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Technik & Apps Zubehör für anspruchsvolle Handy-Fotografen
Sonntag Technik & Apps Zubehör für anspruchsvolle Handy-Fotografen
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22:13 06.11.2015
Von Daniel Behrendt
Ein Handybild wird zur Profi-Aufnahme: Die neuen Kameramodule bringen höchste Bildqualität, aber auf Kosten der einfachen Handhabung. Quelle: istock
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Die beste Kamera ist gerade die, die man dabeihat. Dieser längst zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch stammt von dem legendären Fotografen Elliott Erwitt. Als der 1928 geborene US-Amerikaner diesen Satz sagte, war die Fotografie noch eine sperrige Angelegenheit. Ein klobiges Kameragehäuse, mehrere Objektive und Rollfilme zum Wechseln gehörten in die Kameratasche. Gut und gerne also ein paar Kilogramm Technik, die an der Schulter zerrten.

Vermutlich hätte sich Erwitt für die jacken-, mitunter gar hosentaschentauglichen Digitalkameras unserer Zeit begeistert – und wahrscheinlich noch mehr für das Smartphone, die Kamera also, die tatsächlich (fast) jeder (fast) immer dabeihat. Kein Wunder, dass die fünf meistgenutzten Fotoapparate heute vier von Apples iPhone-Modellen sowie ein Mobiltelefon des koreanischen Erzrivalen Samsung sind, wie ein Blick in die Statistik der weltgrößten Fotoplattform flickr zeigt.

Pulitzer-Preis für Handybilder

Dass man auch mit einem Handy beeindruckende Bilder schießen kann, bewies schon vor Jahren Damon Winter, Fotograf der "New York Times", mit einer Kriegsreportage aus Afghanistan. 2009 wurde die mit einem iPhone und den nostalgischen Fotofiltern der Hipstamatic-App erstellte Bilderstrecke mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Seither werden selbst manche Independent-Filmproduktionen und etliche Hochzeitsshootings ausschließlich mit dem Smartphone realisiert – zur vollsten Zufriedenheit von Künstlern und Kunden.

Was also will man mehr? Ginge es nach den Technikriesen Sony und Olympus, wäre dieses "Mehr" ein zusätzliches Modul, das die bereits vorhandene Smartphone-Kamera ergänzt oder gar ersetzt. In der Praxis bedeutet das: Die zusätzliche Kamera liefert den Bildsensor und das Objektiv, das Smartphone steuert über eine kompatible App die Benutzeroberfläche bei.

Das klingt zwar reichlich doppelt gemoppelt, ergibt bei näherer Betrachtung aber durchaus Sinn. Denn die in Handys verbaute Kameratechnik lässt allein schon konstruktionsbedingt keine wirklich berauschende Bildqualität zu: Weder lässt sich im flunderflachen Gehäuse eines Mobiltelefons ein Zoomobjektiv unterbringen, das mehr Flexibilität bei der Bildkomposition bieten würde. Noch findet darin ein großer Bildsensor Platz, der selbst bei Schwachlicht noch rauscharme und fein auflösende Bilddaten liefert. Derartige Beschränkungen wollen die Zusatzkameras überwinden.

Hohe Bildqualität – aber umständliche Bedienung

Gedacht sind externe Module wie die bereits vor zwei Jahren vorgestellte QX-Reihe von Sony und das seit etwa einem halben Jahr erhältliche Konkurrenzmodell Olympus Air für Anwender, die ihr Smartphone als primäres fotografisches Instrument nicht missen wollen, sich zugleich aber eine sichtbar bessere Bildqualität wünschen.

Beide Hersteller kommen diesem Wunsch mit großen und lichtempfindlichen Bildsensoren nach: Die mit Wechselobjektiven bestückbare Olympus Air ist mit einem Micro-Four-Thirds-Sensor ausgestattet, der etwa die 15-fache Fläche eines durchschnittlichen Smartphone-Sensors hat. Das bereits mit einer festen und recht lichtstarken Zoomoptik bestückte Konkurrenzmodell von Sony, die QX100, hat wiederum einen kleineren 1-Zoll-Bildgeber, der es aber immerhin noch auf die rund achtfache Fläche bringt. Entsprechend deutlich sind die externen Module den internen Handykameras bei den Abbildungsleistungen überlegen.

