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Mode & Stil Ein Duft nach Maß
Sonntag Mode & Stil Ein Duft nach Maß
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20:01 22.07.2016
Manchmal ist es nicht viel mehr als der Duft frischer Wäsche: Parfümeurin Stéphanie de Bruijn kreiert, was ihre Kunden wünschen. Ihre wichtigsten Arbeitsmittel sind ihr Computer – und natürlich die Nase. Quelle: privat
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Manche Besucher locke der intensive Duft auf der Straße zu ihr, sagt Stéphanie de Bruijn. Neugierig betreten sie ihr "Boudoir", wie die Parfümeurin den kleinen Raum nennt, dessen dunkles Mobiliar und Tapete mit ihren roten und rosa Blüten für eine heimelige, ja betörende Atmosphäre sorgen. Elegante Flakons sind dort aufgereiht, eine Waage steht da und der Computer – ihr wichtigstes Handwerkszeug. Neben der Nase.

Kunden kommen aus der ganzen Welt in die exklusive Boutique im siebten Arrondissement von Paris. Stéphanie de Bruijn betreut Kunden aus Russland, aus den USA oder aus Japan. Die Menschen kommen nicht durch Zufall zu ihr, sondern weil sie von de Bruijns Nase erfahren haben. Das Gespür der Parfümeurin für Nuancen gilt als das Feinste in ganz Frankreich.
De Bruijns Angebot ist entsprechend exklusiv: Die 42-Jährige kreiert Parfümessenzen nach Maß.

Der Luxus des Unikats

Sie fertigt Unikate, die auf den Träger zugeschnitten sind. Zwei Drittel der Kunden sind weiblich. Und meist handelt es sich bei ihnen um Menschen, die ihren Duft nicht nur mitbestimmen, sondern durch ihn eine Aura der Einzigartigkeit ausströmen wollen. "Der neue Luxus besteht in einem besonderen Erlebnis", sagt de Bruijn.

Zu ihr kommen Frauen, die bereits zehn Taschen von Louis Vuitton oder Hermès besitzen und trotzdem nichts Besonderes in der Hand halten – weil ihre wohlhabenden Freundinnen die gleichen Modelle besitzen. "Mit ihrem persönlichen Duft wollen meine Kundinnen aus dieser Gruppe herausstechen. Sie wollen einzigartig sein."

Diese Leistung hat ihren Preis. De Bruijn verkauft 17 exklusive Parfümkreationen für jeweils 250 Euro pro Flasche mit Zerstäuber. "Paris – Istanbul" heißt eine, "Paris – Saint-Germain-des-Prés" eine andere oder auch "Poignées d'amour": Der Begriff ist ein liebevoller Ausdruck für Hüftgold und steht für ein Männerparfüm, das de Bruijn geschaffen hat, als sie gerade ihren Mann kennengelernt hatte.

Besonderes hat seinen Preis: Eine persönliche Nuance aus dem Hause de Bruijn kostet viele Hundert Euro – und mehr. Quelle: privat

Wer es sich leisten kann, beauftragt die Expertin mit der Kreation eines persönlichen Duftes. In Gesprächen ermittelt de Bruijn die Vorlieben und Wünsche ihrer Kunden. Die neue Nuance entsteht dann entweder auf Basis eines ihrer 17 Düfte. In einem solchen Fall kostet ein Flakon etwa 1000 Euro. Wenn die Parfümeurin eine komplett neue Grundlage für eine Nuance entwickelt, liegt der Preis bei 6000 Euro und ist oftmals sogar höher.

Besonders teuer sei das nicht, versichert de Bruijn, angesichts der verwendeten wertvollen Essenzen und der Exklusivität: Bei großen Häusern wie Cartier oder Guerlain koste ein Parfüm nach Maß Zehntausende Euro. "Wie bei einem maßgeschneiderten Kleid bezahlt man die Materialien, die Arbeit, auch die Kreativität." Ihre Nase trainiert die Expertin täglich, um nie aus der Übung zu kommen. Nach dem Zufallsprinzip öffnet sie Essenzen, um deren Inhalt zu erraten und die richtigen Worte für das zu finden, was sie dann riecht.

Spezialaufträge aus aller Welt

Manche Kunden kämen auch mit sehr speziellen Ideen. So wie jener Mann "aus dem Osten", der sie bat, den Duft einer ganz speziellen Rose aus seinem Garten für seine Frau zu reproduzieren und frisch geschnittene Blüten mit seinem Privatjet anliefern ließ. Oder wie eine afrikanische Unternehmerin, die bei Konferenzen mit ihren männlichen Kollegen eine dominante Duftmarke setzen und damit zeigen wollte, wer hier die Chefin sei.

Auch erinnert sich die Parfümeurin an eine Frau aus Südfrankreich, die sich nichts mehr wünschte als den Geruch frischer Wäsche, die in einem Schrank in ihrem Landhaus lagerte. "Das war eine Herausforderung", sagt de Bruijn. "Aber es hat funktioniert, sie war zufrieden."

Monatelang arbeitet de Bruijn an manchen Aufträgen, probiert mit Dutzenden oder gar Hunderten verschiedenster Duftrichtungen immer wieder neue Kombinationen aus, um sich allmählich einem Endergebnis anzunähern. Ihre Inspiration sei stets der Mensch, den sie vor sich habe. "Aber auch das siebte Arrondissement von Paris, mein Viertel, regt mich an: Es steht für Eleganz und Kunst, überall sind Galerien."

Inspiriert von der Parfümhochburg Grasse

Die Tochter einer Französin und eines Niederländers lebt in Paris. Aufgewachsen ist de Bruijn aber im südfranzösischen Cannes, unweit der Parfümhochburg Grasse. Bis heute dient diese als internationale Plattform für Duftessenzen. Auch de Bruijn bezieht ihre Rohstoffe aus Grasse. Darunter sind etwa Rosen aus der Türkei, Geranien aus Ägypten und Jasmin aus Spanien. "Schon als Kind war es mein Traum, Parfümeurin zu werden", erzählt de Bruijn. "Doch weil meine Eltern nicht begeistert waren, studierte ich zunächst Biologie."

Anschließend arbeitete sie für einen Zulieferer großer Parfümmarken, gewann einen Nachwuchswettbewerb (mit ihrem Männerduft "Poignées d'amour") und bekam ein Jobangebot in Paris. Im Jahr 2007 eröffnete de Bruijn in Paris ihre Boutique, weil sie viele Anfragen hatte und, wie sie sagt, den Trend von "Parfüms nach Maß" vorausahnte. Einen guten Riecher hat sie damit allemal bewiesen.

Von Birgit Holzer

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