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Tablets erobern den Unterricht

SH Digital Tablets erobern den Unterricht

Die September-Sonne lockt nach draußen, zum Spielen, Reden oder Chillen zwischen Mathe und Weltkunde. Reihenweise ins Smartphone vertiefte Jugendliche – nein, die sieht man nicht auf dem Schulhof der Goethe Gemeinschaftsschule Kiel.

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In fast allen Unterrichtsräumen der Goethe Gemeinschaftsschule in Kiel wird mit interaktiven Tafeln gearbeitet. Hier entwerfen (von links) Ruben, Jeremy, Maik und Sebastian mit Lehrerin Brigitte Goethe eine Illustration zu einer selbst geschriebenen Geschichte.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Denn auch in einer der landesweiten Vorreiter-Schulen im Bereich digitales Lernen herrscht Handy-Verbot. „Natürlich ist es nicht unser Ziel, Schüler unkontrolliert im Netz herumsurfen zu lassen“, sagt Markus Michalski, Lehrer für Sport und Mathe und an der Schule Koordinator für das Projekt „Lernen mit digitalen Medien“. Mit ihrem Konzept hatte die Gemeinschaftsschule als eine von zwölf Schulen beim landesweiten Wettbewerb „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“ gewonnen.

 Als Michalski vor gut neun Jahren an die Schule kam, herrschte noch die Kreidezeit. Auch das schönste Tafelbild fiel nach dem Unterricht dem Schwamm zum Opfer. Michalski kam der Gedanke, dass die Zeit fürs Malen und Wischen und Wiedermalen und Wiederwischen sinnvoller genutzt werden könnte. Warum nicht ein Tafelbild entwerfen, dieses multimedial mit Filmen, 3-D-Animationen und interaktiven Aufgabenblöcken ergänzen, abspeichern und per Screen-Touch bei Bedarf wieder zum Leben erwecken? Die Schulleitung fand die Idee gut und schaffte die erste digitale Wandtafel an. Kosten: rund 4500 Euro. Heute hat die Schule 27 „ActivBoards“ im Einsatz, nur noch in einem Raum hängt eine Kreidetafel – das Budget muss sich erst erholen.

 Einige Kollegen waren anfangs skeptisch. Doch nach und nach zogen alle mit, weil sie die Möglichkeiten reizten: einfach kurz Google Earth aufmachen, eine Filmsequenz einspielen oder Unterrichtsinhalte im Fachordner abspeichern und so für Schüler und Kollegen digital zugänglich machen. Verwaltet und verteilt werden die Inhalte über den Schulserver ISERV, auf dem sich Lehrer und Schüler mit Benutzernamen und Kennwort einloggen.

 Doch ist die Digitalisierung an der Goethe Schule noch lange nicht zu Ende. Im Rahmen des Projektes wollen Michalski und seine Kollegen testen, wie die Nutzung von Tablets im Unterricht Lernmotivation und -erfolg beeinflusst. Zunächst sollen die rund 80 Schüler des siebten Jahrgangs mit den Geräten im Unterricht arbeiten. Wer ein eigenes Tablet hat – und das ist fast die Hälfte des Jahrgangs – kann dieses gerne mitbringen, vorausgesetzt, es ist registriert und für sicher befunden. Wer kein Tablet hat, kann sich gegen eine überschaubare Gebühr ein Schulgerät leihen, bislang sind 30 Windows-Geräte angeschafft. Nach etwa anderthalb Jahren sollen die Erfahrungen ausgewertet werden, unter anderem mit Unterstützung von Bildungsministerium und dem Institut für Qualitätsentwicklung an den Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH). Bei positivem Fazit sollen alle Klassenstufen (von der fünften bis zur zehnten) mit Tablets arbeiten.

 Hausaufgaben online bearbeiten, Mathe-Lösungen vom Platz aus via WLAN an die Tafel überspielen und gezielte Aufträge für die Gruppenarbeit: Nach Überzeugung Michalskis bietet das digitale Lernen zahlreiche Vorteile. So können die Schülerinnen und Schülern auch über eine App Fotos von Konstruktionen und anderen Arbeitsergebnissen machen, diese teilen und das Erarbeitete als große Projektion präsentieren. Und was für Michalski vor allem zählt: „Mit einem differenzierten Angebot können wir auf das individuelle Lerntempo der Kinder und Jugendlichen viel besser eingehen.“ Auch Deutschlehrerin Brigitte Goethe verspricht sich viel vom digitalen Lernen: „Anfangs war ich skeptisch. Aber die Erfahrungen mit der elektronischen Tafel sind sehr gut.“

 Michalski sieht im Tablet-Einsatz keineswegs die Lösung aller Lernprobleme. „Aber die Schüler kommen aus der digitalen Welt zu Hause, da kann die Schule nicht einfach analog bleiben.“ Natürlich kennt der Projektkoordinator auch die Kritik am digitalen Medienkonsum – vom Smartphone-Missbrauch bis zur Strahlenbelastung. Letztere habe man mit Experten besprochen. „Da gibt es gar keinen Anlass zur Sorge.“ Im Übrigen würden Tablets lediglich als Ergänzung des Unterrichts verstanden. „Eine maßlose oder unkontrollierte Nutzung digitaler Geräte wird es bei uns niemals geben.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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