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Schulz und Sühne

Schaumschlägerei mit Imre Grimm Schulz und Sühne

Was empfehlen Politikberater im Wahlkampf, wenn die inhaltliche Differenzierung zu riskant ist und alle ernsthaften Themen zu trocken? Ganz klar: Es muss menscheln, am besten mit einem Schwank aus der eigenen, wilden Jugend.

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Politiker sind doch auch nur ganz normale Menschen, die in ihrer Jugend ganz normale Dummheiten anstellen.

Quelle: gpt

Hannover. Dieser Wahlkampf ist ja ungefähr so aufregend wie eine Flasche Mineralwasser mit Jörg Schönenborn. Aber der Martin Schulz – wir berichteten gelegentlich – hat jetzt einen richtigen Knaller ausgepackt: Der “Sausack“ (Schulz über Schulz) hat als Lümmel im Saarland tatsächlich mal in einer durchzechten Nacht ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet! Potztausend! Das ganze Paket! Der verrückte Hund!

Mal abgesehen von der Frage, warum man als Jugendlicher im deutsch-französischen Grenzgebiet nachts ein Paket Waschpulver mit sich herumträgt: Angela Merkel hätte das niemals getan. Die Kanzlerin verwendet gar kein Waschpulver. Die reibt sich höchstens mal mit einem groben Bimsstein ab.

Harzige Baumhöhlen

Auf die Frage, was das Verrückteste war, was sie je getan habe, sagte Merkel mal: “Mit einem neuen Trainingsanzug aus einem Westpaket in eine harzige Baumhöhle zu kriechen.“ War aber nicht so schlimm: Einfach mit einem groben Bimsstein abgerieben, und die war wie neu, die Jacke.

Aber das Dollste, was der Schulz jemals angestellt hat, das war – chrchrchrchr! – noch viel doller: “Den größten Mist, den ich gebaut habe, kann ich nicht öffentlich machen“, sagte er. Dabei weiß doch jeder, dass der größte Mist, den er je gebaut hat, das Spaßbad in Würselen war.

Christian Lindner dagegen hatte als Jugendlicher stets ein Paket Waschpulver zur Hand. Nur für den Fall, dass 30 Jahre später mal ein Journalist fragen würde, ob er in seiner Jugend mal ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet hat. Der Lindner ist auf alles vorbereitet. Als der seinen Masterplan schrieb, da war er fünf.

Milchbrötchen vs. Street Credibility

Wenn Politiker mit Milchbrötchen-Syndrom an ihrer Street Credibility arbeiten, klingt das immer wie ein Streich aus einem Theo-Lingen-Film. Diese Strolche, zwinkerzwinker! Christian Wulff erzählte gern, wie er damals mit der Lederjacke auf dem Mofa ... aber das war so peinlich, das wollen wir nicht wiederholen. Wulff hat dann später doch noch die Wahrheit gesagt: “Ich bleibe abends gern zu Hause und trinke ein Glas Saft.“

Und wenn nichts von seiner Präsidentschaft bleibt – dieser Satz hat Bestand. Und jetzt verkrieche ich mich in einer harzigen Baumhöhle, bis dieser Wahlkampf vorbei ist. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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