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20:01 01.07.2016
Von Daniel Behrendt
Gute Wahl für ambitionierte Fotoamateure, die sich nicht mit viel Ausrüstung beschweren wollen: Die neuen Kompaktkameras mit 1-Zoll-Sensor. Quelle: iStock
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Wozu noch eine Kamera kaufen, wenn das Smartphone ohnehin eine an Bord hat?  Eine Kamera zudem, die auch technisch Minderbegabte bedienen können, die man garantiert nicht versehentlich zu Hause liegen lässt und die den direkten Zugriff auf alle erdenklichen Social-Media-Plattformen erlaubt. Und eine Kamera, deren Bildqualität sich längst nicht mehr verstecken muss. Höherwertige Smartphones verfügen inzwischen über Kameramodule, die in puncto Performance und Abbildungsleistung immerhin das Niveau ordentlicher Kompaktkameras erreichen.

Entsprechend hat sich der Absatz konventioneller Fotoapparate seit 2010 von mehr als 8,5 Millionen jährlich verkaufter Geräte auf kaum mehr als vier Millionen Stück halbiert. Die fünf meistverwendeten Kameras der weltgrößten Foto-Community flickr sind laut Nutzerstatistik durchweg Smartphones: vier von Apples iPhone-Modellen, gefolgt vom Galaxy S6 des Erzrivalen Samsung.

Klassische Kameraproduzenten sind längst in der Defensive – und suchen ihr Heil in Kompaktmodellen, die Vorteile der Mobile Devices aufgreifen (Touch-Displays, Fernsteuerung über Smartphone-App, kompakte Abmessungen), zugleich aber eine Bildqualität bieten, die sich deutlich genug von den allermeisten Handykameras absetzt, um die Anschaffung eines Gerätes zu rechtfertigen, das nicht mehr kann als Fotos und Videos aufzunehmen.

Großer Sensor in handlicher Verpackung

Zwei baubedingte Nachteile des Smartphones können sich Kamerahersteller dabei zunutze machen: Zum einen lassen die flunderflachen Handygehäuse nicht den Einbau von Zoomobjektiven zu, zum anderen sind die in Smartphones verbauten Kamerasensoren winzig und damit rauschanfällig. Das erklärt, warum die meisten Smartphones nur bei schönem Wetter ansprechende Fotos schießen, die Bildqualität unter schlechteren Lichtbedingungen jedoch rasch einbricht.

Das Rezept, das die Wende im Kompaktkamerabereich bringen soll, lautet dementsprechend: möglichst große Bildsensoren und möglichst hochwertige Zoomobjektive in dennoch möglichst kleinformatiger Verpackung. Einen überzeugenden Kompromiss aus Hosentaschentauglichkeit und sehr guter Bildqualität bieten Kompaktkameras mit 1-Zoll-Sensor.

In Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit rangiert die recht neue Sensorgattung deutlich näher bei den Bildgebern digitaler System- oder Spiegelreflexkameras als bei den noch nicht einmal centstückgroßen Fotosensoren der meisten Smartphones. Zudem verfügen viele Kameras der 1-Zoll-Klasse über hochwertige und oftmals lichtstarke Objektive. Das stark weitwinklige Zoomobjektiv der kürzlich vorgestellten Nikon DL 18-50 bietet beispielsweise, je nach eingestellter Brennweite, eine beeindruckend hohe Lichtstärke von f1.8 bis f2.8.

Edelkompakte für versierte Amateure

Eine entsprechende Optik für eine Spiegelreflexkamera wäre, wenn es sie denn gäbe, wuchtig, schwer und allenfalls für einen vierstelligen Preis zu haben. Wer allerhöchste Ansprüche an die Bildqualität stellt, muss also jede Menge Geld in die Hand nehmen und bereit sein, eine sperrige Fototasche mit sich herumzuschleppen. Wer dagegen mit der Fotografie keine größeren künstlerischen Ambitionen verfolgt oder seinen Lebensunterhalt nicht mit der Kamera bestreiten muss, ist mit einer der neuen Edelkompakten schon bestens bedient.

Mit nicht eben niedrigen Preisen zwischen rund 500 und 1500 Euro richten sich die 1-Zoll-Kompaktkameras vor allem an versierte Fotoamateure, die ihr Hobby mußevoller zelebrieren wollen als der durchschnittliche Handy-Schnappschütze und die ihre Bilder zudem nicht nur im Internet zeigen, sondern auch ausdrucken wollen. Spätestens jenseits des Din-A4-Formats spielt der große Sensor seine hohe Auflösungsleistung aus, was durch gestochene Details, feinere Tonwertabstufungen und eine differenziertere Kontrastdarstellung augenfällig wird.

