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Lauter Goldstücke

Gold und Silber im Trend Lauter Goldstücke

In der Wintermode glänzt und glimmert es gewaltig: Gold und silber sind die Farben der Saison – für Hosen, Röcke, Taschen, Schuhe und sogar ganze Anzüge.

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Zum Piepen: Diese Lamé-Hose sieht aus, als komme sie aus der Zukunft. Sie liegt aber ganz gegenwärtig im Trend.

Quelle: Mango

Hannover. Elvis Presley wusste, dass es für einen Star irgendwann keine große Sache mehr ist, sich über und über in Gold zu kleiden. Auf dem Cover des Albums “50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong“ trägt die Rock-’n’-Roll-Legende einen Anzug aus Lamé, und zwar so lässig, wie andere weiße T-Shirts zur Jeans.

Mit ähnlichem Understatement wird auch zurzeit wieder Gold getragen – und zwar nicht mehr nur auf roten Teppichen, sondern auch im Alltag. Reichtum mag auch 100 Jahre nach der Oktoberrevolution einigen, wenigen vorbehalten sein. Modisches Gold dürfte sich heute immerhin aber jeder leisten können. In der Saison Herbst und Winter 2017/2018 glänzt und glimmert nämlich eigentlich alles: Lippenstifte, Lidschatten, Kleider, Hosen, Blusen, Röcke und Schuhe. Die Mode – allen voran Labels wie Chanel, Versace und Emilio Pucci – hat die nächsten Monate zur Glitzerparty erklärt.

Glamour und Gucci-Effekt

Vor wenigen Tagen erst absolvierte Teenie-Idol Harry Styles in einem goldenen Lamé-Anzug das zweite London-Konzert der aktuellen One-Direction-Tour in einem reich mit Ornamenten bestickten Hosenanzug, Grundfarbe: Gold. Kenner erkannten selbstverständlich sofort, dass das Stück ein Teil der aktuellen Herbst-Kollektion von Gucci war. Somit ist der Styles-Anzug wieder einmal ein Beweis für den viel beschriebenen Gucci-Effekt: Das, was das italienische Haus vorgibt, ist Trend.

Das New Yorker Modelabel Proenza Schouler etwa schickte eine lässig lockere Paperbag-Hose über den Laufsteg, deren Material auf den ersten Blick an das einer Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten des Autos erinnert – nur dass diese nicht gelbgolden, sondern kühl und silberfarben daherkommt. Und zumindest die auf schnelle Mode-Zitate spezialisierten Designer des spanischen Konzerns Inditex fanden sie so großartig, dass ein ganz ähnliches Modell zurzeit in den Filialen von Mango hängt. Vergleichbare Beispiele sind so häufig, dass man sie nicht alle aufzählen kann.

Lametta am Kleid am Baum

Lametta mag nicht mehr am Baum hängen, drum herum wird es im Dezember trotzdem ordentlich glitzern – und piepsen. Wer nämlich mit einem Lurexpullover durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens geht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit herausgewunken: Das Kontrollsystem reagiert auf die Metallfäden.

Manches der Goldstücke aktueller Kollektionen mag vielleicht futuristisch anmuten. In Wahrheit handelt es sich allerdings um eine Renaissance: Retrospektiven sind gerade ein großes Thema, die Siebzigerjahre und der Glamour des Studio 54 sind nur eines der beliebten Motive. Dass metallhaltige Gewebe wie Lamé und Lurex keine Erfindungen der Neuzeit sind, ist zurzeit unter anderem in Tom Tykwers für die originalgetreue Ausstattung gelobter Serie “Babylon Berlin“ zu sehen: Darin tanzt sich Liv Fries als Charlotte Ritter im goldfarbenen Flapperdress durch die Nächte des Jahres 1929.

Die britische Modehistorikerin Lou Taylor schreibt in ihrem Buch “The Study of Dress History“ übrigens von einer früheren Begleiterscheinung der Gold-Mode, die so gar nicht zum Glamour passt: Sie charakterisiert den eigenwillig-sauren Geruch der Metallfäden – und zitiert wiederum eine Zeitzeugin aus den Dreißigerjahren: “Lamé riecht wie ein Vogelkäfig, wenn es warm wird. Aber ich liebe es.“

Von Dany Schrader

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