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In der Wildnis

Expeditionen mit Imre Grimm In der Wildnis

Dass die Spezies Mensch sich irgendwie gegen den Rest der Fauna und Flora durchgesetzt hat, ist mehr als erstaunlich. Grund genug, sich öfter mal praktisch und theoretisch mit der Natur auseinanderzusetzen.

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Unter Bäumen lässt es sich besser über die Welt nachsinnen als unter anderem.

Quelle: Fotolia

Hannover. Meine Fachkenntnis der Pflanzenwelt ist sehr übersichtlich. Ich unterscheide grob in vier Kategorien: Baum, Blume, Obst, Gemüse. Ich kann eine Limette von einem Tannenbaum und eine Wassermelone von einer Sonnenblume unterscheiden. Ich würde aber nie die Verantwortung für die Essbarkeit eines Pilzes übernehmen.

Trotz dieser Schwäche halte ich mich grundsätzlich gern im Freien auf. Jedenfalls bei gutem Wetter, in geeigneter Kleidung, auf gefällefreien Ebenen, bei gesicherter Versorgungslage durch Speisen und Getränke, bei ausreichender medizinischer Versorgung, mit deutscher Reiseleitung und einem engmaschigen Netz von sanitären Anlagen. Und natürlich ausschließlich in niederschlagsarmen, reizklimafreien Gegenden, deren Erkundung keinerlei sportlichen Ehrgeiz erfordert.

Steigeisen und Stirnlampen

Meine geringe Neigung zu Outdoor-Aktivitäten allerdings verhält sich umgekehrt proportional zu meinem Interesse an Outdoor-Ausrüstung. Ich blättere mit großer Ausdauer in Katalogen voller Steigeisen und Kletterseile, die ich nie verwenden werde. Ich kaufe gerne Karabinerhaken, hake sie aber nirgendwo ein. Ich habe eine Angel, aber noch nie einen Fisch gefangen. Ich bin ein Freund von Camping-Stirnlampen, auch wenn ich diese nur verwende, um beim nächtlichen Lesen in komfortablen Hotelzimmern meine Frau nicht zu stören.

Neulich war ich im Wald. Ich fand es gemütlich, wie die Ästlein knackten, bis ich merkte, dass das meine Gelenke waren. Trotzdem blieb ich draußen. Im Vergleich zu anderen Outdoor-Landschaften kommt ein Wald einer Behausung schließlich ziemlich nah, mehr als zum Beispiel die Wüste Gobi oder ein Fels auf Feuerland. Ein Wald ist ein guter Kompromiss zwischen drinnen und draußen.

Ein Waschbär in Washington

Wussten Sie, dass auf jeden Menschen etwa zehn Millionen Ameisen kommen? Alle Ameisen der Welt wiegen etwa genauso viel wie alle Menschen. Es war nur ein evolutionärer Zufall, dass wir gewonnen haben. Ein kleiner Buckel im Raum-Zeit-Kontinuum, und die Erde würde jetzt von Waschbären regiert, die höchstens einmal im Monat in den Wald gehen.

Und in Pjöngjang säße ein Waschbär mit mieser Frisur und würde einem orangefarbenen Waschbär in Washington mit Waschbär-Remmidemmi drohen. Und der Mensch säße in einem Wildgehegestall und bekäme ab und zu einen Apfel zugeworfen. Immerhin: Wir hätten ein Dach über dem Kopf. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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