machten sich ein paar Kommunalpolitiker und Windpark-Betreiber darüber Gedanken; sie fragten die großen Telekommunikationsfirmen nach ihre Plänen in der Region und erkundigten sich beim Land nach Breitband-Ausbaukonzepten. Das Fazit zwei Jahre später sei ernüchternd gewesen, berichtet Ulla Meixner, Geschäftsführerin der Breitbandnetz GmbH&Co. KG (BNG) in Breklum (Nordfriesland): „Auf absehbare Zeit werden klassische Telekom-Firmen in dieser Region wohl kaum investieren. Und Fördermöglichkeiten waren nicht in ausreichender Form vorhanden.“ Also gründeten 37 Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien die BNG und nahmen „das digitale Schicksal der Region in die Hand“ (Meixner).

Vor allem die Energieerzeuger, Windpark-Betreiber, Solarkrafterzeuger und Biogasfirmen, haben ein hohes Interesse am schnellen Internet. Denn die Steuerung der Anlagen und die Verbindung mit den Stromnetzen wird in Zukunft noch stärker übers Internet erfolgen. Nicht zuletzt soll die Versorgung mit den Glasfaserkabeln mittelfristig auch die Grundlage für ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) darstellen. Denn durch eine intelligente Steuerung kann ein höherer Anteil des regenerativen Stroms, der im Norden erzeugt wird, auch in der Region verbraucht werden, erläutert Meixner.

Das „Zauberwort“ lautet Solidarität, so das Motto bei der BNG. Die ist auf der einen Seite bei der Finanzierung des Projekts gefordert. So wurde beispielsweise das Eigenkapital in Höhe von 25 Millionen Euro gemeinschaftlich aus der Region erbracht. Alle Gesellschafter, inzwischen sind es rund 130, sind Teil des Gesamtprojekts. Auf der anderen Seite ist die Solidarität aller Bürger in der Region gefragt. Die Breitbandnetzgesellschaft geht bei ihrer Ausbauplanung schrittweise vor. Und nur, wenn die für den wirtschaftlichen Betrieb erforderliche Anschlussquote in einer Gemeinde erreicht wird, wird der Ausbau dort gestartet. Anders sei ein wirtschaftlicher Betrieb des Netzes nicht machbar.

Und um den sicherzustellen, wird auf jeden Euro geschaut. Im Durchschnitt können maximal 3500 Euro für einen Glasfaser-Hausanschluss investiert werden, um das Projekt wirtschaftlich zu betreiben. In den Außenbereichen von Gemeinden aber kommt man damit nicht hin; in der Kernbereichen jedoch geht es preisgünstiger. Jeder zusätzliche Vertrag in den Innenbereichen der Gemeinden senkt die Durchschnittskosten und erhöht damit die Chancen, dass auch Außenbereiche erschlossen werden können.

 Da die BNG nicht alles selbst machen kann, hat sich die Netzgesellschaft Partner geholt. Es wurde ein Finanzierungskonsortium unter Beteiligung der Investitionsbank Schleswig-Holstein gebildet. Als Anbieter der Telekommunikationsdienste wurde Kielnet gewonnen. Bislang läuft alles nach Plan im nördlichen Nordfriesland. Bis zum Jahr 2018 solle das Projekt zu zwei Dritteln realisiert sein. „Damit könnte die Strategie aufgehen, Unternehmen nicht nur zu halten, sondern neue hier anzusiedeln“, sagt Ulla Meixner. Aber auch Bürger würden profitieren, unter anderem durch neue Möglichkeiten der Telemedizin, Bildungsangebote übers Internet oder die Wertsteigerung ihrer Immobilien. Die Gemeinden im südlichen Nordfriesland hat es überzeugt, was ihre Nachbarn aufgebaut haben. Sie haben die Bürgerbreitbandnetz GmbH mit Sitz in Husum gegründet und bauen mit TNG aus Kiel als Diensteanbieter ebenfalls ein Glasfaser-Netz auf.

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