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Gastkommentar Kluge Köpfe für die Zukunft
Sonntag Gastkommentar Kluge Köpfe für die Zukunft
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20:03 26.01.2018
Bildung ist nicht nur der Schlüssel zum persönlichen Erfolg, sondern auch die beste Strategie gegen Armut, Konflikte und die positive Entwicklung ganzer Gesellschaften. Quelle: dpa-Zentralbild
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Washington D. C.

Wer die Nachrichten über Kriege und schwelende Konflikte, die Debatten um die Bekämpfung von Fluchtursachen verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, die Menschheit suche nach einem Wundermittel, um den größten globalen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Dabei sprechen die Fakten für sich: Wir haben dieses Wundermittel längst. Es heißt Bildung.

Bildung ist ein Grundbaustein für die Entwicklung jedes Individuums und ganzer Gesellschaften. In Ländern, die Bildung fördern, steigen Lebensstandard und Lebenserwartung, die Menschen sind gesünder, Familien haben mehr Einkommen, Frauen mehr Wahlmöglichkeiten, Kinder sind besser ernährt, die Staatseinnahmen steigen.

Bildung ist auch machtvoll gegen Konflikte. Denn Menschen, die lesen und schreiben können, bringen sich eher in demokratische Prozesse ein. Bildung kann Menschen und Gesellschaften aus der Armut holen, der jetzigen sowie zukünftigen Generationen eine Zukunftsperspektive geben.

Millionen Kinder sind von Bildung ausgeschlossen

Die deutsche Bundesregierung hat die Bedeutung von Bildung längst erkannt und zu einer Priorität ihrer Entwicklungszusammenarbeit gemacht. Deutschland hat ein starkes System für berufliche Bildung, um das es weltweit beneidet wird, und ist ein gefragter und erfolgreicher Partner für Berufsbildung in Entwicklungsländern. Das ist eine kluge und nachhaltige Investition. Denn in Afrika wächst derzeit die größte Jugendgeneration aller Zeiten heran.

Damit junge Menschen aber in der Lage sind, eine Berufsausbildung zu meistern, benötigen sie ein solides Fundament: eine qualitativ hochwertige Grundbildung. Doch Millionen Kinder weltweit sind davon ausgeschlossen, weil sie in Entwicklungsländern oder Krisengebieten groß werden, weil ihre Arbeitskraft zu Hause unentbehrlich erscheint, weil sie mit einer Behinderung leben oder schlicht, weil sie arm sind.

Valentine Maswache aus Kenia etwa musste sich ihre Bildung an einer Schule mit überfüllten Klassen hinter der Mülldeponie von Nairobi hart erkämpfen. Die 24-Jährige ist überzeugt: Ohne ihre Schulbildung wäre sie niemals Forschungsassistentin geworden. Mädchen sind besonders oft von solchen schwierigen Umständen betroffen. Viele von Valentines Mitschülerinnen haben die Schule abgebrochen oder wurden verheiratet – oft weil die nächste weiterführende Schule einfach zu weit weg war. Viele schlagen sich heute als alleinerziehende Mütter mit Gelegenheitsjobs durch. Valentine hielt durch, machte ihren Abschluss, studierte Journalismus und weiß: “Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Es geht um mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen

Doch auch die Qualität des Unterrichts ist wichtig: Viele Kinder gehen zwar zur Schule, lernen aber nicht genug. Es geht um mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen. Es geht darum zu lernen, kritisch zu denken und Probleme zu lösen, also die Kenntnisse zu erwerben, die erforderlich sind, um in unserer globalisierten Welt zurechtzukommen und eine Perspektive zu haben.

Es ist ein großer Erfolg, dass heute mehr Kinder denn je in die Schule gehen. Trotzdem dürfen wir die 264 Millionen nicht im Stich lassen, die immer noch ausgeschlossen sind. Um kein Kind zurückzulassen, brauchen Entwicklungsländer starke Bildungssysteme. Schon jetzt tragen die Länder den Löwenanteil ihrer Bildungsfinanzierung selbst. Aber damit alle Kinder lernen können, brauchen sie internationale Unterstützung.

Die Globale Bildungspartnerschaft, deren Vorstandsvorsitzende ich bin, bringt alle Partner zusammen, die dazu beitragen, dass Bildung für alle möglich wird. Jedes Land hat andere Bedürfnisse, und was in einem Land funktioniert, ist nicht unbedingt die Lösung in einem anderen.

Unterstützen mit Know-how und finanziellen Mitteln

Gemeinsam mit Lehrer- und Nichtregierungsorganisationen, Elternverbänden und internationalen Organisationen bestimmen die Regierungen der Entwicklungsländer selbst, was sie benötigen. Mal sind es Schulbücher, mal neue Klassenräume oder mehr und besser ausgebildete Lehrkräfte. Nicht selten mangelt es bereits an den Daten, anhand derer sich der Bedarf überhaupt erst ermitteln lässt, und an den Systemen, um diese Daten auszuwerten. Häufig ist es alles zusammen, oft noch viel mehr.

Die Globale Bildungspartnerschaft unterstützt diesen Prozess mit Expertise und Know-how – und hilft dann mit finanziellen Mitteln bei der Umsetzung. Nur so kann es gelingen, leistungsfähige Bildungssysteme aufzubauen. Es ist ein starkes Signal, dass der senegalesische Präsident Macky Sall und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron gemeinsam unsere Finanzierungskonferenz am 1. und 2. Februar in Dakar, Senegal, ausrichten – und ermutigend, dass beide sich auch darüber hinaus für Bildung einsetzen und andere Regierungschefs auffordern, es ihnen nachzutun.

In Deutschland unterstützt uns ein breites Bündnis von Nichtregierungsorganisationen und fordert von der Bundesregierung, ihre Beiträge für die Globale Bildungspartnerschaft auf 100 Millionen Euro jährlich zu erhöhen. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und in Bildung investieren, werden wir es schaffen, allen Kindern ein Ticket in eine gute Zukunft zu geben.

Zur Person: Julia Gillard ist Vorstandsvorsitzende der Globalen Bildungspartnerschaft. Von 2010 bis 2013 war sie die erste Premierministerin von Australien.

Von Julia Gillard

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