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Datenautobahnen für das flache Land

Serie Schleswig-Holstein digital Datenautobahnen für das flache Land

Breitband aus der Mülltonne: Der Wege-Zweckverband (WZV) Segeberg geht außergewöhnliche Wege. Damit die Bewohner ländlicher Strukturen nicht länger vom weltweiten Datennetz abgekoppelt bleiben, schloss das Entsorgungsunternehmen eine Kooperation mit einem regionalen Telekommunikationsanbieter und holt seither nicht nur Müll ab, sondern sorgt auch für Breitband auf dem flachen Land.

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Blick ins Datenkabel: „Solche Glasfaserleitungen bringen schnelles Internet aufs Land“, sagt Meike Brors (38) vom WZV.

Quelle: Malzahn

Bad Segeberg. 17 Gemeinden haben der WZV und die Stadtwerke Neumünster in den vergangenen zwei Jahren ans Glasfasernetz angeschlossen. Vier weitere Orte stehen in den Startlöchern, ein Ende ist nicht abzusehen. Eine Erfolgsgeschichte? Meike Brors nickt. Sie ist Breitbandbeauftragte des Entsorgers und zurzeit mehr in Dorfgemeinschaftshäusern und Sporthallen unterwegs als im Büro zu erreichen. 2009 war es, als der damalige Kreisbaudirektor den Zweckverbands-Vorsteher Jens Kretschmer fragte, ob der WZV nicht nur Entsorger, sondern auch Versorger werden könnte. „Eine Idee, die uns damals überrollte und erst juristisch überprüft werden musste, ob dies rechtlich überhaupt zulässig und wirtschaftlich tragfähig ist“, berichtet Brors. Fragen, die schließlich bejaht wurden – vorausgesetzt, es wird ein externer Netzbetreiber gefunden. Die Stadtwerke Neumünster erhielten 2012 als Vertragspartner den Zuschlag. 2013 startete die Bauphase zum Anschluss der ersten sechs Dörfer, im Mai 2014 ging der erste Cluster ans Netz.

 Rund 50 Euro kostet jeder Meter digitale Zukunft. „Wir verlegen auf öffentlichem Grund, unter Fußwegen oder in Straßenbanketten Leerrohre und blasen die Glasfasern ein, die über Muffen an die Häuser der Kunden führen“, sagt die 38-Jährige. Einzige Voraussetzung: Mehr als die Hälfte aller Haushalte muss sich zwei Jahre an die Stadtwerke binden. Danach könnten die Anschlussbesitzer zu anderen Anbietern wechseln. „Eigentümer des Netzes werden die jeweiligen Kommunen, die über den WZV, der in Vorleistung geht, Pacht von den Stadtwerken Neumünster erhalten, so dass die Investitionskosten nach 25 bis 30 Jahren getilgt sind“, erklärt Brors. Der Verband wurde vor 61 Jahren von 94 Orten im Kreis Segeberg gegründet, um Gemeindeverbindungswege zu bauen – und ist jetzt mit dem Breitband weit näher am ursprünglichen Auftrag, als man vermuten könnte: „Heute bauen wir immer noch Straßen – Datenautobahnen, um genau zu sein.“

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