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Genuss & Leben Ein Sommer-Bast-Traum
Sonntag Genuss & Leben
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20:05 08.09.2017
Rund, anschmiegsam und lässig-mediterran: geflochtene Taschen sind nicht nur angesagt, sondern verbreiten auch im Alltag herrlich sommerliche Leichtigkeit. Quelle: Vanessa Seward
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Hannover

US-amerikanische Urlauber, die spätestens ab Juli an die Amalfiküste pilgern, um ihren Landsleuten dort immer dieselbe, fast schon rhetorische Frage “Have you been to Positano?“ zu stellen, haben sie in Massen getragen – und selbstverständlich als Souvenir mit nach Hause genommen.

Produkte aus Bast und Palmenblättern oder Weidengeflecht gibt es schließlich auf jedem gut sortierten südländischen Markt – schon allein, weil jeder zweite Urlauber beim Packen nicht daran denkt, eine Strandtasche mitzunehmen. “Weide statt Plastik“ haben sich möglicherweise einige wenige Urlauber gedacht, die beim Einkauf angesichts des ohnehin schon kunststoffgeplagten Meeres nicht noch eine der im Süden noch immer genutzten Gratis-Plastiktüten annehmen wollten.

Geflochtenes mit mediterranem Flair

Von Europa ist es nicht allzu weit nach Marokko, wo ein Großteil der Körbe und Taschen gefertigt wird. Wer es nicht bis in den Süden schafft, kann Bast- und Palmblatt-Accessoires im Internet bestellen. Es gibt mittlerweile sogar Shops, die sich auf diese eine Produktlinie spezialisiert haben. Die Auswahl dort ist ähnlich vielfältig wie an einem dieser bunten Stände im Süden (wo sich die Preise übrigens auch nicht mehr so frei verhandeln lassen wie früher einmal): Es gibt Geflochtenes mit Schulterriemen, Griffen aus Leder oder aus Bast, Taschen verziert mit den allgegenwärtigen Pom-Poms oder mit Lurexfäden durchzogen.

Manche Flechttaschen nehmen bereits einen großen Herbsttrend vorweg: Sie sind versehen mit schwarzen Punkten. Die meisten aber sind in diesem Sommer rund wie eine Scheibe – und damit nicht nur gut tragbar und anschmiegsam, sondern auch sehr klassisch. Wieder aufgebracht haben die Basttaschen und Körbe auch abseits des Wocheneinkaufs das italienische Modehaus Dolce & Gabbana und Luxusdesigner wie Vanessa Seward, die ihre Models mitunter schon für die Sommersaison 2016 mit Weidenkörbchen auf die Laufstege schickten – und damit ganz klar an Jane Birkin erinnerten.

Stilikone mit Korbtasche: Jane Birkin, die Erfinderin der “It-Bag“. Quelle: Getty/Mirrorpix

Die Schauspielerin war berühmt dafür, an der einen Hand Serge Gainsbourg und in der anderen einen Erntekorb aus Weidengeflecht zu halten. Sie tat das so lässig, dass man niemals auf den Gedanken gekommen wäre, dass sie eigentliche eine Britin und keine Französin war. Jane Birkin prägte damit in den Siebzigerjahren eine Art Streetstyle, noch bevor das Internet und das Wort Modeblog erfunden waren.

Die Sommer damals waren zumindest in der Rückschau geprägt von einer fabelhaften Leichtigkeit. Bis heute steht der Korb als Ersatz für eine ernsthafte, aus festem Leder geprägte Handtasche, für eine lässige Art des Unterstatements – und für eine Unbekümmertheit, die nur aufkommt, wenn man seine Zeit zwischen Picknicks, Strandnachmittagen und Partys verschwenden darf. Der Gedanke an solch unbeschwerte Zeiten ist in diesen Tagen übrigens etwas, an dem man sich ruhig einige Augenblicke festhalten darf.

Von Dany Schrader

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