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Genuss & Leben Bringt Laune
Sonntag Genuss & Leben
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20:00 22.09.2017
Dezentes Grau mit schmeichelndem Pastell-Türkis: Der Lieferdienst Deliveroo hat mit dem Design seiner Fahrradkurierjacken einen modischen Volltreffer gelandet – zumindest nach Meinung der Londoner. Quelle: imago stock&people
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Hannover

Das Internet ist manchmal richtig retro. Längst bekannte Dinge werden dadurch plötzlich hip. Der Versandhandel ist so eine Sache – Generationen haben dort schon bestellt, bevor die Menschheit wusste, dass es mal so etwas wie das Internet geben würde. Heute kann sich zwar kaum jemand an den Quelle-Katalog erinnern, aber jeder kauf bei Zalando oder Amazon ein.

Auch Bringdienste sind im Grunde ein alter Hut. Früher hießen sie Pizza Enzo oder Miss Saigon und sie brachten “Pizza Bomba extra scharf“ oder “Schweinefleisch süß-sauer (mit Zusatzstoffen 5, 6, 7 und 10)“. Die Lieferanten kamen in alten Fiats vorgefahren, die sie im Straßenverkehr auf Geschwindigkeiten beschleunigten, die niemand für möglich gehalten hätte.

Ein bisschen Bringdienst sein

Heute bringen modische Fahrradkuriere die Pizza, die nicht mehr “Bomba“ heißt, sondern “Salsiccia Piccante“ oder “Braccio di Ferro“. Und die Kuriere hören nicht mehr auf den Namen Enzo oder Miss Saigon, sondern auf Deliveroo oder Foodora, sie tragen bunte Helme und auf ihren Jacken kleben stylische Logos in grellen Farben. Mal sind sie magenta, mal türkis, immer aber sind sie auffallend.

Das Outfit jedenfalls ist bereits akzeptiert: In London ist die grau-türkisfarbene Kluft von Deliveroo inzwischen derart angesagt, dass sie auf Partys als megacool gilt. Und das muss man in London erst mal schaffen. Reflektierendes Material und Pastellfarben – das mag die Partyszene.

Und dann ist da noch dieses Tier als Logo: Der stilisierte Kängurukopf ist in England geradewegs dabei, ein legitimer Nachfolger des Lacoste-Krokodils, des Abercrombie-Elches und der Hollister-Möwe zu werden. Bei Ebay werden Deliveroo-Jacken inzwischen für umgerechnet bis zu 200 Euro gehandelt. Britische Trendblogs haben sie längst zum Must-have-Produkt gekürt. Jeder will plötzlich ein bisschen Bringdienst sein.

Sturmerprobt und partytauglich

Deliveroo preist die Jacke, die eigentlich nur für die eigenen Kuriere gedacht ist, in seinem Mitarbeiterblog als “leicht und wasserfest“ an, außerdem als außerordentlich robust: “Kat, unser Einkaufschef, radelte mit ihr 180 Kilometer durch die verregneten schottischen Highlands.“ Sturmerprobt und partytauglich, das gab es zuletzt bei den Gummistiefeln von Hunter, übrigens ebenfalls aus England.

Den Modetrend Kurierdienst hatte vor Jahren das DHL-T-Shirt entfacht. Das gelbe Kleidungsstück mit dem roten Logo erinnert ein bisschen an die Outfits der australischen Rettungsschwimmer, nur dass bei denen das Wort “Livesaver“ aufgedruckt ist. Seitdem das französische Trend-Label Vetements das T-Shirt auf den Markt brachte, gilt es plötzlich als Designprodukt. Dass praktische Dinge plötzlich zu Designgegenständen werden können, ist spätestens seit der blauen Ikea-Tasche “Frakta“ bekannt – die wird längst nicht mehr nur dafür genutzt, um Teelichter und Servietten nach Hause zu bringen.

Von Michael Pohl

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