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Kolumnen Nutzlose Körperteile
Sonntag Kolumnen Nutzlose Körperteile
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19:56 31.03.2017
Das große Aufräumen: Möglicherweise kann uns ja die moderne Genforschung von überflüssigem Körperquatsch befreien. Quelle: Fotolia
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Hannover

Ich möchte nicht an der Evolution herummäkeln. Dazu bin ich nicht befugt. Das Ausmaß meiner Unkenntnis biologischer Prozesse wird nur noch von meiner Ahnungslosigkeit als Schöpfer eines Universums übertroffen. Aber gelegentlich beschleicht mich doch das Gefühl, dass der Planet eine “Beschwerdestelle Evolutionäre Unzulänglichkeiten“ gebrauchen könnte, kurz: BEUL. So eine Art InfoPoint für Körperquatsch. Ich bin sicher: Da wäre der Bär los. Da sähe es aus wie an der Saturn-Stresstheke sonnabends um 18.30 Uhr. Da stünden sie, die Mühseligen und Beladenen, mit ihren Blinddarmentzündungen, eiternden Weisheitszähnen und erfrorenen kleinen Zehen.

Die Liste nutzloser Körperteile ist endlos: Die einzigen Menschen zum Beispiel, die Weisheitszähne brauchen, sind Kieferchirurgen. Auch das dritte Augenlid – die sogenannte Nickhaut, eine Art transparente Schutzklappe für die Iris – braucht niemand mehr. Sie ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als wir noch Krokodile waren. Oder wer braucht Mandeln? Mandeln sind egaler als die FDP. Mandeln entzünden sich bloß und müssen herausgeholt werden – so ähnlich wie die FDP aus dem Deutschen Bundestag.

Peinliche Überreste der Evolution

Ebenfalls völlig enthirnt: das Steißbein, der peinliche Restschwanz des Hominiden. Es dient heute ausschließlich dafür, nach einer Campingnacht auf der Isomatte umliegende Hoteliers reich zu machen. Oder der Musculus arrector pili – der Muskel, der die Gänsehaut macht. Früher ein Spitzentrick, um bei Gefahr die Haare aufzurichten und größer und gefährlicher zu wirken. Bloß: Wenn Sie heute als 1,60 großes Milchgesicht vor sechs gewaltbereiten Motorradrockern stehen, nützt Ihnen der Musculus arrector pili auch nicht mehr viel.

Und was soll bloß der kleine Zeh – der menschliche Breitreifen? Es hört nicht auf: Im Nasenscheidewand-Grübchen sitzen Chemo-Sensoren ohne jede Funktion. Tot. Früher waren die wichtig, heute sind sie sinnlos wie ein SCART-Anschluss am DVD-Player. Oder die Nasennebenhöhlen. Die könnten Sie bündig mit Beton ausgießen und es ändert sich: nix. Außer, dass Sie seltener zum Arzt müssen.

Was wir für Blödsinn mit uns rumschleppen! Aber von diesem Organ zwischen unseren Ohren nutzen wir nur 20 Prozent. Und wenn Facebook irgendwann gesiegt hat, werden auch die verkümmern. Immerhin: Uns bleibt immer noch der Blinddarm. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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