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Kolumnen Dokument des Schreckens
Sonntag Kolumnen Dokument des Schreckens
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00:47 07.11.2015
Von Imre Grimm
Metalfans heben in Wacken vor einer Bühne die Hände zur "Pommesgabel", dem Heavy-Metal-Gruß. Quelle: Axel Heimken/dpa

Nicht, weil Johann Sebastian Bach gleichauf liegt mit den Rolling Stones (je sechs Nennungen). Sondern, weil offensichtlich Amoklaufende PR-Berater ihre Finger im Spiel hatten. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem 63-jährige CDU-Abgeordnete Olly Murs‘ "Right Place, Right Time" zu ihrem absoluten Lieblingsalbum erklären.

Es bleibt wieder alles anders

In dem bayerische CSU-Landwirte namens Artur Auernhammer (52) sich zu "Rock Or Bust" von AC/DC bekennen und Thomas Feist (50) von der CDU zu "No Protection" von Massive Attack V. Mad Professor. In dem ein CSUler wie Alexander Hoffmann sagt, er sei leidenschaftlicher Grönemeyer-Fan "trotz, aber auch gerade wegen seiner systemkritischen Texte". Was ist da los? Zu viel Coolnesswasser getrunken? Kann nicht mal irgendwas wie früher bleiben?

Die Grünen hören Leonard Cohen und heimlich Helene Fischer. Die SPD hört Hannes Wader und heimlich Grönemeyers "Kinder an die Macht". Die FDP hört "Zehn nackte Friseusen" von Mickie Krause und "Hoch auf dem gelben Wagen" von Walter Scheel. Die CDU hört James Last und Andrea Berg. Und die AfD hört gar keine Musik, weil sie den Knopf nicht findet.

Gregor Gysi tanzt aus der Reihe

Immerhin – bei der Linken ist die Welt noch im Lot: Sahra Wagenknecht mag Georges Moustaki und Katja Kipping "Imagine" von John Lennon, weil er über "das Einfache, das schwer zu machen ist, singt: ein glückliches Leben jenseits des Kapitalismus". Bingo!

Gregor Gysi allerdings tanzt wieder aus der Reihe und mag "Kuschelklassik und Jazz, mit dem man Frauen gewinnt". Bitte? Jazz, mit dem man Frauen gewinnt? Hatˇs das je gegeben? Ist das nicht wie eine Pfeifensammlung, mit der man Frauen gewinnt?

Das Laudanum der Landbevölkerung

Ich möchte nicht, dass Marteria im Bundestag eine Rolle spielt. Oder die Red Hot Chili Peppers. Oder Lady Gaga. Es ist ein verstörender Gedanke, dass Politiker die gleiche Musik hören wie normale Menschen. Es könnte damit zusammenhängen, dass Politiker normale Menschen sind.

Beim Versuch, diesen Gedanken zu verarbeiten, habe ich mir soeben das Gehirn gebrochen. Ich muss jetzt dringend Slayer hören. Kalifornische Soziologen haben herausgefunden, dass Menschen, die mit Heavy Metal aufgewachsen sind, heute signifikant ruhiger und glücklicher sind als andere Gleichaltrige. Heavy Metal – das Laudanum der Landbevölkerung.

Hätten die AfD-Jungs damals mal bloß mehr Motörhead gehört. Schönes Wochenende!

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