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Kolumnen Trete und arbeite!
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19:01 27.11.2015
Von Uwe Janssen
Immer schön in Bewegung bleiben: Der Trend zum dynamischen Arbeitsplatz ist unaufhaltsam. Quelle: Benny Wong / CC BY 2.0

Dynamischer Arbeitsplatz – nie gehört? Kommt schon noch. Zu Ohren oder gleich unter den Tisch. Dynamischer Arbeitsplatz. Das ist nicht der Fachterminus für Hire and Fire, das ist auch kein Ausziehtisch, kein Klappstuhl, kein Rollcontainer, nein, alles falsch. Dynamischer Arbeitsplatz, das ist Sport für Sitzarbeiter. Galopp für Bürohengste, deren weibliche Pendants, warum auch immer, nicht Bürostuten genannt werden und wenn, dann sofort zur Gleichstellungsbeauftragten traben.

Räkeln ist keine Bewegung

Womit wir beim Thema wären. Denn genau das fehlt, sagt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Nicht die Gleichstellungsbeauftragte, sondern das Traben, die Bewegung. 18 Millionen Deutsche arbeiten im Büro und am Bildschirm. Mehr oder weniger regungslos. Gähnen, schnarchen und räkeln zählen offiziell nicht als Bewegung, Umblättern und Rechner neu starten auch nicht, Schubladen auf- und zuziehen, das alte Buchhalter-Stretching, bedeutet zudem für viele Sitztätige ein Verletzungsrisiko. Kuchen holen gilt als Nullsummenspiel, ab zehn Stücken Kuchen als kontraproduktiv, Ernährungswissenschaftler sprechen von Adidaspositas.

Der dynamische Arbeitsplatz soll nun Abhilfe schaffen. Mit einem Ergometer oder einem Stepper unter dem Tisch kann man Mailschreiben und Kalorienabbau verbinden. Eine Tabellenkalkulation ist mit angeregter Herz-Kreislauf-Tätigkeit viel schneller erledigt. Um den gefürchteten Excelschweiß zu verhindern, sollte das "Fatburner"-Programm auf dem Gerät nicht zu anspruchsvoll eingestellt werden. Ein Telefongespräch während der Stufe "Mont Ventoux" könnte zu schwerem Atem, Irritationen auf der Gegenseite und stockenden Geschäftsbeziehungen führen.

Klimmzüge verbieten sich

Ein Bürostuhl mit 90-Grad-Sit-up-Funktionslehne ist grundsätzlich eine gute Idee, allerdings nur ohne Timerfunktion. Ein plötzliches Abklappen nach hinten während eines Finanzberatungsgespräches würde beim anlagewilligen Kunden möglicherweise den Eindruck von Desinteresse erzeugen, besonders, wenn Sie trotz Bemühen nicht wieder hochkommen. Auch Klimmzüge verbieten sich, es sei denn, der Kunde macht auch welche, damit Augenhöhe erhalten bleibt.

Wenn Ihnen das alles zu doof ist, nehmen Sie Ihren Schreibtisch mit zum Sport. Besonders empfehlenswert für Eishockeytorhüter.

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