Kompaktkameras im Kurzcheck

Panasonic FZ1000

Die im Sommer 2014 eingeführte Panasonic Lumix FZ1000 (um 700 Euro) gehört zu den betagtesten Kameras mit 1-Zoll-Senor – aber aufgrund ihres runden Gesamtpakets nach wie vor zu den besten. Das recht wuchtige Gehäuse mit dem prominent ausgeformten Griffstück liegt satt und sicher in der Hand und kommt vor allem Fotografen entgegen, die üblicherweise mit einer Spiegelreflexkamera arbeiten. Die Bedienung erfordert Einarbeitung, lässt sich aber dank vieler frei belegbarer Funktionstasten perfekt an eigene Vorlieben anpassen. Highlight der FZ1000 ist ein hochwertiges, lichtstarkes Zoomobjektiv, das mit einem Brennweitenbereich von 25 bis 400 Millimetern fast allen Motiven gewachsen ist.

Sony RX100 IV

Mit der 2012 vorgestellten Sony Cyber-shot RX100 begann der Boom der 1-Zoll-Kompakten. Inzwischen ist die zu den kleinsten Modellen ihrer Klasse zählende Kamera in der vierten Generation, also beim Modell RX100 IV (um 900 Euro) angekommen und bietet bemerkenswerte technische Features – etwa einen sogenannten Pop-up-Sucher, einen elektronischen Sucher also, der auf Knopfdruck aus der Gehäuseoberseite schnellt und bei heller Umgebung für die Motivkontrolle weit hilfreicher ist als das Rückseitendisplay. Video- und Fotoqualität sind hervorragend. Der Zoombereich des lichtstarken Objektivs (f1.8 – f2.8) fällt mit 24 bis 70 Millimetern allerdings schmal aus.

Panasonic Lumix TZ101

Die Buchstaben "TZ" stehen für "Travel Zoom" und bezeichnen eine Reihe von Kameras, die für Fotografen gedacht sind, die sich nicht mit großer Fotoausrüstung beschweren, aber dennoch für alle Motive gerüstet sein wollen. Entsprechend bieten die TZ-Modelle Komplettausstattung in einem jackentaschentauglichen Gehäuse. Die TZ 101 (um 650 Euro) ist das erste Modell mit 1-Zoll-Sensor und hebt die vormals nur durchschnittliche Bildqualität der Reihe auf deutlich höheres Niveau. Mit einem Zoombereich von 25 bis 250 Millimetern, einem leistungsstarken Makro- und einem sehr guten 4K-Videomodus ist die TZ101 eine echte Generalistin.

SONY RX10 III

Als Konkurrenzmodell zur Panasonic Lumix FZ1000 schickt Sony mit der Cyber-shot RX10 III (um 1500 Euro) eine ähnlich wuchtige Kamera ins Rennen, mit der sich vor allem Spiegelreflex-Fotografen schnell wohlfühlen dürften. Die inzwischen dritte Modellgeneration bietet mit einem Brennweitenbereich von 24 bis 600 Millimetern die „längste Linse“ unter den 1-Zoll-Kameras. Im Weitwinkelbereich bietet das Objektiv eine Lichtstärke von f2.4, in maximaler Telestellung immer noch exzellente f4. Damit ist die Sony RXIII hervorragend für Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe geeignet.

Nikon DL 18-50

Gerade erst auf den Markt gekommen, dürfte die Nikon DL 18-50 (um 1000 Euro) vor allem das Interesse von Landschaftsfotografen wecken. Mit einer Ausgangsbrennweite von extrem weitwinkligen 18 Millimetern verfügt das lichtstarke Zoom (f1.8 – f2.8) in dieser Kameraklasse über ein Alleinstellungsmerkmal, dafür ist am "langen Ende" schon bei 50 Millimetern Schluss, was etwa für ansprechende, verzerrungsfreie Porträtaufnahmen gerade so ausreicht. Wem der Rückseitenmonitor zur Bildkontrolle nicht genügt, der kann einen hochauflösenden elektronischen Sucher auf den Blitzschuh stecken. Der allerdings schlägt noch einmal mit mehr als 200 Euro zu Buche.

Canon PowerShot G3 X

Beim Brennweitenbereich liegt Canons PowerShot G3 X mit 25 bis 600 Millimetern (um 800 Euro) nahezu gleichauf mit Sonys deutlich größerer RX10 III, das Objektiv bietet aufgrund seiner deutlich kompakteren Bauform allerdings vor allem am Teleende deutlich weniger Lichtstärke (f2.8 – f5.6). Bei der Bedienung gefällt das berührungsempfindliche Schwenkdisplay. Ein Sucher fehlt der Canon als einzigem der hier vorgestellten Modellen, ist aber separat (um 200 Euro) erhältlich. Einsätze unter widrigen Wetterbedingungen nimmt die G3 X nicht weiter übel, da das sauber verarbeitete Gehäuse gegen Spritzwasser abgedichtet ist.

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