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256 KB bremsen auch die Verwaltung aus

Serie Schleswig-Holstein Digital 256 KB bremsen auch die Verwaltung aus

Das Amt Trave-Land ist verantwortlich für 20000 Menschen in 27 Gemeinden im Kreis Segeberg. Auch hier schreitet die Digitalisierung voran. „Allerdings haben wir massiv mit den unterschiedlichen technischen Voraussetzungen zu kämpfen“, sagt Rainer Andrasch, Verwaltungsleiter in Trave-Land.

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Mit Tablets Aktenberge verringern: Das wollen Rainer Andrasch, Verwaltungsleiter des Amtes Trave-Land, und EDV-Chef Sönke Schubert. Doch die Probleme sind erheblich.

Quelle: Frank Peter

Bad Segeberg. Es gebe solche und solche Gemeinden, sagt der 59-Jährige. Die einen seien bereits ans moderne Breitbandnetz angeschlossen – „mit 30 bis 40 Mbit kann man schon eine Menge machen“, sagt Andrasch. Anderenorts seien es zumindest zwischen vier und fünf Mbit. Aber: „Es gibt eben auch noch solche Gemeinden, in denen die Einwohner noch in bester Modem-Manier leben müssen.“ Schieren, nur wenige Kilometer von der Kreisstadt entfernt, sei so ein Fall. 256 KB – mehr würden die Leitungen nicht hergeben. Ein Problem auch für die Verwaltung: „Wenn es um Sitzungsunterlagen oder eilige Briefwechsel geht, kann man eben nicht kurz eine Mail senden“, sagt der Amtsleiter. Auch das ehrgeizige Vorhaben, die 420 Gemeindevertreter der Dörfer mit Tablets auszustatten um weniger Papier per Post hin und herschicken zu müssen, gerät aufgrund mangelnder Versorgung mit schnellem Internet ins Stocken.

 Noch gravierender seien die Probleme in den beiden Außenstellen der Verwaltung: „In Seedorf und Glasau gibt es seit Jahren Bürgerbüros, in denen wir aber immer weniger Service anbieten können, da Meldewesen und Finanzbereich digitalisiert worden sind, die technischen Voraussetzungen in den Dörfern aber nicht ausreichen, um Pässe zu beantragen oder Steuerbescheide zu bearbeiten“, führt Andrasch aus: „So bitter es auch ist: Streng genommen können wir in den Außenstellen nur noch Müllsäcke ausgeben.“

 Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen in Trave-Land auf Anbieter, die sich auf den Breitbandanschluss ländlicher Räume spezialisiert haben. „Dass etwas passieren muss, um, nicht abgehängt zu werden, ist den Menschen durchaus bewusst“, weiß Andrasch aus vielen Info-Veranstaltungen. Doch gibt es auch Ausnahmen: „Damit die Unternehmen in den Gemeinden in Leitungen und Technik investieren, wird eine Quote von 60 Prozent der Haushalte eingefordert, die das Angebot für schnelles Internet nutzen wollen.“ Ein Ziel, das unlängst in zwei Dörfern gescheitert ist.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Das Notebook ist da, schnelles Internet jedoch lässt auf sich warten: „Wenn das nicht funktioniert, ziehen die Leute schlimmstenfalls weg in die Stadt oder in den nächstgelegenen Ort, in dem die digitale Infrastruktur besser ist“, sagt Hans-Peter Ulverich, Bürgermeister des Örtchens Bahrenhof im Kreis Segeberg.

Skypen mit der Tochter in Atlanta, bei Facebook Fotos vom Spaziergang mit dem Hund hochladen oder Tweets bei Twitter hinterlassen: Für den Stadtmenschen ist all das seit Jahren praktizierter Alltag – eine technische Selbstverständlichkeit. Ganz anders auf dem Land: Auf die digitale Revolution, auf Breitbandversorgung und schnelles Internet warten die Bewohner etlicher Dörfer noch heute.

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