Erkauft wird die höhere Bildqualität allerdings durch maximal umständliche Bedienung: Zunächst nämlich müssen die Kameramodule zeitaufwendig über das Abscannen eines QR-Codes eine Wi-Fi-Verbindung zum Smartphone aufbauen, was spontane Schnappschüsse definitiv ausschließt. Zudem funktioniert die Signalübertragung zwischen Smartphone-App und Kameramodul nicht immer reibungslos, oft reagiert das System verzögert, das Livebild auf dem Display friert ein oder es kommt gar zu Verbindungsabbrüchen.

20 Megapixel mehr für die Handykamera

Auch die Handhabung ist alles andere als optimal: Mittels eines Clips werden die nicht übermäßig zierlichen Module an der Rückseite des Smartphones befestigt, was nicht nur eine recht wackelige Angelegenheit ist, sondern auch eine ziemlich sperriges Gespann ergibt. Derartige Beschwernisse stehen im Widerspruch zum eigentlich leichthändig-unprätentiösen Wesen der Smartphone-Fotografie.

Die DxO One, das jüngste Kamera-Upgrade fürs Smartphone, verfolgt ein schlüssigeres Konzept. Interessant ist die 108 Gramm leichte, in ihren Abmessungen etwa zwischen Streichholz- und Zigarettenschachtel rangierende Ansteckkamera allein schon, weil der aus Frankreich stammende Entwickler DxO zu den führenden Anbietern von Bildverbesserungssoftware zählt. Entsprechend viel Know-how hat das Unternehmen in jene Algorithmen einfließen lassen, die die vom Bildsensor generierten Daten auslesen und zum fertigen Foto aufbereiten.

Erste Testberichte bescheinigen der mit einem 20 Megapixel auflösenden 1-Zoll-Bildgeber bestückten DxO One denn auch eine hervorragende Bildqualität, die an das Niveau weit größerer und schwerer Einsteiger-Systemkameras heranreicht – mit 599 Euro allerdings auch teuer bezahlt werden muss.

Bilder aus vielen Perspektiven möglich

Der Clou der DxO One ist ihre eingebaute Lightning-Schnittstelle, der eine unkomplizierte und vor Funklöchern gefeite Plug-and-Play-Verbindung zum iPhone ermöglicht. Der Stecker limitiert die Kompatibilität allerdings auf Apple-Geräte und sitzt zudem nicht allzu stramm in der Buchse des iPhones. Dafür lässt sich das Kameramodul um jeweils bis zu 60 Grad nach oben und unten schwenken, was Aufnahmen aus der Frosch- oder Überkopfperspektive erleichtert.

In puncto Design, Handling und Performance gehen iPhone und DxO-Kameramodul zwar ein weitaus organische Verbindung ein als alle bislang erhältlichen Konkurrenzlösungen. Allerdings bleibt auch hier die geniale Einfachheit der Smartphone-Fotografie auf der Strecke, der unbekümmerte, von unnötigem technischem Ballast befreite Schnappschuss. Und, praktisch gedacht: Jedes zusätzliche Teil, das zum Fotografieren nötig ist, ist theoretisch ein Teil mehr, das man versehentlich mitzunehmen vergessen könnte.

Die neuesten Kamera-Upgrade fürs Smartphone

Will dem iPhone die Bildqualität einer Spiegelreflexkamera bescheren: Die DxO One. Im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen wird die Ansteckkamera nicht über W-LAN, sondern unkompliziert über den Lightning-Anschluss mit dem Smartphone gekoppelt. Quelle: Hersteller
Macht das Handy fit für Systemkameraobjektive: Die mit Wechselobjektiven bestückbare Olympus Air ist mit einem Micro-Four-Thirds-Sensor ausgestattet, der etwa die 15-fache Fläche eines durchschnittlichen Smartphone-Sensors hat. Quelle: Hersteller
Die Sony QX 100: Viel Zusatzkamera zerrt am zierlichen Smartphone, dafür punktet sie mit einer lichtstarken Zoomoptik. Quelle: Hersteller
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