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Wo bleibt das schnelle Netz?

Telefonaktion Wo bleibt das schnelle Netz?

Wieso gibt es bei mir noch kein schnelles Internet? Diese Frage tauchte bei der Telefonaktion der Kieler Nachrichten immer wieder auf. Dabei verrät ein Blick auf die Zahlen, dass der Breitband-Ausbau im Land eigentlich nicht schlecht läuft.

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Wo hakt es noch mit dem Internet?

Hatten auf jede Leser-Frage eine Antwort parat (von links): Richard Krause, Günter Meier, Stefanie Berg, Sven Schade und Hanna Doreen Jeske.

Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Laut Breitbandatlas von Mitte 2015 hat Schleswig-Holstein bei 50 Mbit/s und mehr eine Versorgung von 73,2 Prozent und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt (68,7 Prozent). Bei den Flächenländern ist nur in Nordrhein-Westfalen die Versorgung besser (75,3 Prozent). Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat ganz Deutschland bis 2018 schnelles Internet versprochen. Doch wie lückenhaft die Versorgung in Schleswig-Holstein noch ist, berichteten unsere Leser am Telefon.

 Da warten Anwohner in Laboe und Schönberg vergeblich auf schnelles Netz, weil dort die Telekom nicht ausbaut. In Hasenmoor im Kreis Segeberg soll die Glasfaser zwar kommen, aber nicht flächendeckend. Wer im Randgebiet wohnt, wird nicht davon profitieren. Und ein Anrufer aus Flintbek blickt neidisch auf die „Kuhdörfer nebenan“, bei denen die Pläne für den Breitbandausbau schon stehen, und vor der eigenen Haustür passiere nichts, obwohl die Straße ohnehin aufgerissen werde.

 Zwei Stunden lang beantworteten unsere Internet-Experten Hanna Doreen Jeske, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Richard Krause, Geschäftsführer des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein, Günter Meier, Leiter Infrastrukturausbau Region Nord der Telekom, Stefanie Berg vom Telekom-Kundenservice, und Sven Schade, Geschäftsführer der TNG Stadtnetz GmbH (Kiel), die Fragen unserer Leser. Die Probleme sind vielerorts die Gleichen.

 

 Warum plant die Telekom oder ein Wettbewerber in meinem Wohngebiet keinen Glasfaser-Ausbau?

 Kleinere Gemeinden oder Randbereiche von Städten fallen oft durchs Raster. „Die Telekom baut nur dort aus, wo es für sie auch wirtschaftlich ist“, erklärt Günter Meier. In gering besiedelten Regionen mit wenigen Kunden rechnet sich der teure Glasfaser-Ausbau für die großen Unternehmen wie die Telekom, Kabel Deutschland oder die Deutsche Glasfaser häufig nicht.

 Um diese Wirtschaftlichkeitslücke zu füllen, machen die Anbieter manchen Kommunen dann das Angebot, sie mit schnellem Internet zu versorgen, wenn die öffentliche Hand einen Teil der Kosten für den Ausbau übernimmt.

 

 Was kann ich vor Ort tun, um den Breitband-Ausbau voranzutreiben?

 „Ein erster Schritt ist es, sich mit der Gemeinde in Verbindung zu setzen und den Bürgermeister auf die Unterversorgung aufmerksam zu machen“, rät Richard Krause. „Viele Gemeinden haben sich schon auf den Weg gemacht, der schlechten Versorgung bei ihnen Herr zu werden.“ Dafür müssten die Ämter oder Kreise aber zunächst einmal wissen, dass in ihren Gemeinden überhaupt eine Nachfrage nach höheren Bandbreiten besteht, um dann mit Hilfe einer Markterkundung nachweisen zu können, dass kein Telekommunikationsunternehmen in den nächsten drei Jahren einen eigenen Ausbau plant. „Bis etwas passiert, kann es allerdings aufgrund des vorgeschriebenen Verfahrens bis zu zwei Jahre dauern“, sagt Krause. Es müsse zunächst gemeinsam erarbeitet werden, wie hoch die Kosten für einen Ausbau wären und wie diese gestemmt werden könnten.

 An dieser Stelle kommt oft ein sogenanntes Betreibermodell in Frage: Hierbei sollen die Kommunen mithilfe von Fördermitteln in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Netze aufzubauen. Anschließend muss in einer europaweiten Ausschreibung ein Betreiber gefunden werden, um dann das eigene passive Netz zu bauen. Später kann die Kommune das Netz dann an das bei der Ausschreibung gefundenen Unternehmen verpachten.

 

 Bei mir in der Straße gibt es zwar Glasfasernetz, aber nur von der Telekom. Warum kann mein Anbieter das vorhandene Netz nicht nutzen und mir auch schnelleres Internet zur Verfügung stellen?

 Prinzipiell ist das möglich. Ein Wettbewerber kann bei der Telekom VDSL-Leistungen einkaufen und sich sozusagen in die schnellere Leitung einmieten, wenn er seinen Kunden dieses Angebot machen will. In Kiel haben beispielsweise die Firmen 1&1, Vodafone und Telefonica solche Verträge mit der Telekom geschlossen, Kiel.net dagegen nicht. Umgekehrt funktioniert das genauso: In den Ämtern Dänischenhagen, Dänischer Wohld und Hüttener Berge hat der Anbieter fiete.net Glasfaser verlegt. Hier müsste die Telekom zukaufen, damit sie ihren Kunden ein entsprechendes VDSL-Angebot machen kann.

 

 Muss ich, um eine schnellere Internetverbindung zu bekommen, vielleicht den Anbieter wechseln?

 Wenn es fix gehen soll, ist das manchmal die einfachste Lösung. Denn bis die Telekommunikationsfirmen untereinander Abkommen getroffen haben, kann es mitunter Jahre dauern. Allerdings muss der Kunde bei einem Wechsel möglicherweise in den sauren Apfel beißen und einen etwas teureren Preis akzeptieren. „Viele verlangen nach Breitband, sind aber nicht bereit, 10 Euro mehr im Monat dafür zu zahlen“, sind sich die Experten einig.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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