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Trend geht zur schlichten Homepage

Serie SH Digital Trend geht zur schlichten Homepage

Fünf Jahre hatte die alte Website des Sanitätshauses Kurda in Kiel auf dem Buckel. In dieser Zeit kamen immer mal wieder neue Elemente hinzu – entsprechend überladen wirkte sie am Ende. „Konzept und Struktur gingen komplett unter“, sagt Inhaber Andreas Kurda (44). „Außerdem machte es keinen Spaß, die Seite auf dem Smartphone oder Tablet-PC zu lesen.“ Daher entschloss er sich für eine radikale Runderneuerung.

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Alles auf einer Website, keine Unterseiten: Anja Scharfenberg von der Werbeagentur New Communication bespricht mit Andreas Kurda das Konzept.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Umgesetzt hat diese die Kieler Werbe- und Marketingagentur New Communication getreu der Maxime „Weniger ist mehr“. Denn kaum jemand lese lange Texte im Internet, sagt Online-Beraterin Anja Scharfenberg (31). „Daher sind kurze, prägnante Texte wichtig, in denen vor allem die wichtigen Keywords enthalten sind.“ Denn die richtig gesetzten Schlüsselworte sorgen dafür, dass derjenige, der „Orthopädie in Kiel“ sucht, möglichst auch Kurda als ersten Treffer angezeigt bekommt.

 Aber nicht nur: Da immer mehr Internet-Nutzer mit mobilen Geräten surfen, listet Google seit neuestem sogenannte responsive Homepages, die sich in ihrer Darstellung dem Endgerät des Nutzers anpassen können, an prominenterer Stelle. „Daher haben wir für das Sanitätshaus Kurda eine entsprechende Seite entwickelt“, erläutert Scharfenberg. Weitere Besonderheit: Sie kommt komplett ohne Unterseiten aus. Das hat gerade für Smartphones den Vorteil, dass sie nicht mehrfach laden muss.

 Mit seinem neuen Internet-Auftritt präsentiert sich Kurda als Fachhändler vor Ort. So wie viele andere kleine und mittelständische Unternehmen im Land punktet er mit persönlicher Beratung – folglich finden Kunden auf der Website vor allem Ansprechpartner mit Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Gleichzeitig hat die Homepage für Kurda aber noch eine zweite wichtige Funktion: Sie poliert auch das Image seines Betriebs auf.

 „Unsere Branche gilt unter Jugendlichen sicherlich nicht als die hipste“, gesteht er ein. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir im Netz nicht altbacken rüberkommen.“ Die neue Website, auf der derzeit für eine Ausbildung im Unternehmen geworben wird, scheint sich auszuzahlen: Bei Bewerbungsgesprächen kamen die jungen Leute immer wieder auf die Homepage zu sprechen. „Das habe ich so vorher nicht erlebt.“

 Für Sören Mohr, Chef der Werbeagentur, verdeutlicht das Beispiel, welche Chancen in der Digitalisierung des Alltags für Firmen in Schleswig-Holstein stecken. „Fast jeder hat das Internet heute in der Hosentasche dabei“, sagt er. „Gerade Jüngere sind ständig online.“ Mohr ist auch Vorsitzender des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (Diwish). Gegründet vor fast zehn Jahren, zählt das Netzwerk heute 162 Mitglieder. Darunter sind neben Unternehmen auch die Fachhochschulen in Kiel, Lübeck und Flensburg sowie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Gemeinsam wollen sie die Digitale Wirtschaft im Land voran zu bringen.

 Als besonders weit in dieser Hinsicht gilt die Tourismusbranche. „Schon vor zehn, zwölf Jahren waren die vorweg“, sagt Mohr. Früh habe es Wettbewerbe gegeben, in denen innovative Websites gekürt wurden. Aber auch kleinere und mittelständische Betriebe aus anderen Wirtschaftszweigen setzten inzwischen wie Kurda voll auf moderne Internet-Auftritte.

 Erkannt hat die Entwicklung beispielsweise das Handwerk. So bringt Wolfram Kroker das Thema Internet-Auftritt bei der Handwerkskammer Lübeck als E-Business-Lotse voran. Die moderne Informationstechnik sei zwar oftmals nicht die Kernkompetenz des Handwerkers, sagt er. An einer pfiffigen Präsenz im Netz führe dennoch kein Weg vorbei. Daher rät Kroker, auf die Kompetenz des Nachwuchses zu vertrauen: So könne etwa der Geselle, der sich in den Sozialen Netzwerken wie Facebook auskennt, dem Firmenchef „digitale Nachhilfe“ geben.

 Am 23. September rückt der Verein Diwish beim Tag des Online-Marketings in der Kieler Sparkassen-Arena in den Fokus, wie Betriebe im Netz geschickt auf sich aufmerksam machen können. Erstmals wird es in diesem Jahr neben Fachvorträgen auch Workshops in kleinen Gruppen geben, kündigte Mohr an.

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